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Exkursion

08.10.2017

Der Wald ist die Zukunft

In der St. Thekla-Kirche in Welden staunten die Gäste bei der Führung durch Hartmut Dauner über die wunderschönen Schnitzereien und Verzierungen.
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In der St. Thekla-Kirche in Welden staunten die Gäste bei der Führung durch Hartmut Dauner über die wunderschönen Schnitzereien und Verzierungen.
Bild: Bunk

Die berühmten Fugger’schen Stiftungen gewähren einen Einblick in ihre Tätigkeit. Durch nachhaltige Forstwirtschaft werden sie mit Einnahmen versorgt. Die Bestände sind derzeit im „Umbau“

Wenn es um das gesellschaftliche Erbe des berühmtesten Augsburgers Jakob Fugger und seiner Nachkommen geht, lässt sich auch Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl in der Region sehen. So gesellte er sich unter die rund 50 Gäste der Fugger’schen Stiftungen, die in Laugna von Administrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt und Forstdirektor Hartmut Dauner einen Einblick in das Vermögen der Stiftungen bekamen. In den Wald, dessen nachhaltige Bewirtschaftung für regelmäßige Einnahmen sorgt. „Die Fugger sind mit Augsburg untrennbar verbunden“, sagte Gribl.

Dass der Leitende Forstdirektor Hartmut Dauner klare Vorstellungen hat, was dem Wald gut tut und was nicht, merken die Gäste der Exkursion schnell. Bereits bei der geschichtlichen Einführung im Garten des Stiftungsforstamts an der Laugnaer Hauptstraße erklärte er, warum die Umschichtung von Kapital in Liegenschaften im Jahre 1660 der Garant für die Leistungsfähigkeit der Stiftungen war. Der Wald fiel keiner Inflation und Währungsreform zum Opfer. Dauner erinnert an den Wiederaufbau der Fuggerei in Augsburg, die im Zweiten Weltkrieg zu zwei Dritteln in Schutt und Asche lag. „Mit dem Wald als Sicherheit konnten die Stiftungen immer wieder neu beginnen und den Aufgaben nachkommen.“ Eine davon ist der Erhalt der seit 1912 stiftungseigenen St. Thekla Kirche in Welden, welche die Besucher mit ihren wunderschönen Malereien und Verzierungen beeindruckt.

Bei der Busfahrt nach Welden und zurück, dann wieder rund um Laugna, gibt Dauner Einblicke in die Forstwirtschaft. Im Wald zwischen Bocksberg und Emersacker lenkt er den Blick auf einen Teich, der an Hobbyfischer verpachtet ist. 1995 begann Dauner hier mit der Erstaufforstung von Ackerflächen und der Anlage eines Wiesentälchens. Idyllisch ist nicht nur die Lage. Die Stücke der Wertinger Jagdhornbläser und Herbstgedichte, die Hartmut Dauner vorträgt, verstärken die Wirkung. Die zweite Station ist am Stettener Kreuz, wo ein reiner Fichtenbestand nach der Zerstörung durch Wind und Borkenkäfer umgebaut wird – in einen Mischwald mit 70 Prozent Fichten, 15 Prozent Douglasien, fünf Prozent Tannen und zehn Prozent Buchen und Roteichen. Fichtenreinbestände bezeichnet Dauner als „Maisäcker des Waldes“ – sie seien „ertragreich, aber mit hohem Risiko behaftet.“

Weil Fichten flach wurzeln und in trockenen Zeiten wenig Wasser bekommen, stellen Borkenkäfer und starker Wind eine große Gefahr dar. Dauner führt aus: „Wenn am Stiftungsforstamt bei starkem Wind die Fensterläden klappern, weiß ich, dass wieder Bäume liegen.“ Tannen dagegen dringen mit ihren Pfahlwurzeln durch den verdichteten Feinlehmboden, stabilisieren den Bestand und holen sich aus eineinhalb Metern Tiefe Wasser. Eingezäunt sind sie, um dem Verbiss durch Rehe vorzubeugen, der vorprogrammiert wäre, weil hier ansonsten vorwiegend Seegras wächst. In der Waldabteilung „Vorderer Stettener“ zeigt Dauner den planmäßigen Umbau eines Fichtenbestandes mit künftig hoher Tannenbeteiligung. Hier sind neben 60 Prozent Fichten dann 20 Prozent Tannen sowie jeweils zehn Prozent Buchen und Douglasien zu finden.

An der letzten Station, zwischen Hinterbuch und Osterbuch, erläutert Dauner das Leistungsvermögen bewährter Gastbaumarten. Beim Anblick der 115 Jahre alten Douglasien mit ihren dicken Stämmen und großen Kronen steht den Gästen die Bewunderung ins Gesicht geschrieben. Obwohl sie mit 47 Metern zehn Meter höher sind als die anderen Bäume, konnte ihnen kein Sturm etwas anhaben.

Laut Dauner spreche vieles dafür, unseren Wäldern auf geeigneten Standorten Douglasien beizumischen, damit sie zukunftsfähiger werden. Ein Gast war der Meinung, dass die Industrie durch ihre Nachfrage vorgibt, was angepflanzt werden kann.

Da widersprach Dauner: „Der Wald ist wichtig, der gibt vor, wie vorzugehen ist.“ Eine Fruchtfolge wie in der Landwirtschaft sei bei einer Umtriebszeit von 80 bis 90 Jahren nicht möglich. Deshalb ist hier die Mischung der Baumarten gefragt, die nebeneinander stehen.

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