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Bissingen

26.02.2016

Der unbeugsame Priester

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Vor 50 Jahren verstarb Pfarrer Matthias Korn. Der Geistliche wurde 1915 in Bissingen geboren und empfing die Priesterweihe in Dillingen. Bekannt wurde er durch seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Bild: Helmut Herreiner

Vor genau 50 Jahren starb der Bissinger Pfarrer Mattias Korn

Am 26. Februar 1966, vor genau einem halben Jahrhundert, starb Pfarrer Matthias Korn im Alter von 79 Jahren. Bekannt wurde der Seelsorger, der unter anderem in Inchenhofen, Adelsried und Tapfheim tätig war, unter anderem durch seinen unbeugsamen Widerstand gegen das NS-Regime. Seinen Widerstand gegen die Nationalsozialisten während des Dritten Reiches büßte er mit Verfolgung, Schikanen und Gestapo-Haft. Am 16. Juli 1915 war er in Dillingen zum Priester geweiht worden.

Geboren wurde Matthias Korn am 11. September 1886 in Bissingen im Kesseltal als Sohn des Söldners Georg Korn und dessen Ehefrau Johanna. Von zehn Geschwistern überlebten nur fünf die frühe Kindheit. Nach der Schulzeit absolvierte Matthias Korn zuerst eine Lehre als Zimmermann und mehrere Gesellenjahre, ehe er sich schließlich als Spätberufener dem Priesterberuf zuwandte und am 18. Juli 1915 in seinem Heimatort Bissingen die erste Heilige Messe als Neupriester feiern konnte.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Matthias Korn Pfarrer in Zusamaltheim. Schon hier wandte er sich mit deutlichen Worten gegen die NS-Diktatur, die sich mit mancherlei Schikanen wehrte. Dies setzte sich in noch stärkerem Maße nach dem Wechsel der Pfarrstelle und der Übernahme der Pfarrei neuen Pfarrstelle in Inchenhofen, die er ab 1935 innehatte, fort. Insbesondere die ablehnende Haltung zu Staat und Partei von Pfarrer Korn und seine „politische Unzuverlässigkeit“ wurden mehrfach aktenkundig und führten dazu, dass ihm sechs Mal binnen eineinhalb Jahren junge, fanatische Nazis die Scheiben im Pfarrhaus einwarfen. Nachdem ihm im Sommer 1939 in Inchenhofen die Verhaftung und Verschleppung in ein Lager drohte, wechselte Pfarrer Korn seine Pfarrstelle und trat nunmehr in Adelsried an.

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Nachdem er aber auch hier die amtliche Berichterstattung öffentlich als „lügenhaft“ bezeichnete, wurde er am 19. April 1940 von der Gestapo verhaftet und nach Augsburg ins Gefängnis gebracht. Hinter Gittern musste er dort sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiern. Erst am 4. November 1940 wurde er aus der Haft entlassen, die ihn jedoch ebenso wenig zum Schweigen gebracht hatte wie das durch die Regierung von Schwaben ausgesprochene Schulverbot. Der Mut und die Unerschrockenheit von Pfarrer Korn wurden nicht gebrochen.

Dennoch verhielt er sich offensichtlich während der letzten Kriegsjahre etwas vorsichtiger und überstand schließlich die Kriegszeit. Danach war er unter anderem von 1948 bis 1951 noch am Rande seines heimatlichen Kesseltales in Tapfheim tätig.

Sein Goldenes Priesterjubiläum durfte Pfarrer Matthias Korn am 18. Juli 1965 in seinem Heimatort Bissingen feiern. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr später, am 26. Februar 1966, verstarb der hochgeachtete und unbeugsame Geistliche im Alter von 79 Jahren in Waldshut. Beigesetzt wurde er in Ichenhofen im Landkreis Aichach-Friedberg. In dem bekannten Wallfahrtsort, der durch die Leonhardi-Wallfahrten überörtliche Bedeutung erlangt hat, hatte sich Pfarrer Korn stets sehr wohlgefühlt. Sein Priestergrab, insbesondere der Grabstein, wurde auf die Initiative von Meinrad Hundseder hin unter Mithilfe einer Reihe von Sponsoren in den vergangenen Monaten renoviert. Gepflegt wird das Grab von Magdalena Denk, der Schwester von Sr. Leonhardis Dunau aus Dillingen. Das Priestergrab von Pfarrer Matthias Korn wird immer wieder gern von Gläubigen besucht, die sich an den aufrechten und unerschrockenen Geistlichen erinnern.

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