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24.08.2018

Der unehrliche Schinder

In der „Schindbühl“ wohnten einst verrufene Leute.
Bild: Silva Metschl

Die Geschichte einer Wittislinger Straße

„Straßen und ihre Namen“ heißt eine Serie unserer Zeitung. Dabei spüren wir der Geschichte von Straßen in unserem Landkreis nach.

Schinden wird sich kaum noch einer in der Schindbühl. Doch in früheren Zeiten war die Schindbühl ein verrufener Ort. Denn hier ging der Schinder seiner Arbeit nach.

Bereits im Mittelalter waren Bauern verpflichtet, diesem ihre Tierkadaver zu übergeben, erklärt Harald Lemmer. Der Schinder oder Abdecker war für deren Verwertung und Entsorgung zuständig. Da beim Verbrennen der Überreste eine enorme Geruchsbelästigung entstand, lebte er außerhalb des Dorfes.

Der Beruf des Schinders galt als „unehrlich“. Dies bedeutet nicht wie heute „betrügerisch“, sondern „ehrlos“, erläutert Harald Lemmer weiter. Bis mindestens 1817 stand er in der Gesellschaft ganz unten. So durfte er nicht in die Kirche, durfte keinen sozialen Kontakt haben und musste im Wirtshaus in einer eigenen Ecke aus einem gesonderten Krug trinken. Wer in eine Familie mit unehrlichem Beruf hineingeboren wurde, blieb darin meist zeitlebens gefangen. Deshalb waren die meisten Schinder eines Landes verwandt oder zumindest befreundet. Trotz der Ausgrenzung und der Nachteile war er in das öffentliche Rechtswesen einbezogen. Neben der Leistung von Abgaben hatte er das Alleinrecht zur Viehverwertung. Erzählungen nach stieß der Schinder sein Messer in die Tür all derer, die ein Tier selbst getötet hatten. Der Betroffene musste durch einen Geldbetrag veranlassen, dass der Schinder das Messer wieder an sich nahm. Jeder, der das Messer selbst herauszog, wurde als „unrein“ angesehen. Die alten Tätigkeitsfelder des Schinders befinden sich in der heutigen Siedlungsstraße „Schindbühl“ nordwestlich des Ortes.

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