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Dillingen

30.01.2020

Diagnose Fibromyalgie: „Ich lass’ mich von der Krankheit nicht unterkriegen“

Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden zu lindern.
Bild: Tobias Hase (dpa)/Symbolbild

Plus Jahrelang litt Tanja Wagner aus Donaualtheim an starken Schmerzen. Doch weil keiner das Problem fand, galt sie als Simulantin. Inzwischen hat sie gelernt, mit der Krankheit zu leben.

Mit einem strahlenden Lächeln kommt die zierliche junge Frau mit dem pfiffigen schwarzen Kurzhaarschnitt in die Redaktion – und gibt eine Information für die Dillinger Rheuma-Liga ab. Wie passt das zusammen? Tanja Wagner aus Donaualtheim leidet an Fibromyalgie, auch Weichteilrheuma genannt. Doch es hat fast zehn schmerzvolle Jahre gedauert, bis die heute 43-Jährige endlich eine Diagnose bekam.

„Seit 1990 hatte ich Schmerzen in Muskeln und Sehnen. Doch die Entzündungswerte waren so niedrig und im Blut konnte man – anders als beim normalen Rheuma – nichts finden, und Cortison half auch nicht gegen die Schmerzen. Oft hieß es, ‚Die hat nichts, die simuliert, das ist psychisch‘“, erzählt die zweifache Mutter. Auch eine Knochenmarkpunktion brachte kein Ergebnis. Parallel zu den Schmerzen nahm die junge Frau dann immer mehr an Gewicht zu. „Ende 1998 konnte ich kaum noch laufen. Ich wog fast 20 Kilo mehr als jetzt.“

Vor allem ihrem damaligen Hausarzt sei es zu verdanken, dass sie in eine Klinik nach Oberammergau kam. Dort war ein Arzt, der sich mit Fibromyalgie auskannte. Und da endlich, im Januar 1999, bekam Tanja Wagner eine Diagnose.

Diagnose Fibromyalgie: „Ich lass’ mich von der Krankheit nicht unterkriegen“

Was ist Fibromyalgie überhaupt?

Fibromyalgie ist ein Schmerzsyndrom, es sei ein verbreitetes Volksleiden. Über bestimmte Druckpunkte am Körper, etwa am Ellenbogen oder am Nacken, kann die Krankheit festgestellt werden. Insgesamt sechs Wochen verbrachte Tanja Wagner in der Klinik. „Danach hatte ich etwas Greifbares, wusste, was mir hilft. Man kann mit Fibromyalgie leben – wenn man sich damit arrangiert.“

Die Dillinger Rheumaliga hat ein besonderes Angebot - auch für Nichtmitglieder

Seit der Diagnose betreibt die 43-Jährige konsequent Wassergymnastik in warmem Wasser. Die Dillinger Rheuma-Liga bietet das seit Jahren an. Kommende Woche beginnen neue Kurse. „Ich habe Laufen, Gymnastik und Yoga in meinen Tagesablauf integriert, das hilft. Mit Yoga lösten sich die Verspannungen. Und Schlaf ist ganz, ganz wichtig.“ Wärme tue ihr generell gut. Doch jeder Betroffene habe andere Vorlieben, ein Patentrezept gibt es nicht.

Tanja Wagner aus Donaualtheim hat Fibromyalgie und ist Mitglied der Dillinger Rheuma-Liga.
Bild: Homann

„Das A und O ist Bewegung, wohldosiert. Und Ruhe.“ Kinder, Haushalt, Vollzeitjob, alles sollte daheim in Donaualtheim immer perfekt sein. Doch die Krankheit ließ das nicht zu. „Ich habe sehr umdenken müssen. Früher habe ich an einem Tag den ganzen Haushalt erledigt, jetzt verteile ich das auf drei Tage. Früher war ich ganz anders gestrickt. Jetzt habe ich gelernt, auch mal etwas liegen sehen zu können. Gerade mein Mann hat mich dabei sehr unterstützt.“ Die beiden Söhne hätten von Anfang an gelernt, dass die Mama nicht immer jeden auf den Arm nehmen kann und sich Auszeiten nimmt. Beide seien sehr sensibel dafür und würden genau merken, wenn es ihrer Mutter mal nicht so gut geht.

Eine Kur - ohne Kinder, ohen Mann?

Vor allem nach der Geburt des zweiten Sohnes litt Tanja Wagner an so extremen Schmerzen, dass ihr Arzt ihr eine Kur empfahl – ganz alleine. Ehemann und Großeltern sprangen ein, um die drei Wochen Bad Aibling zu ermöglichen. Auch da hat Tanja Wagner gesehen, dass sie andere Prioritäten setzen muss, auch mal Nein sagen soll.

Dennoch, irgendwann im vergangenen Jahr, wirkten die Schmerzmittel nicht mehr. Doch anstatt die Dosis zu erhöhen, entschied sich die Donaualtheimerin für eine Stoffwechselkur – und wegen des großen Erfolgs auch für eine zweite. Eisern hielt sie durch, kochte ihren Männern klaglos deren Leibspeisen.

Doch die Disziplin hat sich ausgezahlt: „Die Kur hat so gut geholfen, dass ich jetzt gar keine Medikamente mehr brauche. Das ist ein sehr guter Weg.“ Auch wenn sich die 43-Jährige inzwischen normal ernährt, Zucker lässt sie weg und abends isst sie keine Kohlenhydrate. Sie arbeitet weiterhin in Teilzeit in einer Apotheke, ist Schriftführerin bei der Rheuma-Liga und genießt jetzt mit ihrer Familie auch das Faschingstreiben. „Ich lass’ mich von der Krankheit nicht unterkriegen.“

Wassergymnastik Ab Dienstag, 4. Februar, wird der Kurs wieder 14-täglich angeboten, und zwar um 18, 18.40 und um 19.20 Uhr im Therapiebecken der Dillinger Regens-Wagner-Schule (Zugang über den Parkplatz der Schule in der Ziegelstraße). Auch wer kein Mitglied der Rheuma-Liga ist, kann daran teilnehmen.

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