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Dillingen

10.06.2012

„Die Chefin“ wird morgen 90

Auf ein bewegtes und nicht immer leichtes Leben kann die aus dem Sudetenland stammende Dillinger Ehrenbürgerin Marlene Wetzel-Hackspacher heute an ihrem 90. Geburtstag zurückblicken.
Bild: Foto: von Neubeck

Dillingens Ehrenbürgerin Marlene Wetzel-Hackspacher blickt auf bewegtes Leben zurück

Von Peter von Neubeck

Geboren am 11. Juni 1922 in Schönbrunn im Sudetenland, wuchs Marlene Hackspacher mit drei Geschwistern auf und begann nach der Bürgerschule in Marienbad eine Ausbildung in der Konditorei der Familie. 1944 heiratete sie Rudolf Wetzel aus Zöschingen, der noch im selben Jahr im Krieg starb. Im Zuge der Ausweisung kam Marlene Wetzel nach Dillingen und legte als erste Frau in Bayern die Meisterprüfung als Konditorin ab. 1948 heiratete sie den Kaufmann Hans Hackspacher aus Dillingen und gründete mit ihm die Firma Wetzel-Oblaten. 1966 folgte die Firma Bavaria-Kerzen und 1980 wurde noch die Firma Pischinger-Schokoladenspezialitäten übernommen.

Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde Marlene Wetzel-Hackspacher für ihre unternehmerischen Leistungen bereits 1982 ausgezeichnet. Die Stadt Dillingen ehrte sie ebenfalls mehrfach, zuletzt ernannte sie der Stadtrat 2003 zur Ehrenbürgerin. Als erster Frau in Bayern wurde ihr im April 1983 die Ehrenurkunde für Verdienste um den Aufbau unserer Wirtschaft verliehen.

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Das sind die trockenen Daten und Fakten für eine bemerkenswerte Frau, die stellvertretend für eine ganze Generation in der Nachkriegszeit stehen kann und die morgen, am Tag ihres 90. Geburtstages, auf ein reiches, aber auch entbehrungsreiches und von schweren Schicksalsschlägen nicht verschontes Leben zurückblicken kann.

„Wir haben nicht nur einen Schutzengel gehabt, sondern gleich hundert“, so beschreibt Marlene Wetzel-Hackspacher, ihre Flucht vor fast 70 Jahren aus dem Sudetenland Richtung Westen.  An einem kalten, regnerischen Tag, es war Januar 1946, kam die damals 23-Jährige mit der kleinen Tochter Marlies in der Heimat ihres Mannes an. Dort musste sie die Nachricht vom Tod des Gatten Rudi verkraften, der bereits knapp ein Jahr zuvor als Soldat in Mailand gefallen war. Seine Tochter hatte der Förster nie zu Gesicht bekommen.

In Dillingen heiratete Marlene Wetzel 1948 den angesehenen Kaufmann und Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hans Hackspacher und baute mit ihm aus kleinsten Anfängen eine heute angesehene Firma für Oblaten, Waffeln, Schokoladenspezialitäten und Kerzen auf. Zu den bittersten Erlebnissen der Ehrenbürgerin zählten nach dem Tod ihres Ehemannes, dass sie auch zwei ihrer drei Kinder – Peter und Marlies – beerdigen musste. Sohn Hans führt heute erfolgreich die Geschäfte des Unternehmens. Viel Freude hat Marlene Wetzel-Hackspacher an ihrem Enkelsohn.

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