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Höchstädt

19.10.2016

Die Kanone darf nicht auf den Kreisverkehr

Dieses Foto ist eine Bildmontage, die Rudolf Kimmerle hat machen lassen, um zu zeigen, wie gut seine Kanone auf den Kreisverkehr von Höchstädt passen würde. Fakt ist: Das Staatliche Bauamt Krumbach hat angeordnet, dass noch diesen Monat die Bäume wegmüssen und die Kanone nicht aufgestellt werden darf.
Bild: Andreas Hummel (Montage)

Der Höchstädter Rudolf Kimmerle will seinen historischen Schatz auf den „Lidl-Kreisel“ stellen. Das Staatliche Bauamt untersagt dies. Auch die Bäume müssen weg

Das Holz des Wagengestells wurde neu hergerichtet, die Bronze auf Hochglanz poliert, und das passende Podium hat Rudolf Kimmerle auch anfertigen lassen. Das war im Juli vergangenen Jahres. Damals ging der Höchstädter Unternehmer davon aus, dass seine Kanone, ein altes Fundstück aus dem 17. Jahrhundert, in wenigen Wochen den „Lidl-Kreisverkehr“ am Ortseingang von Höchstädt zieren wird. Im Interview 2015 sagte er: „Bislang stand sie bei mir vor dem Haus. Aber das ist doch viel zu schade. Außerdem bin ich sehr mit der Stadt verbunden, und diese Kanone auf dem Kreisel wird ein richtiges Aushängeschild.“ Wird sie nicht. Denn nun ist klar: Rudolf Kimmerle darf den historischen Schatz nicht auf dem Kreisverkehr installieren. Mehr noch: Sogar die vier Bäumchen, die der Bauunternehmer vor rund eineinhalb Jahren auf eigene Kosten gepflanzt und um die er sich auch kümmert, müssen weg. Und zwar noch im Oktober. Das ist eine Anordnung vom Staatlichen Bauamt Krumbach. „Das ist doch wirklich schade. Ich kenne keinen, der gegen die Kanone ist. Der komplette Stadtrat ist ja auch dafür. Die Stadt muss sich da was einfallen lassen“, sagt Kimmerle. Er habe von den Mitbürgern und von überall her nur positive Rückmeldungen zu seiner Kanone erhalten. Dass ihm das Amt nun einen Strich durch die Rechnung macht, kann er nicht verstehen. „Ich werde einen Antrag an den Stadtrat stellen, dass das Ortsschild um 50 Meter verstellt wird. Dann gehört der Kreisverkehr der Stadt und dann kann es der Bürgermeister entscheiden. Und der will die Kanone.“

Doch ganz so einfach wird es nicht. Denn laut Jens Ehmke, Leiter des Staatlichen Bauamts Krumbach, wird es die Kanone auf diesem Kreisverkehr in Höchstädt definitiv nicht geben. Er erklärt: „Es spielt keine Rolle, wo das Ortsschild steht. Der Kreisverkehr gehört zur Bundesstraße, und die gehört uns.“ Die Situation würde sich nicht ändern, gemeinsam mit der Unfallkommission, die aus Landkreis, Polizei und Bauamt besteht, wurde entschieden, dass der Kreisverkehr aus Gründen der Verkehrssicherheit eine freie Sicht haben soll. Ehmke: „Straßenbauer arbeiten immer mit Vorschriften und Richtlinien – und die erzeugen sich aus Erfahrung. Es gibt Unfälle, bei denen Leute über den Kreisverkehr fahren. Feste Hindernisse führen zu ganz massiven Schäden. Will man das?“ Zusätzlich seien die Vorschriften im Bezug auf solche Kreisverkehre verschärft worden. „Man kann auf Höchstädt zügig zufahren, und bei schlechter Sicht ist die Situation noch schwieriger“, erklärt der Behördenleiter. Deshalb müssen auch die vier Bäumchen, deren Pflanzung offiziell nicht genehmigt wurde, wieder weg. Und zwar schnell. „Jetzt können sie noch ohne Schaden umgepflanzt werden.“

Dann soll der Kreisverkehr wieder neu bepflanzt werden. Etwa mit Wiesenblumen oder Ähnlichem, wie Höchstädts Bürgermeister Stefan Lenz sagt. Niedrig müsse es sein. Ihm hätte die Kanone auf dem Kreisel auch gefallen, sagt er. Aber nun halte man sich an die Anordnung vom Staatlichen Bauamt. „Es gibt einen Beschluss, dass der Stadtrat dieser Installation positiv gegenüber steht. Daran hat sich nichts geändert“, so Lenz. Ihm hätte vor allem der Werbe-Effekt für die Ausstellungen im Schloss gefallen. Die Entscheidung sei aber nun anders getroffen worden. „Es gab mehrere Termine und Gespräche. Wir haben regen Schriftverkehr mit dem Bauamt. Ich finde es schade, dass ein engagierter Bürger nicht weitermachen darf.“

Rudolf Kimmerle will aber weiter machen. Zumindest will er seine Kanone nicht einfach in seinem Garten stehen lassen. „Vielleicht kann man sie dann vor das Schloss stellen. Aber ich erwarte schon, dass die Stadt sich was einfallen lässt“, so Kimmerle. Das habe er bei der Sitzung des Fördervereins der Stadt Höchstädt am vergangenen Freitag deutlich gemacht – auch in Anwesenheit von Bürgermeister Lenz. „Ich habe die Anregung bekommen, noch mal beim Bauamt nachzufragen. Diese nehme ich mit“, so Lenz. Bis dahin bleibt das 200 Kilogramm schwere Geschütz da, wo es seit eineinhalb Jahren steht. In der Garage bei Rudolf Kimmerle.

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