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Kicklingen

07.12.2018

Die Kicklinger Bankfiliale schließt

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Die Raiffeisenbank Aschberg schließt zum 31. Dezember 2018 ihre Filiale im Dillinger Stadtteil Kicklingen.  
Bild: Berthold Veh

Die Raiffeisenbank Aschberg gibt zum Jahresende ihre Niederlassung im Dillinger Stadtteil auf. Vorstand Josef Negele erklärt die Gründe. Ein Bewohner will das nicht hinnehmen, er hat schon einmal Unterschriften gesammelt

Immer mehr Bankfilialen schließen. Am Ende des Jahres trifft es auch die Außenstelle Kicklingen der Raiffeisenbank Aschberg. Vorstandsvorsitzender Josef Negele hat in diesen Tagen Post an Kunden in Kicklingen geschickt und damit bei einigen Empfängern Unmut ausgelöst. Hans Urmann etwa kündigt an: „Ich will das auf keinen Fall hinnehmen.“ Und das sei auch die Ansicht vieler Kicklinger. Vor zwei Jahren schon hätte die Raiffeisenbank Aschberg nach dem nächtlichen Überfall und der Sprengung des Bankautomaten die Filiale in Kicklingen schließen wollen, behauptet Urmann. Damals habe er 280 Unterschriften gesammelt, um diese Pläne zu verhindern.

Das Niedrigzinsniveau und die fortschreitende Regulierung belasten

Dieses Mal wird der Kicklinger vermutlich nichts ausrichten. Die Raiffeisenbank Aschberg habe in diesem Jahr ihr Filialnetz unter die Lupe genommen, informiert Negele. Das sei bei der Generalversammlung im Frühjahr so beschlossen worden. Die Holzheimer Genossenschaftsbank mit rund 80 Mitarbeitern und einem Bilanzvolumen von etwa 320 Millionen Euro unterhält neben der Zentrale in Holzheim Außenstellen in Kicklingen, Fristingen, Aislingen, Glött, Offingen und eine Selbstbedienungs-Filiale in Dürrlauingen. Die aktuellen Entwicklungen in der Finanz- und Bankenbranche hätten auch vor der Raiffeisenbank Aschberg nicht haltgemacht, erläutert Negele. „Das anhaltende Niedrigzinsniveau und die weiter fortschreitende Regulierung der Branche führen für unser Haus zu weiteren Ergebnisbelastungen.“ Gleichzeitig ändere sich das Nutzungsverhalten der Kunden, die Filiale sei nicht mehr der alleinige Dreh- und Angelpunkt für die alltäglichen Bankgeschäfte, sagt Negele. Vieles werde inzwischen über Online-Banking abgewickelt.

Der Vorstandsvorsitzende stellt fest, dass die Kundenfrequenz in Kicklingen zuletzt so niedrig gewesen sei, dass sich der Betrieb der Außenstelle nicht mehr wirtschaftlich darstellen lasse. Die Filiale hat am Montag- und Freitagvormittag geöffnet sowie am Donnerstag den ganzen Tag. Während dieser Öffnungszeiten seien wöchentlich im Durchschnitt nicht mehr als 40 Kunden in die Bank gekommen. Da seien aber Aktionen am Geldausgabeautomaten und Kontoauszugsdrucker eingerechnet.

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Kicklinger sollen ab dem neuen Jahr in der Fristinger Raiffeisenbank-Filiale bedient werden. Auch der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker werden in Kicklingen abgebaut. Es werde künftig in Fristingen den gewohnten Service „durch die Ihnen bekannten Gesichter“ geben, schreibt Negele. Und älteren, nicht mobilen Kunden in Kicklingen verspricht der Vorstand, dass sie mit den notwendigen Serviceleistungen versorgt werden. Dies bedeutet, dass Mitarbeiter auch schon mal bei einer Abhebung das Geld zu Hause vorbeibringen werden.

Auch Zweiter Bürgermeister Franz Jall ist nicht glücklich

Hans Urmann will sich damit nicht abfinden. Er hält der Raiffeisenbank Aschberg ihre Leitlinie vor, dass die regionale Identität das Geschäftsprinzip sei und immer im Interesse der Mitglieder entschieden werde. Auch Dillingens Zweiter Bürgermeister Franz Jall macht die Entwicklung nicht glücklich. „Ich bedauere das, aber es ist die unternehmerische Entscheidung der Verantwortlichen“, sagt der Kicklinger. Und da, so betont der einstige Vorstand der Raiffeisenbank Bissingen, könne er nicht eingreifen, auch wenn er überall in Kicklingen höre, dass die Leute jammern.

Vorstand Negele betont, dass die Raiffeisenbank Aschberg in einem Einzugsgebiet mit etwa 15000 Einwohnern auch künftig mit fünf Geschäftsstellen und einer SB-Stelle eine hohe Filialdichte aufweisen werde. „Wir werden weiter dezentral vor Ort und stark in der Region vertreten sein“, sagt der 54-Jährige. Ein Zusammenschluss mit anderen Genossenschaftsbanken sei nicht geplant. „Wir haben momentan keine Fusionspläne“, sagt Negele. Aber was die Zukunft bringt, könne man nicht vorhersagen. Dafür seien auch die Entwicklungen im Bankenwesen zu rasant.

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