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21.06.2017

Die Kunst des Schönschreibens

Die Lust an der Handschrift soll wieder neu entdeckt werden – zum Beispiel mit einem Kalligrafie-Kurs

Für die „Lange Nacht des Schreibens“ am morgigen Donnerstag wird Landrat Leo Schrell kaum Zeit finden. Ist er doch viel beschäftigter Behördenleiter und Kreispolitiker mit abendfüllenden Terminverpflichtungen. Auf seinem Schreibtisch türmen sich Blätter mit etlichen handschriftlichen Vermerken, der Chef akzeptiert handproduzierten Schriftverkehr im Hause, und Anträge vom Bürger lässt er auch mal mit persönlich gefasster Aufzeichnung durch. Ganz im Sinne der bundesweiten „Initiative Schreiben“. Sie hat diesen „Gedenktag“ auf die Beine gestellt, um bei Bürgern, Schulen, Institutionen und Fachgeschäften auch in unserer Region „die Lust an der Handschrift und am Schreiben neu zu entfachen.“ Beim Blick in die nordschwäbischen Schreibstuben könnten Skeptikern die schlimmsten Befürchtungen genommen werden. „Die Generation Smartphone liebt nämlich die Handschrift, die zutiefst wertgeschätzt wird und gerade im digitalen Zeitalter ein hohes Zukunftspotenzial hat“, meint jedenfalls die Schreib-Initiative, die in ganz Deutschland Städte und kleinere Kommunen „zu einer breiten Gemeinde von Schreibfreunden und -fans“ versammeln möchte. Sie weist auf einschlägige Untersuchungen zu dem Thema hin, etwa, wonach bei rund neun von zehn Bundesbürgen in Handgeschriebenem ein besonderer Wert gesehen werde.

Drei von vier Menschen würden sich wünschen, dass in Zukunft wieder mehr von Hand geschrieben werde. Dafür muss Julia Hank nicht erst durch die Bundesländer reisen und den Leuten Fragen stellen. Weiß doch die 26-jährige gelernte Buchhändlerin, was bei „Bücher Brenner“ über den Ladentisch geht: Fachbücher zum Thema Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens. Oder „Handlettering“, die Fertigkeiten der schönen Buchstaben (Topp Verlag). Zwar kann sich das Haus wegen Umbauarbeiten nicht an der Bundesaktion beteiligen. Aber: „Da ist ein Trend spürbar – vor allem bei den jungen Bürgern.“ Was sich auch in ihrem Freundeskreis bestätigt, interessieren sich ausgerechnet Vertreter der Youtube-Generation – Männer und Frauen zwischen elf und 30 – für die vermeintlich altbackene Literatur. „Darin steckt unglaublich viel Potenzial.“ Bemerkt auch Christine Gerblinger bei ihrem Umgang mit Kunden in Wertingen. Dort wird der Schreibabend mit einem kurzen Schnupperkurs im Schönschreiben eingeleitet und dann heftig zu Feder und Tinte gegriffen.

Nachhilfe bei diesem Fach haben auch zumindest Bayerns Schulen kaum nötig. Ist dem Bayerischen Kultus- und Bildungsministerium doch klar, dass die Handschrift „trotz Email, WhatsApp und Textverarbeitungsprogrammen weiterhin ihre Bedeutung hat“, wie es in einer „Hand“reichung an die Grundschulen des Freistaats heißt: „In Schule und Unterricht ist das Schreiben mit der Hand ein Unterrichtsprinzip, das viele Lernbereiche durchdringt und aktives, selbstständiges und selbst gesteuertes Lernen ermöglicht.“

Wie gut diese Vorgabe aus München von den Lehrern umgesetzt wird, davon kann sich Schulrat Markus Wörle (Dillingen) bei seinen täglichen Besuchen von Bildungshäusern ein genaues Bild verschaffen: „Das steht ganz stark im Fokus.“ Schließlich benötigten die Pädagogen zur Auswertung eine lesbare Arbeit seitens der Schüler. Dass man dabei dennoch mitunter „detektivische Grundkenntnisse“ einsetzen muss, erfährt etwa Winfried Heppner immer wieder. Der stellvertretende Schulleiter am Gymnasium in Wertingen denkt da an das „selbstverständlich von Hand geschriebene Abitur“. Manche Schüler schrieben wunderschön, andere wiederum in Krakelform. „Das ist bei uns aber kein K. o.-Kriterium.“ Fotos: Bernhard Weizenegger

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