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Lauingen

10.02.2021

Die Lauinger Hexen haben in diesem Jahr etwas Einmaliges vor

Michaela Roth ist seit letzter Saison Zunftmeisterin der Lauinger Hexen. Wer die anderen Narren nicht treffen darf, wird eben erfinderisch: Roth hat einfach aus einem Schneemann eine Hexenkollegin gemacht.
Foto: Michaela Roth

Plus Michaela Roth ist die neue Zunftmeisterin und Grüne Hexe in der Laudonia-Narrenzunft. Im Interview verrät sie, was nun aus dem Frühling wird, wenn das traditionelle Winteraustreiben ausbleibt.

Fasching fällt flach, wie sieht Ihr Hexen-Terminkalender sonst in normalen Zeiten aus?

Michaela Roth: Wir fahren mit dem Bus zu anderen Zünften, etwa ins Allgäu oder an den Bodensee und haben da unsere Narrensprünge. So was geht dann oft übers ganze Wochenende.

Jetzt mit Corona ist ja für Hexen alles gut. Maske tragen, Abstand halten die Leute vor Hexen sowieso ...

Roth: Fasnet fällt ja offiziell aus, uns fehlt das gewaltig. Leider haben wir ja die falsche Maske auf und wir dürfen uns nicht treffen. Eigentlich ist eine Hexe nie allein, daher auch unser Spruch ‚Fünf Freunde musst du sein’. Ich kann meine Hexen natürlich nicht dazu aufrufen, sich zu treffen, aber es gibt ja immerhin Dank dem Internet ganz tolle Möglichkeiten.

Also Brauchtum im Netz. Wie sieht das aus?

Roth: Unser Hexenerwecken hat digital stattgefunden, da waren wir 60 Hexen auf einem Bildschirm. Das war eine neue, aber auch eine witzige Erfahrung. Am Donnerstag wird es auch einen Online-Hexentanz geben. Da haben wir uns was Witziges überlegt. Normalerweise versuchen die Winterhexen, die Frühlinge beim Tauziehen zu schlagen. Und bislang hatten immer die Frühlinge gewonnen und so den Winter rituell ausgetrieben. Dieses Jahr haben wir das nicht mit Tauziehen vor und ich denke, das wird was Besonderes, wenn auch hoffentlich was Einmaliges bleiben.

Das Winteraustreiben der Lauinger Hexen findet online statt

Können Sie da schon verraten, wie das virtuelle Winteraustreiben abläuft?

Roth: Nein, sonst steht’s ja in der Donau Zeitung und ist keine Überraschung mehr! (lacht)

Gibt es gar keinen kleinen Vorgeschmack?

Roth: Es wird spannend, so viel sei verraten, denn wer weiß, ob der Frühling kommt, im Moment schaut es nicht so aus.

Stimmt. Ist das ein Aufbäumen der Winterhexen oder haben Sie damit nichts zu tun?

Roth: Natürlich sind wir dafür verantwortlich, aber wer weiß, vielleicht wird’s ja ab Donnerstag besser, falls der Frühling gewinnen sollte.

Normalerweise wird Ihre Oberhexe, Barbara Schwertgoschin, verbrannt, damit wieder bis zum nächsten Winter Ruhe ist. Was passiert denn, wenn das nun ausfällt?

Roth: Das haben wir leider Gottes noch nie ausprobieren können, die Hexen wurden zwar erweckt, aber bisher hatten die Frühlinge immer Glück. Wir sind also gespannt, wie das heute ausgeht. Vielleicht machen wir dann noch mal ein Zeitungsinterview, wenn im August immer noch der Schnee liegt. (lacht) Wütende Leserbriefe gern dann direkt zu mir.

Der Lauinger Hexentanz mit dem Tauziehen zwischen Winter und Frühling ist fest in der Faschingstradition im Landkreis Dillingen verankert. (Archivbild)
Foto: Karl Aumiller


Wie wird man denn Hexe, wer hat das Zeug dazu?

Roth: Jeder hat das Zeug dazu, der die Fasnet mag und der sich in einer Gemeinschaft zurechtfindet. Wenn Sie eine Hexe werden wollen, dann stellen wir Sie bei einer Sitzung vor und dann gibt es ein Probejahr.

Wie läuft das ab?

Roth: Im Probejahr darf man mitspringen als Hexe, dann wird geschaut, ob es gegenseitig passt. Nach dem Jahr wird man getauft und ist dann eine richtige Hexe.

Taufe, heißt das, es gibt ein winterliches Bad in der Donau?

Roth: Nein, das ist selbst für Hexen viel zu gefährlich. Unser Taufritual findet auf einem Reitplatz statt. Da steht ein Pranger, in den man eingespannt wird und dann muss man seinen Taufspruch aufsagen und wird anschließend mit einer Brühe, oder nennen wir’s Flüssigkeit, getauft.

Die Zunftmeisterin erklärt, was es bedeutet, Lauinger Hexe zu sein

Klingt schaurig.

Roth: Diese Brühe wird jedes Jahr neu von unserer Schwertgoschin angesetzt und es ist immer eine Überraschung, was da so drin ist. Manchmal ist es ein bisschen bröckeliger, manchmal riecht’s ein bisschen unangenehmer.

Was war in Ihrer Taufbrühe?

Roth: Es war bröckelig und man muss da wirklich den Kopf ausschalten. Aber es kann sein, dass es einfach nur Früchte waren. Ich hab’s nicht gewagt zu probieren, das muss man zum Glück nicht. Dafür gibt’s einen Willkommensschnaps. Der brennt nur ein bissle.

Schnaps ist ja angeblich gut gegen Kälte. Wie schützt man sich denn als Winterhexe sonst so vor den Temperaturen?

Roth: Unterm Häs ist ein bisschen Platz, da muss man schon mal die warme Unterwäsche anziehen und ein zweites und ein drittes Pärchen Socken und dann wird’s einem schon warm. Besonders unter der Maske.

Was ist für Sie das Beste am Hexendasein?

Roth: Die Gemeinschaft. Die finde ich super und das fehlt mir ganz arg. Toll ist es aber auch, wenn man auf’m Sprung ist und die Maske trägt, dann hat man schon ein bisschen den Schabernack im Kopf und ärgert gern mal hier und da die Leute. Das muss wirklich an dieser Maske liegen.

Was wünschen Sie sich fürs nächste Jahr?

Roth: Wir haben so einen Mottospruch: Alleine schaffen wir wenig, gemeinsam schaffen wir viel. Und das motiviert uns auch. Nächstes Jahr geben wir wieder Gas!

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