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Lauingen

23.09.2020

Die Lauinger Johannesstraße wird saniert - doch es gibt Zoff

Die Johannesstraße in Lauingen ist brüchig, die Gehwege sind abgelaufen. Das soll sich bald ändern. Doch von den neuen Plänen sind nicht alle im Stadtrat überzeugt.
Foto: Andreas Schopf

Plus Schon lange soll die Lauinger Johannesstraße saniert werden. Jetzt liegen die Pläne vor: Aus Tempo 30 wird 50 und Schwerlastverkehr wird erlaubt. Vielen Stadträten geht das deutlich zu weit.

Unübersichtliche Engstellen, Risse in der Fahrbahn: Die Johannesstraße in Lauingen zwischen dem Löwenkreisel und der Schabringer Straße präsentiert sich schon seit einigen Jahren in einem misslichen Zustand. Das zu ändern hat der Stadtrat bereits 2017 beschlossen. Jetzt, drei Jahre später, soll es mit der Sanierung vorwärtsgehen. Doch die nun vorgelegten Pläne stießen im neu gewählten Gremium auf Widerstand.

Verantwortlich für die Planung zeichnet Wolfgang Groll vom Ingenieurbüro G+H aus Niederstotzingen. Demnach sollen im Zuge der Erneuerung die Tragschicht und die Decke der Straße verbessert werden. Allerdings ist das nicht alles: Die Fahrbahnbreite soll – mit Ausnahme einer Engstelle an der Einbiegung „In der Laimgrube“ – auf 6,50 Meter erweitert werden. Zudem werden die Gehwege auf 1,80 Meter verbreitert und die Bordsteine sowie die Straßenbeleuchtung erneuert. Entlang der Parkflächen auf der Rückseite des Stadeltheaters sollen zusätzliche Schutzstreifen entstehen. An der Engstelle zur Einmündung „In der Laimgrube“ plant der Ingenieur eine mobile Fahrbahneinengung, die als Fußgängerquerung dienen soll.

Johannesstraße Lauingen: Statt 30 soll bald 50 gelten

Die Straßenerneuerung hat jedoch weitreichende Folgen: Um die Förderung von bis zu 60 Prozent zu erhalten, müssen gewisse Anforderungen erfüllt sein: Dazu zählen etwa die Barrierefreiheit, aber auch, dass keine Verkehrsteilnehmer eingeschränkt werden. Die Straße muss deshalb nach der Sanierung bis auf Weiteres für Schwerlastverkehr freigegeben werden. In der Abstimmung mit der Verkehrsbehörde im Landratsamt Dillingen hat sich Groll zufolge zudem ergeben, dass die aktuell bestehende Tempo-30-Zone in der Johannesstraße nicht mehr zu halten sei. Diese entspreche nicht dem Förderprogramm, an dem die Stadt teilnehmen will. Künftig gelte in der Straße also Tempo 50 für alle Verkehrsteilnehmer. Der Zebrastreifen an der Einmündung zur Schabringer Straße, der vor einigen Jahren als Notlösung für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet wurde, obwohl er nicht regelkonform ist, muss ebenfalls weg. Und um die nötigen Sichtfelder für die Verkehrsteilnehmer einzuhalten, werden die anliegenden Straßen In der Laimgrube, Amselweg, Finkenweg, Lerchenweg und Mathias-Gerung-Straße in Einbahnstraßen umfunktioniert.

Hier setzte dann auch die Kritik zahlreicher Stadträte an: Rolf Brenndörfer, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bemängelte nicht nur eine seiner Meinung nach zu späte Information der Räte über das Thema, sondern auch, dass keine Alternativen besprochen wurden. Zudem seien die Pläne in der Form inakzeptabel. Er bemängelte die Tempo-50-Regelung und die Freigabe für den Schwerlastverkehr: „Das wird so geplant, dass das Auto Priorität hat. An Radfahrer wird gar nicht gedacht.“ Zudem werde die Straße von vielen Kindern als Schulweg genutzt – und in dieser Funktion mit dem neuen Wohngebiet in der Ostendstraße künftig noch wichtiger. Er forderte: „Lieber verzichten wir hier und machen nichts, als diesen Schnellschuss umzusetzen.“

"Lkw hat in der Johannesstraße keine Verkehrsbeziehung"

Tobias Trebs, der vonseiten der Stadt an dem Projekt beteiligt ist, bezog Stellung: Der Statistik zufolge seien Radfahrer sicherer, wenn Straßen nicht genug Platz bieten, damit Autos Radfahrer überholen können. Das sei etwa in der unteren Herzog-Georg-Straße erkennbar. „Da müssen die Autos den Radfahrern hinterherfahren. Was passiert denn, wenn man im Auto einen Radler überholen will und ein anderes Auto kommt entgegen? Man weicht aus. Und der Radfahrer ist der schwächere Verkehrsteilnehmer.“ Zum Thema Schwerlastverkehr betonte Trebs: „Der Lkw hat in der Johannesstraße keine Verkehrsbeziehung.“ Es sei also unwahrscheinlich, dass nach der Sanierung wieder mehr Lastwagen dort durchrollen. Man könne an der Planung durchaus Änderungen vornehmen, dann würden aber die Förderungen entfallen.

Zahlreiche andere Stadträte der Fraktionen der FDP, SPD und Grünen schlossen sich der Kritik Brenndörfers an: Markus Stuhler (SPD) warnte etwa davor, sich von der hohen Förderung locken zu lassen. „Wenn da Tempo 50 gilt, dann wird das auch gefahren.“ Seiner Meinung nach sei die Planung ein Rückschritt. Er forderte im Zuge der Diskussion eine Garantie dafür, dass man die Maximalgeschwindigkeit später für die gesamte Johannesstraße wieder auf 30 Stundenkilometer festlegen könne. Trebs zufolge gebe es dafür keine Garantie. „Wenn wir aber darstellen, dass das ein Schulweg ist, dann ist Tempo 30 in bestimmten Bereichen schon möglich.“

Martina Lenzer (FDP) sagte: „Wir machen hier eine fixe Geschichte, an der wir nichts mehr ändern können.“ Es sei momentan nicht richtig, eine Entscheidung zu treffen. Auf den Hinweis des Ingenieurs Groll, die Fördertöpfe seien wegen Corona in den kommenden Jahren eher leer, meinte Lenzer: „Förderungen gibt es sicher auch noch nächstes Jahr.“

Lauinger suchen ein Gesamtkonzept für die Innenstadt

Dritter Bürgermeister Dietmar Bulling (SPD) bemängelte die Vorgehensweise: Die Räte hätten sich darauf geeinigt, ein stimmiges Verkehrskonzept für die gesamte Innenstadt zu suchen. Jetzt die Johannesstraße anzugehen, widerspreche diesem Plan. Und Engelbert Kigele (Grüne) gab zu bedenken, dass man sich das Ziel einer Fahrradstadt auf die Fahnen geschrieben habe. „Da gibt es bestimmte Vorgaben. Und die erfüllt diese Straße nicht.“ Er argumentierte mit der gestiegenen Zahl an getöteten Radfahrern im Straßenverkehr. „Wir haben da eine Verantwortung“, erinnerte er.

Zuspruch zu den Plänen gab es hingegen aus den Fraktionen der CSU und der Freien Wähler: Gabriele Kleinle (CSU) etwa teilte die Befürchtungen zum Schwerlastverkehr nicht. Doch auch ihr lägen die Tempo 50 im Magen. Markus Hoffmann (CSU) erinnerte an die Vorteile der Sanierung: „Wir schieben das im Haushalt schon ewig vor uns her.“ Breitere Gehwege, die Regelung an den Einmündungsstraßen und die Querungshilfe seien doch positiv. „Das ist eine extrem schwierige Entscheidung. Und ich verstehe, dass man sich da nicht leichttut. Aber wir sollten uns die Vorteile bewusst machen.“ Und Gerhard Frieß (FW) gab zu verstehen: „Wir können die Straße ja sanieren und verbauen uns dabei nichts.“ Schutzstreifen für Radfahrer oder die von Dietmar Bulling vorgeschlagene Einbahnstraßenregelung könne man immer noch umsetzen, wenn das Gesamtkonzept steht.

Es folgte eine Kampfabstimmung, bei der am Ende 14 Pro- gegen elf Kontra-Stimmen standen. Die Fraktionen der FDP, Grünen und Teile der SPD (mit Ausnahme von Martin Koller und Dominik Remiger) stimmten gegen den Bau.

Damit ist die Sanierung beschlossene Sache. Diese kostet insgesamt rund 1,8 Millionen Euro. Die in Aussicht gestellte Förderung beträgt 60 Prozent. Der Antrag auf Förderung wird nun gestellt. Der Bau soll dann in zwei Bauabschnitten ablaufen und bereits im kommenden Frühjahr beginnen.

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