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Haunsheim

20.02.2016

Die Liebe zur Heimat bleibt

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Robert Lehr lebt mit seiner Partnerin, die ursprünglich aus Portugal stammt, in Canberra. Die Stadt liegt etwa eine Autostunde vom Meer entfernt.
Bild: Robert Lehr

Robert Lehr wanderte ans andere Ende der Welt aus. Wie er in Australien lebt und was er an seiner alten Heimat Haunsheim besonders vermisst

In jenem Moment war es um Robert Lehr geschehen. In jenem Moment, als er aus dem Flughafengebäude heraustrat, die Palmen sah, den warmen Wind und die Sonne auf seinem Gesicht spürte – viele Stunden, nachdem er in Deutschland bei nasskaltem November-Grau abgereist war. Jener Tag, an dem Robert Lehr zum ersten Mal australischen Boden unter den Füßen hatte, ist schon viele Jahre her. Seine Liebe zu dem Kontinent am anderen Ende der Welt aber ist geblieben. Seit 1995 lebt der gebürtige Haunsheimer in Down Under.

Bei seinem ersten Besuch in Australien war Lehr Anfang 20. Mit einer Bekannten reiste er ans andere Ende der Welt, besuchte Sydney, fuhr dann nach Melbourne, immer entlang der Küstenstraße. „Es war einfach wunderschön. Viele kleine Fischerdörfer und die schönsten Strände der Welt“, erinnert sich Robert Lehr noch heute. Lehr verliebte sich damals nicht nur in das Land – sondern auch in seine erste Frau. Er reiste zurück nach Deutschland, das Paar schrieb sich zunächst Briefe – aber dann fasste Lehr einen Entschluss, brach seine Zelte ab und wanderte 1995 nach Australien aus. „Das Problem war, dass ich anfangs schon Heimweh hatte. Vor allem an Weihnachten“, erzählt Lehr am Telefon. Als dann eigene Kinder kamen, habe sich das geändert.

Vor zwölf Jahren dann zerbrach die Ehe – und Robert Lehr wurde alleinerziehender Vater. „Das war schon schwierig, aber es hat geklappt.“ Kurz habe er überlegt, nach Deutschland zurückzukehren, entschied sich dann aber dagegen. „Das Leben in Australien ist einfach schön. Man hat das tolle Meer, und die Menschen sind total relaxt“, sagt Lehr, der in der Hauptstadt Canberra – etwa eine Stunde vom Meer entfernt – lebt, dort eine Ausbildung zum Behindertenpfleger gemacht hat und nun als Gruppenleiter arbeitet.

Die schönste Zeit in Canberra sei der Herbst, wenn die vielen Gärten der Stadt in zauberhafte Farben getaucht würden. Derzeit ist es Sommer in Australien. „Wir haben heute 26 bis 28 Grad“, erzählt der Auswanderer am Telefon. Aber auch der Winter habe seine schönen Seiten, mit noch immer milden Temperaturen und langen Spaziergängen am Meer. Trotz der Schönheit seines neuen Zuhauses blieb die Liebe zu Schwaben immer bestehen. „Haunsheim bedeutet für mich Heimat. Da kann ich schwätzen, wie mir der Schnabel gewachsen ist“, sagt der 50-Jährige, lacht und fügt hinzu: „Ich vermisse natürlich meinen Leberkäs’ und mein Weißbier. Und vor allem meine Schulfreunde und meine Familie.“ Um noch Kontakt mit der alten Heimat zu halten, telefoniert er jeden Sonntag mit seiner Schwester, schaut online das Heute-Journal, liest auf der Internetseite der Donau-Zeitung Nachrichten. Auch die Kinder haben einen engen Bezug zu dem Land, wo ihr Vater aufgewachsen ist, haben sowohl einen deutschen als auch australischen Pass. Bei der Weltmeisterschaft fieberte die Familie mit der deutschen Nationalelf mit. „Und als Deutschland Weltmeister wurde, haben wir alle getobt“, sagt Lehr, der zum Geburtstag ein Deutschland-Trikot mit Original-Unterschriften der Spieler bekommen hat. Mit seinen beiden Kindern aus erster Ehe, seiner neuen Partnerin und der gemeinsamen Tochter lebt die Patchwork-Familie in einem Haus in Canberra. Vor einem Jahr war die ganze Familie nach Deutschland gereist. „Wir versuchen, so oft wie möglich zu kommen. Denn die Liebe zu Haunsheim bleibt immer bestehen.“

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