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Bebauung

14.12.2016

Die Macht der Anwohner

So soll das neue Baugebiet im Nordwesten von Höchstädt aussehen.
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So soll das neue Baugebiet im Nordwesten von Höchstädt aussehen.

Die einen wehren sich gegen neue Nachbarn und andere gegen weitere Puten

Insgesamt zwölf Zuhörer besuchten die jüngste Stadtratssitzung in Höchstädt am Montagabend. Zweiter Bürgermeister Stephan Karg, der den erkrankten Stefan Lenz vertritt, sagte in seinem Jahresrückblick: Durch die Erkrankung des Bürgermeisters sei die Bevölkerung mehr zusammengerückt. Er erinnerte an die Sanierung von Herzogin-Anna-Straße und Bachgasse, an die Oldtimershow und das große Feuerwehrtreffen, die Erweiterungen der beiden Firmen Nosta und Thanner, den Abschluss der Vereinsförderrichtlinie und die erste Ehrung von Sportlern und Ehrenamtlichen. Diese neue Aktion will die Stadt 2017 weiter pflegen. Als „Meilenstein“ bezeichnete Karg die Einweihung der Bewertungsstelle des Finanzamts Ende Januar. Weitere Themen, die im nächsten Jahr anstehen, seien die künftige Wasserversorgung von Höchstädt und Sonderheim, Hochwasserschutz und Flutpolder, die neue B16, die Generalsanierung der Mittelschule und der neue Auwaldtrail sowie das Bürgerzentrum Deisenhofen. Außerdem würden Gewerbeflächen und Bauplätze knapp. Allein 20 Nachfragen nach Bauplätzen hat die Verwaltung inzwischen. Durch eine Erweiterung des Baugebiets Ensbach könnte den Interessenten geholfen werden.

Dafür hat der Stadtrat im weiteren Verlauf des Abends einen Bebauungsplan aufgestellt. „Ensbach Süd“ ist der Titel, etwa 22 Parzellen könnten dort, im Nordwesten der Stadt, entstehen. Die Fläche gehört der Stadt. Weil die Anlieger damit nicht einverstanden waren, hat sich Karg noch mal mit ihnen getroffen. Man nehme die Anliegen sehr ernst und habe nun einen Plan, „von dem wir glauben, dass er die größte Akzeptanz hat“– auch wenn man sich dabei massiv einschränke. Verwirklicht wurden die Bitten der Anwohner, dass ein reines Wohngebiet entsteht, in dem ausschließlich Einzelhäuser mit einer Gesamthöhe von je neun Metern gebaut werden dürfen. Die Gestaltung der Dachform ist frei. Der bereits bestehende Spielplatz soll verbessert werden. Der Weg zwischen Friedrichsgrüner und Hermann-Beckler-Straße wird künftig nur für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein. Stadtratsmitglied Simon Wetschenbacher hielt die Bauplätze für relativ schmal. Die Baugrenze von vier Metern von Norden her war ihm zu viel, er schlug drei Meter vor. Johann Jall beklagte eine gefährliche Ausfahrt.

Laut Thomas Wanner, Leiter der Bauverwaltung, wird auch dieser Punkt im weiteren Verfahren noch geprüft. Günter Ballis’ Bitte um einheitliche Bauformen lehnte der Rest des Gremiums ab. Der Drei-Meter-Baugrenze wurde zugestimmt. Geschlossen wurde dann die zehnte Änderung des Flächennutzungsplanes auf den Weg gebracht. Doch die meisten Zuschauer im Sitzungssaal interessierten sich für den Bebauungsplan für einen bereits bestehenden Putenhof nordöstlich von Sonderheim. Die Besitzer möchten eine Mehrzweckhalle bauen und die Ställe erweitern. Insgesamt 2700 Quadratmeter wird das umfassen. Vertreter der Grünen im Landkreis um Kreisrätin Heidi Terpoorten hatten zuvor eine Broschüre gegen industrielle Tierhaltung verteilt.

Die Macht der Anwohner

In der Sitzung am Montag sollte die Grundlage für das weitere Verfahren geschaffen werden, erklärte Wanner. Nach der Aufstellung des Bebauungsplanes können Träger öffentlicher Belange und Bürger dazu Stellung nehmen, die Pläne liegen dann auch einen Monat lang öffentlich im Rathaus aus. Mit allen Eingaben befasst sich danach wiederum auch der Stadtrat. Stadtratsmitglied Wolfgang Konle protestierte dagegen. Man müsse die Bürger vor Massentierhaltung schützen. „Es reicht.“ Dafür gab es Applaus aus dem Publikum. Die beiden Kollegen Mesch und Ludwig Kraus erinnerten daran, dass hinter dem Vorhaben ein Familienbetrieb stecke, der im Sommer zur Besichtigung eingeladen hatte. Konle hatte daran nicht teilgenommen. Gegen seine Stimme beschloss der Rat die Aufstellung des Bebauungsplanes.

Zum Schluss sprach Karg noch kurz über die Veranstaltung im Höchstädter Schloss, als Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf über die Flutpolder informierte, und betonte, „wir sind noch betroffen“. Kollege Ballis beklagte sich, man sei von der Entscheidung völlig unvermittelt getroffen worden. Und Tapfheim sei nun außen vor. „Die waren aggressiv, das hatte wohl die stärkste Wirkung.“ Diesen Verdacht äußerte Konle auch. „Mit Aggressivität erreichen wir nichts“, warnte Mesch. Mit Vernunft und Wertschätzung erreiche man mehr.

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