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Landkreis Dillingen

07.05.2020

Die Misere mit dem Sportheim-Betrieb

Die meisten Sportheime im Landkreis – wie hier die Pfalz-Neuburg-Stub’n der SSV Höchstädt – sind wegen der Corona-Krise derzeit geschlossen.

Plus Pächter überbrücken mit „Essen to go“ die schwierige Zeit. Vereine, die ihre Gaststätte in Eigenregie betreiben, haben derzeit überhaupt keine Einnahmen und warten sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung.

Von den Lockerungen der Corona-Sperren in dieser Woche nicht betroffen sind die vielen Sporthallen und Sportheime, Umkleidekabinen und Gastronomiebereiche. Das bedeutet für die zahlreichen Vereine im Landkreis, dass weiterhin Einnahmen durch den Verkauf von Speisen und Getränken wegbrechen. Besonders schwer trifft dies die Pächter von Sportheimen.

Seit fünf Jahren hat Elli Boursauidu den Gastronomiebereich im Sportheim des TSV Bissingen gepachtet. Die Griechin setzt bei den Speisen vor allem auf Spezialitäten aus ihrem Heimatland sowie auf die italienische Küche. In normalen Zeiten ist das Sportheim an bestimmten Tagen unter der Woche derart gut besetzt, dass es selbst für die Fußballer des TSV nach dem Training manchmal schwierig wird, einen Platz in der Gaststube zu ergattern. Diese Zeiten sind aktuell vorbei. Die finanziellen Einbußen seien „sehr hart“, erklärt Boursauidu. Durch „Essen to go“ komme man gerade noch so über die Runden. „Doch allzu lange darf diese Situation nicht mehr anhalten“, ergänzt Tochter Anna-Maria Pappa, die an den Wochenenden als Servicekraft im Bissinger Sportheim oft mit anpackt. TSV-Vorsitzender Lutz Trzeciak ist froh, dass die Bissinger vom Essen auf Abholung Gebrauch machen. Schließlich habe der Verein ein großes Interesse, dass die Pächterin in der Corona-Krise einigermaßen über die Runden kommt. Deshalb verlange der Verein bei der Pacht auch nur einen Betrag, den Trzeciak als „sehr human“ bezeichnet. An die Vorstellung, den Wirtschaftsbetrieb eines Tages in Eigenregie betreiben zu müssen, möchte der Vereinsvorsitzende gar nicht denken. Das sei ehrenamtlich kaum zu schultern, so der 60-Jährige.

Wie hoch der Verlust ist, weiß man noch nicht

Die große Mehrzahl der Klubs im Landkreis betreibt den Wirtschaftsbetrieb im Sportheim in Eigenregie. Dazu gehören beispielsweise auch der TSV Unterthürheim und der SV Holzheim. Da werden nach den Trainingsabenden Getränke an die Fußballer und Betreuer sowie an die anderen Sportler verkauft. Ferner gibt es bei Heimspielen kleinere Speisen für die Zuschauer und werden Kaffee und selbst gebackener Kuchen angeboten. „All diese Einnahmen fehlen uns natürlich“, zählt Unterthürheims Vorsitzender Johann Mattes auf. Wie hoch der Verlust seit der Schließung des Sportheims am 16. März ist, das hat der TSV-Boss im Detail noch nicht errechnet. Höhere Einnahmen brechen den Unterthürheimern im Sommer weg: Das Festwochenende vom 16. bis 19. Juli mit Festzeltbetrieb und Preisschafkopfen wurde abgesagt und soll ein Jahr später nachgeholt werden. Bei all diesen negativen Nachrichten gibt es in Corona-Zeiten auch kleine Einsparpotenziale: „Die Ausgaben für das Trikotwaschen und für die Putzfrau fallen derzeit weg“, schmunzelt Johann Mattes.

Die Misere mit dem Sportheim-Betrieb
Mit „Essen to go“ kommt die Pächterin im Sportheim des TSV Bissingen, Elli Boursauidu (Mitte), halbwegs über die Runden. Rechts Tochter Anna-Maria Pappa, die im Service hilft, links TSV-Vorsitzender Lutz Trzeciak.

Aufgrund des Stillstands bei den Fußballern sparen sich die Vereine oft auch die Ausgaben für ihre Übungsleiter. „Unser Trainer Oliver Remmert hat freiwillig angeboten, auf seine Aufwandsentschädigung zu verzichten“, berichtet Fußball-Abteilungsleiter Alexander Bschorer vom SV Holzheim. Der finanzielle Verlust durch fehlende Einnahmen beim Getränke- und Speisenverkauf schmerze natürlich, zumal der Verein weiterhin Fixkosten wie für Strom und Wasser zu tragen habe, führt Bschorer auf. Trotzdem glaubt der Holzheimer Funktionär, der für die Organisation des Sportheim-Betriebes verantwortlich ist, dass der Verein deswegen nicht pleite gehen wird.

Im Gundelfinger Sportheim gibt's "Essen to go"

Zurück zu den Vereinen, bei denen ein Pächter Sportler und sonstige Gäste mit Essen und Getränken versorgt. Dazu zählt der FC Gundelfingen, in dessen Vereinsheim das Restaurant „El Greco am Badesee“ integriert ist. Den Familienbetrieb schätzt FC-Vorsitzender Viktor Merenda sehr. Wie in Bissingen bieten die griechischen Betreiber des Restaurants „Essen to go“ an, damit nicht alle Einnahmen wegbrechen. Damit die Pächter einigermaßen über die Runden kommen, hat der FC Gundelfingen ihnen seit März die Pachtzahlungen erlassen. Wie lange der Klub auf diese Einnahmen verzichten kann und wird, hänge laut Vorsitzendem Viktor Merenda mit dem weiteren Geschehen in der Corona-Misere zusammen.

Zum Sportheim der SSV Höchstädt zählen die „Pfalz-Neuburg-Stub’n“. Diese sind an Max Karle verpachtet. Vor der Corona-Epidemie hat der Pächter unter anderem täglich einen Mittagstisch in Büfettform angeboten. Die Nachfrage nach frischen Speisen war mitunter sehr groß, berichtet SSV-Vorsitzender Jakob Kehre. Doch seit Anfang März ist das Lokal geschlossen. Dem Verein gegenüber habe sich der Pächter aber „sehr solidarisch“ verhalten und trotz fehlender Einnahmen die Pacht bezahlt, ist Kehrle dankbar über diesen Tatbestand. Wie es mit Pachteinnahmen, Verkauf von Getränken und Speisen in Eigenregie und dergleichen in den Sportheimen weitergeht, das hänge vom weiteren Verlauf der Virus-Bekämpfung und den politischen Entscheidungen in den nächsten Wochen ab. Der Weg zurück in die Normalität, da ist sich Kehrle sicher, werde aber wohl noch einige Zeit andauern.

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