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Bildung

21.03.2015

„Die Mittelschule ist keine Sackgasse“

Bild: dpa

Eine aktuelle Studie erteilt der Schulart schlechte Noten. Lehrer und Eltern kämpfen um das Image der Einrichtung. Denn die kann ihrer Meinung nach in vielen Bereichen punkten

Landkreis „Die denken, wir sind der Rest.“ Eduard besucht die achte Klasse der Mittelschule Höchstädt und redet nicht lange drum herum. Er und seine Mitschüler wissen: Das Image der Mittelschule hat ein Problem. Viviene und Theresa besuchen beide den M-Zweig und können die Vorurteile der Schulart gegenüber nicht verstehen. „Wir machen auch die mittlere Reife und man kann später auch studieren“, sagt Viviene. Eine aktuelle Studie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) gibt der Mittelschule indes keine guten Noten. An allen Ecken und Enden fehlten Lehrer, nur zehn Prozent der Befragten glauben, dass das Personal ausreicht, um die Schüler individuell zu fördern, und mehr als 70 Prozent finden die Bezeichnung „Restschule“ für die Mittelschule zutreffend.

Wenn Georg Brenner, Schulleiter der Höchstädter Grund- und Mittelschule, Begriffe wie „Restschule“ hört, dann gebe es ihm einen Stich in der Herzgegend. „Der Begriff Restschule ist einfach nur herabwürdigend. Ich bin mir bewusst, dass die Mittelschule nicht die bevorzugte Schulart ist, aber das ändert sich vor allem dann, wenn die Eltern von der Durchlässigkeit des Bildungssystems erfahren. Unsere Schüler haben keine Probleme, einen Beruf zu finden.“ Dass ab und an das Personal fehlt, sagt aber auch er. Mobile Reserven würden oft fest als Schwangerschaftsvertretung eingeplant. Wenn dann etwa in der Grippezeit Personalmangel herrscht, gebe es kaum jemanden, der kurzfristig einspringen kann. Außerdem würden den Mittelschulen immer mehr Aufgaben zugeteilt. „Früher konnten wir Angebote machen, die so heute nicht mehr möglich sind, etwa Neigungskurse oder Arbeitsgruppen. Auch gute Schüler haben Anspruch auf eine pädagogische Förderung, aber die Zeit muss heute eher in Inklusion und Integration gesteckt werden.“

Michaela Kölle aus Mörslingen hat sich bewusst dafür entschieden, ihre Tochter auf die Mittelschule zu schicken. „Meine Tochter ist eher sensibel. Meiner Meinung nach gehen sensible Kinder an der Realschule unter. Jede Stunde haben die Kinder einen anderen Lehrer.“ An der Mittelschule ginge es viel familiärer zu, der Kontakt zu den Lehrern sei enger, die Klassen seien kleiner. „Der Begriff Restschule stimmt einfach überhaupt nicht. Manche Kinder brauchen einfach länger als andere. Und viele Eltern haben noch nicht verstanden, dass auch Mittelschüler etwas leisten.“ Wie über die Schulart gesprochen werde, werde den Schülern und ihren Leistungen nicht gerecht. „Ich habe zum Beispiel eine Nichte, die den M-Zweig gemacht hat und nun Chefsekretärin in einem Betrieb mit 500 Mitarbeitern ist“, sagt Kölle. Bisher habe sie es noch keinen Tag bereut, ihre Tochter nicht auf eine Real-, sondern eine Mittelschule geschickt zu haben.

Auch Dieter Wedding, Rektor an der Mittelschule am Schlachtegg in Gundelfingen, weiß, womit die Schulart punkten kann: Zum einen sei das das Klassenleiterprinzip, der Lehrer kenne seine Schüler sehr gut, könne gut auf sie eingehen. Zum anderen sei es die große Berufsbezogenheit. „Ab der siebten Klasse werden die Schüler verstärkt bei der Berufswahl unterstützt“, sagt Wedding. Auch er ärgert sich, wenn er immer wieder den Begriff Restschule hört. „Mir ist es wichtig, bei Übertrittsabenden den Eltern klarzumachen, dass der Zug nicht abgefahren ist, wenn das Kind auf die Mittelschule geht. Die Mittelschule ist keine Sackgasse.“ "Kommentar

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