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25.02.2015

Die „Rote Karte“ für die Ministerin

Klaus Beyrer
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Klaus Beyrer
Bild: von Neubeck

Der Bayerische Bauernverband machte am Montagabend mobil und zeigt sich im Schulterschluss mit den Bürgermeistern

Klaus Beyrer hängt sich den roten Schal um, schnappt sich eine rote Karte und klettert den Wagen hoch. Er nimmt sich das Megafon und brüllt hinein: „Das nehmen wir so nicht hin. Das lassen wir uns nicht bieten. Wir müssen uns mit aller Kraft wehren.“ Die knapp hundert Menschen, die sich vor ihm versammelt haben, applaudieren, pusten in ihre Trillerpfeifen oder grölen. Sie stimmen Klaus Beyrer zu. Stimmen ihm zu, dass alles getan werden muss, um die geplanten Flutpolder im Landkreis Dillingen zu verhindern.

Genau deshalb steht der BBV-Kreisobmann am vergangenen Montagabend schon lange Zeit vor dem offiziellen Beginn mit vielen weiteren Landwirten und Bürgern vor der Nordschwabenhalle und macht Lärm. „Auf dieser Grundlage kann keine vorläufige Sicherung gemacht werden,“ schimpft Beyrer weiter. Mit ihm auf dem Podest steht auch Eugen Bayer, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Dillingen. Der Verband hat schon beim ersten Bürgerdialog in Dillingen vor zwei Wochen solch eine Demonstration organisiert – inklusive Mahnfeuer und Plakaten. Bayer: „Wir zeigen der Ministerin heute die ’Rote Karte’. Im Fußball würde man dafür eine Dauersperre bekommen. Demokratisch hat auch die Ministerin ein großes Foul gemacht.“ Sie spreche zwar weiter von einem Bürgerdialog, aber auch in Dillingen, so der Geschäftsführer weiter, sei sie den Bürgern viele Antworten schuldig geblieben. Bayer weiter: „Es geht um Existenzängste und kalte Enteignungen. Jetzt müssen wir uns wehren.“ In erster Linie sei nun wichtig, die vorläufige Sicherung der Flächen zu verhindern, um dann vor Ort erneut Untersuchungen vornehmen zu können. „Der Landkreis hat sich schon jahrzehntelang solidarisch gezeigt. Das muss reichen.“

Auch die Kreisbäuerin Hannelore Schmid greift zum Megafon. Sie brüllt: „Es kann doch nicht sein, dass wir alles ertragen müssen. Wir Landwirte und Familien müssen uns wehren!“ Über tausend Unterschriften haben die drei deshalb erneut in den vergangenen Wochen gesammelt und Ulrike Scharf mit auf den Weg gegeben. Schon bei der Versammlung in Dillingen waren es mindestens genauso viele. „Und wir machen weiter. Das hilft alles nichts. Da müssen wir jetzt dranbleiben“, sagt Klaus Beyrer. Besonders müsse man ein gemeinsames Zeichen setzen – nicht nur optisch. Darum stehen an diesem Abend auch die vier Bürgermeister der betroffenen Gemeinden auf dem Podium des Bauernverbandes. Karl Malz, Reinhold Schilling, Jürgen Frank und Stefan Lenz rufen in die gleiche Richtung. Das Ziel ist klar, so Malz aus Tapfheim. „Wir müssen die vorläufige Sicherung der Flächen verhindern. Wir müssen uns wehren.“ Er hat viele Bürger aus Tapfheim mobilisiert, gleich drei Busse kommen am Montag nach Höchstädt.

Aber auch viele Schwenninger, Gremheimer, Blindheimer und Höchstädter Bürger sind da. Sie sind wütend – zeigen und sagen dies. „Ich finde das klasse. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass wir so viele Unterschriften in dieser kurzer Zeit sammeln können“, sagt Hans Mesch, Höchstädts Dritter Bürgermeister. 1500 Namen sind es, die er Ministerin Scharf in die Hand drückt. „Wir wollen einfach nur gehört werden“, so Mesch.

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