Newsticker

Spanien verhängt erneut Notstand und Ausgangssperre
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Die Ruine Ramstein gibt Rätsel auf

Bopfingen

09.05.2015

Die Ruine Ramstein gibt Rätsel auf

Jürgen Schmidt hat die Überreste der Burg bei Flochberg vor dem Vergessen gerettet.
Bild: Hampp

Jürgen Schmidt hat die Überreste der Burg bei Flochberg vor dem Vergessen gerettet. Wie viele ehemalige Bauten er bis heute schon entdeckt hat.

Von Bernhard Hampp  Zwischen Flochberg und Trochtelfingen ragen rechter Hand am Albtrauf steile Felsen aus dem Wald. Hier thronte einst auf 608 Höhenmetern die Burg Ramstein. Die wenigsten wissen von ihr. Jürgen Schmidt, passionierter Burgenforscher aus Aalen, hat die wahrscheinlich mittelalterliche Anlage davor bewahrt, ganz in Vergessenheit zu geraten. Doch sie gibt ihm viele Rätsel auf.

 „Wir dürfen uns hier keine gemauerte Burg mit Türmen vorstellen“, sagt Schmidt über die Anlage im dichten Wald. Was zwischen Bäumen und Gestrüpp deutlich zu sehen ist, sind mehrere Reihen von Erdwällen und Gräben, die sich halbkreisförmig um den Felsvorsprung ziehen. Schmidt vermutet, dass hier früher lediglich aufgeschichtete Trockenmauern standen.

Das und vieles andere spricht für ihn dafür, dass diese Burganlage mit ihrer 21 mal 15 Meter großen Kernburg und einer Vorburg, wo vielleicht Untertanen lebten, vor dem 12. Jahrhundert entstanden ist. Behauene Steine hat Schmidt keine gefunden. Genauso wenig wie Keramikscherben oder Dachziegel. Dennoch gibt es Interessantes zu entdecken: etwa ein Dutzend Gruben rund um die Burgwälle, die gewiss nicht natürlich entstanden sind.

Von Beruf Eisenbahner

Schmidt, der von Beruf Eisenbahner ist, streift an den Wochenenden durch die Wälder der Ostalb – immer auf der Suche nach vergessenen Burgen und Festungsanlagen. Auf topographischen Karten sucht er nach eingezeichneten Burgställen. Oder er kombiniert: Wenn entlang eines bekannten Handelswegs in einer Reihe von Burgen eine Lücke klafft, nimmt er die betreffende Stelle in Augenschein. „Ich muss mir die Stellen selbst ansehen“, sagt er. Manchmal helfen ihm historische Quellen wie die alten Oberamtsbeschreibungen weiter.

In einem Fundbericht von 1896 verzeichnet

Die Ruine Ramstein fand er in einem Fundbericht aus dem Jahr 1896 verzeichnet. Er listet die Burgen nicht nur auf, sondern zeichnet an Ort und Stelle Skizzen und Lagepläne – auch, um die Burgen gewissermaßen zu retten. Manche Burgställe tauchen noch in Fachbüchern aus den Siebzigerjahren auf – heute weiß keiner mehr von ihnen. Und auch die bekannten laufen Gefahr, zu verschwinden. Manche fallen dem Pflug zum Opfer, andere werden bei Holzfällarbeiten mit modernen Vollerntern unkenntlich gemacht. Immerhin: Als Schmidt vor fünf Jahren begann, Burgen zu kartographieren, gab es 120 dokumentierte Anlagen im Ostalbkreis.

Jetzt sind es – auch dank seiner Arbeit – 30 mehr. Vielleicht kommen noch weitere hinzu, wie auf dem Tierstein bei Aufhausen, wo Schmidt ebenfalls die Reste einer Burg vermutet. Belegt ist hier jedoch nichts. Für die Ruine Ramstein wagt der Hobbyforscher eine vorsichtige Theorie: „Diese Burg hat meiner Meinung nach nicht lange existiert: Sie bietet ein sehr klares Bild und wurde offenbar niemals umgebaut.“ Ein möglicher Grund für die kurze Lebensdauer: Es gibt kein Wasser. Die topographische Karte verzeichnet keine Quelle.

Mühevoller Wassertransport

 „Das Wasser musste wahrscheinlich mühevoll aus dem Tal der Eger hoch zur Burg gebracht werden.“ Völlig unklar ist, wer hier wohnte. Urkunden verzeichnen zwar einen „Ritter von Ramstein“ in der Region. Allerdings wohnte dieser wohl auf einer anderen Burg Ramstein nahe Marktoffingen. War Ramstein ein Adelssitz des 9. oder 10. Jahrhunderts? Oder legte sie Herzog Welf VI. an, um von dort aus die Stauferburg Flochberg zu belagern? Historisch belegt ist, dass es diese Belagerung und eine große Schlacht zwischen Staufern und Welfen im Jahr 1150 gab.

Solche schnell gebauten und bald wieder aufgegebenen Belagerungsburgen existierten im Mittelalter durchaus, meint Schmidt, der jedoch auch ein gewichtiges Argument gegen die These von der Belagerungsburg anführt. Ramstein war mit 1,8 Kilometern Luftlinie recht weit von der Flochberg entfernt. Belagert hätte man die Stauferburg viel besser vom näheren Beiberg aus.

„Vielleicht kommt einer, der sagt, ,Schmidt, du hast dich total verhauen – das ist eine Schanze aus dem Dreißigjährigen Krieg’“, sagt der Burgenkenner, macht aber sofort klar: Für eine solche Schanze wäre der Aufwand, der hier betrieben wurde, zu groß. Um mehr herauszufinden, müssten schon Archäologen auf dem Ramstein graben. Doch dafür fehlt das Geld.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren