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18.02.2015

Die Schlachtfeldschätze sind wieder da

Der goldene Husarensäbel mit der gebläuten Klinge ist eines der schönsten Stücke aus Johann Mengeles Sammlung.
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Der goldene Husarensäbel mit der gebläuten Klinge ist eines der schönsten Stücke aus Johann Mengeles Sammlung.
Bild: Gaugenrieder

Fast zwei Jahre lang waren Johann Mengeles Sammlerstücke unterwegs und in Ausstellungen zu sehen. Bald kommt ein besonderer Gast nach Blindheim, um sie anzuschauen

Von Katharina Gaugenrieder

Als die Tür des Lastwagens aufgeht, fallen die beiden großen rostigen Kugeln sofort ins Auge. Und das abgerissene Rohr, das daneben liegt. Sorgsam hat sie die Spezialfirma mit Gurten festgezurrt. Damit beim Transport auch sicher nichts beschädigt wird. Denn die beiden Mörserkugeln und das Fragment einer Kanone sind unbezahlbar. Sie sind stumme Zeugen der Schlacht, die um 1704 rund um Blindheim gewütet hat. Zeugen einer Schlacht, bei der so erbittert gekämpft wurde, dass die Soldaten die Kanonen am Ende gar nicht mehr mit Wasser begießen konnten, sondern so lange schossen, bis sie glühten und dann zerbarsten, wie Johann Mengele erzählt.

Tausende von Fundstücken zur Schlacht von Blindheim hat die Familie des Bauunternehmers über Generationen hinweg zusammengetragen. Gewehre und Säbel, Bleikugeln und Totenschädel, Pferdesättel und Trommeln. „Ich wüsste nicht, wo es in der Form eine derart sagenhafte Sammlung gibt“, sagt Dr. Alexander Jordan, Direktor des wehrgeschichtlichen Museums im baden-württembergischen Rastatt. Nicht nur in seinem Museum, sondern auch in Utrecht in den Niederlanden, in Baden in der Schweiz und in Madrid waren Johann Mengeles alte Schätze in den vergangenen zwei Jahren als Teil eines multinationalen Ausstellungsprojektes mit dem Titel „Frieden in Europa“ zu sehen. „Dabei war unser Ansatz natürlich primär, den Frieden zu thematisieren“, sagt Jordan. „Aber dazu gehört natürlich auch der Krieg. Und das haben wir hier mit der Schlachtfeldarchäologie.“ Mit den Stücken, die Johann Mengele zur Verfügung stellte, konnte innerhalb der Ausstellungen ein ganzes Schlachtfeld nachgestellt werden. Und das habe bei den Besuchern bleibenden Eindruck hinterlassen: „Wenn man die Leute gefragt hat, was sie sich gemerkt haben, war immer das Schlachtfeld mit dabei“, sagt Jordan. Auch Johann Mengele selbst war an allen Ausstellungsorten. „Ich war angenehm überrascht von der großen Resonanz“, sagt er. „Da war es gut, dass Blindheim repräsentiert war.“

Nun also sind die ausgeliehenen Stücke wieder zurück in ihrer Heimat. Dort, wo sie nach und nach auf den Feldern herauskamen oder bei Bauarbeiten in den Häusern gefunden wurden. Noch gut kann sich Johann Mengele an den Moment erinnern, als er als junger Mann auf dem Bauernhof dem alten Taubenschlag zu Leibe rückte. Und dann, als die Mauer fiel, die vielen Gewehre, Trommeln und Relikte der Schlacht fand, die Jahrhunderte zuvor eingemauert wurden. Noch heute, sagt Mengele, gebe es neue Fundstücke. Und wenn wieder einer etwas gefunden hat, dann wendet er sich meistens an Johann Mengele. Der hat mittlerweile so viele Stücke, dass sie noch nie in einer gemeinsamen Ausstellung zu sehen waren. Ein Teil davon ist in einer Dauerausstellung im Schloss Höchstädt aufgebaut, ein anderer Teil im Blindheimer Heimatmuseum und natürlich in Blenheim Palace in Großbritannien. Dort gibt es nun nach dem Tod des alten Herzogs von Marlborough einen neuen Herren. Und der, sagt Mengele, habe ihm in einer Karte angekündigt, dass er ihn im Mai besuchen werde. Denn die Verbindung mit Blindheim, wo sein Vorfahr kämpfte, sei dem Herzog sehr wichtig. Nun überlegt Johann Mengele bereits, wie und wo er ihm die Sahnestücke aus seiner Sammlung am besten präsentieren kann. Zum Beispiel den prächtigen Husarensäbel mit der gebläuten Klinge, den er vorsichtig aus einer Ummantelung herausnimmt. Nun ist die Waffe, die einst einem Offizier gehört haben muss, wieder daheim in Blindheim. Wo sie vor über 300 Jahren zurückgelassen wurde.

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