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Dillingen

28.08.2020

Die "Simsons" haben das historische Dillingen festgehalten

Eine Postkarte von 1905 mit einem Simson-Motiv. Es zeigt ein Feldkreuz im Dillinger Auholzweg.
Bild: Söhner

Plus Die Stadt verdankt der Fotografen-Familie Simson genaue Aufnahmen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Doch nicht nur das Fotografieren beherrschte die Familie perfekt.

Für Jahrzehnte oder Jahrhunderte an einem Ort verwurzelt – manche Familie aus der Region kann auf einen bemerkenswerten Stammbaum zurückblicken. In einer Serie stellen wir diese besonderen Familiengeschichten aus dem Landkreis Dillingen vor.

Generationen von Dillingern bringen mit der Fotografie heute vor allem den Namen „Fink“ in Verbindung. Seit mittlerweile über 100 Jahren gibt es das Traditionsgeschäft in der Königstraße. Paul Fink, 86 Jahre alt, macht dort seit sechseinhalb Jahrzehnten mit viel Erfahrung und ungebrochener Leidenschaft seine Bilder. In einem Bericht der Donau-Zeitung anlässlich des Firmenjubiläums im Jahr 2019 und seines Geburtstags gab er an, mittlerweile mehr als 100000 Menschen porträtiert zu haben; lange Zeit analog, heute mit digitaler Technik.

Simson, Söhner und Heidenreich

Wenn man in die Anfangs-Zeit der „Photographie“ in Dillingen zurückgeht, so stößt man zwangsläufig auch auf weitere Familiennamen, darunter immer wieder: Simson. Joseph Simson (1840-1929) zählte zu den frühesten Fotografen in Dillingen, schreibt Dr. Felicitas Söhner, die Dillinger Stadtarchivarin. Ursprünglich aus Henneberg in der Oberpfalz stammend war er als gelernter Schuhmacher bei dem Dillinger Meister Michael Heidenreich beschäftigt. Über seinen Schwager, den Fotografen Johann Michael Gallenmüller (1826-1913), erlernte Joseph Simson die damals noch junge Kunst. Nach einer Lehrzeit zog Joseph Simson aus Dillingen fort und machte sich in Neumarkt in der Oberpfalz mit einem eigenen Fotoatelier selbstständig. Später kehrte er nach Dillingen zurück und gründete dort 1866 sein Fotogeschäft.

Kinder beten an einem Feldkreuz im Dillinger Ried.
Bild: Söhner

Aus der Tageszeitung des 6. September 1866 erfuhren die Dillinger: „Unterzeichneter erlaubt sich hiermit, einem hohen Adel und geehrtem Publikum die ergebenste Anzeige zu machen, daß in seinem Atelier … täglich Aufnahmen gemacht werden von Porträts, Gruppierungen, Ansichten… Besonders empfehle ich mich in Aufnahmen zu Pferde, indem ich zu diesem Zwecke ein ganz naturgetreues, hölzernes Pferd besitze. Um geneigten Zuspruch bittet Simson, Photograph.“

Atelier mit dem Namen "Gebrüder Simson"

Joseph Simson hatte 1864 Anna Kain geheiratet, mit der er sechs Kinder hatte. Die drei Söhne Alois, Franz Xaver und Emil erlernten alle das Fotografenhandwerk, vermutlich im elterlichen Betrieb. Diesen übergab Joseph Simson am 31. Dezember 1899 seinen beiden Söhnen Alois und Emil, die das Atelier unter dem Namen „Gebrüder Simson“ fortführten. Der mittlere Sohn Franz Xaver hatte sich zu dieser Zeit mit einem eigenen Atelier in Rosenheim bereits selbstständig gemacht.

Der Dillinger Taxispark auf einer historischen Darstellung.
Bild: Söhner

Sohn Emil (1871-1954) hat in Osterode bei Ferdinand Nitsch, einem Malerfotografen und Schüler von Piloty gelernt. Nitsch hatte Simson die Kunst gelehrt, schwarz-weiße Aufnahmen nachträglich zu kolorieren. Dank der Kunst und handwerklichen Fertigkeit von Emil Simson gibt es deshalb eine Anzahl von Fotografien, die wie kolorierte Stiche oder kleinformatige Aquarelle aussehen. Sein Bruder Alois (1865-1947) beherrschte vor allem die Kunst des Zeichnens und Retuschierens perfekt. Aus seiner Feder stammen vielfältige dekorative Kartuschen und Verzierungen auf diversen Jubiläumsbildern hiesiger Vereine und Gesellschaften. Deren Bilder hielten Persönlichkeiten und Aussehen der Stadt im Bild über Jahrzehnte hinweg fest.

Dillinger Buchhändler und Verleger

Im Jahr 1894 verlegte der Dillinger Buchhändler und Verleger Ludwig Sauer die schönsten Simson-Motive von der Stadt in einem Postkartenbüchlein. Ab 1918 war Maria Simson (1902-1988), die Enkelin des Gründers, im Familienunternehmen tätig. Sie lernte von 1918 bis 1921 bei ihrem Vater, absolvierte die Gehilfenprüfung und arbeitete seitdem im Geschäft mit. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie das Fotofachgeschäft in der Donaustraße und führte es bis zur Schließung aus Altersgründen im Juli 1975 fort. Ein großer Teil der historisch wertvollen Glasplatten und fotografischen Dokumente werden heute im Stadtarchiv Dillingen verwahrt.

Die Dillinger verdanken der Fotografenfamilie Simson eine genaue bildliche Darstellung der Architektur der Stadt Dillingen und deren gesellschaftliches Leben über insgesamt drei Generationen im 19. Jahrhundert sowie dem frühen 20. Jahrhundert. (pm)

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