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06.08.2007

Die Tage der Dorfschule sind vorbei

Wertingen/Hohenreichen (hek) - In Hohenreichen bricht eine kleine Welt zusammen: Die Tage der alten Dorfschule sind vorbei, nach den großen Ferien wird das Haus leer stehen. Die Schule Hohenreichen, eine Außenstelle der Hauptschule Wertingen, in der die Klassen 5b und 6b untergebracht sind, fällt der vom Bayerischen Landtag beschlossenen Auflösung der Teilhauptschulen zum Opfer - der Schulstandort Hohenreichen wird aufgegeben.

Schulleiter Josef Kreuzer schilderte vor Ferienbeginn die Gründe dafür in einem Informationsblatt an die Eltern: "Die Auflösung der Teilhauptschulen bedeutet für unseren Raum, dass die Schüler, die bisher 5. und 6. Klassen in Buttenwiesen und Zusamaltheim besucht haben, künftig zur Hauptschule Wertingen gehören." Doch wegen der Raumnot in der Wertinger Schule könnten dort nicht alle Kinder untergebracht werden. Von insgesamt 24 Klassen im neuen Schuljahr sollen drei Klassen in Lauterbach unterrichtet werden. Daneben musste noch für eine weitere Klasse ein Standort festgelegt werden. Und der wird - laut Wunsch der Regierung - in Zusamaltheim und nicht mehr in Hohenreichen sein, bemerkt Kreuzer.

Für Zusamaltheim spreche, dass dort das neuere Gebäude stehe mit Werkräumen und einer Sporthalle. Zudem sprächen die Schülerzahlen eher für eine Bündelung im oberen Zusamtal als in Hohenreichen, so Kreuzer. Eine Variante mit dem Erhalt beider Außenstellen Hohenreichen und Zusamaltheim wurde verworfen, weil dies nicht mehr zu organisieren und verwalten wäre.

Große Enttäuschung

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Bei Kindern und Lehrern hat die Nachricht in Hohenreichen große Enttäuschung ausgelöst. Der Unterricht an einer kleinen Schule hat viele Vorteile, wissen die Lehrer Ernst Proksche und Bernd Baumgartner. Schon die Umgebung - das Schulhaus liegt, von Wald umrandet, idyllisch am Burgberg - erleichtert den Alltag. In der Pause können sich Buben und Mädchen auf dem Fußballplatz austoben - "die Kinder können richtig Dampf ablassen, das ist wichtig", erzählen die Lehrer. Strenge Pausenhofregeln, wie an großen Schulen unumgänglich, sind hier nicht notwendig.

In der Schule herrscht familiäre Atmosphäre, die Lehrer kennen ihre Kinder. Verhaltensauffällige Kinder hätten in einer kleineren Schule bessere Möglichkeiten, so Baumgartner und Proksche, die Lehrer haben einen besseren Kontakt zu ihnen und "Zugriff" auf die Kinder, die sich nicht in der Masse verstecken können. Proksche und Baumgartner meinen, dass der Verzicht auf Hohenreichen ein "Politikum" sei - für beide ist die Schließung des Schulstandortes nicht nachvollziehbar, da der Hauptstandort Wertingen sowieso Raumprobleme habe und zwei Klassen dort in Containern untergebracht seien.

Die Kinder in Hohenreichen trauerten vor den Sommerferien den schönen Dingen nach, die sie dort tun konnten: Fußballspielen, Schneeballschlachten, Schlittenfahrten, Unterricht auf der Wiese, eine Malstunde mit dem Zeichenblock auf dem Burgberg ¿Deshalb haben zwei junge Damen, Yvonne Füssel und Melanie Bonitz, unbeeinflusst von ihren Lehrern, spontan eine Unterschriftenaktion initiiert. Ganz ohne Protest wollten sie ihre geliebte Schule doch nicht aufgeben.

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