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Ausbildung

09.03.2018

Die Wünsche junger Landwirte

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2 Bilder
Das Foto zeigt eine Biene auf einer „Durchwachsenen Silphie“ (Silphium perfoliatum). Das ist eine Weidepflanze, die eine Alternative zur Erzeugung von Biomasse und damit von Mais sein kann. Ein junger Landwirt aus dem Landkreis Dillingen wird diese Pflanze heuer zum ersten Mal ansäen. Im Interview zählten die Studierenden der Landwirtschaftsschule weitere Trends und Ideen auf, berichten aber auch von Problemen.

15 Männer und eine Frau machen in Wertingen zurzeit ihre Meisterprüfung. Viele aktuelle Themen beschäftigen sie – vor allem die öffentliche Meinung über ihren Beruf

Unternehmensführung und Rechtslehre stehen auf dem Stundenplan. Doch an den Tischen sitzen keine angehenden Juristen, sondern künftige Landwirtschaftsmeister im dritten Semester. Zu ihrem Unterricht an der Wertinger Landwirtschaftschule gehören auch Rhetorik, tierische und pflanzliche Produktion sowie am Montag Volkswirtschaft und Agrarpolitik. Dann beschäftigen sie sich auch mit den Berichten über die Landwirtschaft am Wochenende. Für die jungen Leute ist das manchmal nicht leicht. Deswegen wollten sie zu verschiedenen Themen Stellung nehmen.

Alle Studenten dieses Jahrgangs stammen selbst aus einem Bauernhof, die meisten sind Anfang 20. Franz Xaver Becke aus Ehingen wollte immer schon Landwirt werden. Er arbeitet für einen großen Hof und kümmert sich im Nebenerwerb um das Milchvieh daheim. Viele, etwa Martin Sienz aus Kleinerdlingen im Kreis Donau-Ries, werden den elterlichen Betrieb übernehmen. Den Meister braucht auch, wer auf dem Hof Lehrlinge ausbilden will, wie Florian Mayer aus Otting. Laut Stefan Martin aus Rain werde man als Meister bei Förderprogrammen besser eingestuft.

„Landwirte sind oft Kritik ausgesetzt“, sagt Andreas Rager aus Laugna. Dominikus Schweihofer aus Herbertshofen bei Meitingen meint, die Bevölkerung sei weit weg von der Landwirtschaft. Simon Wiedemann aus Lauterbrunn empfiehlt, das Thema in der Schule besser zu behandeln und Michael Keiß aus Amerdingen ergänzt: „Wir arbeiten nach Standards, umweltverträglich und nachhaltig. Die meisten Kollegen machen gute Arbeit. Dafür fehlt mir die Wertschätzung.“

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Laut Andreas Rager aus Laugna fängt es schon mit den Begriffen an. „Das ist kein Dünger, das ist ein Pflanzenschutzmittel.“ Und das kostet Zeit und Geld, sagt Martin Sienz aus Kleinerdlingen bei Nördlingen. „Keiner fährt so etwas sinnlos aus, man macht nur das Nötigste.“

Jonas Kornmann aus Harburg erklärt, dass der Mais einfach mehr auffalle, weil er im Herbst noch steht, wenn das Getreide schon geerntet ist. Denn der Maisanbau selbst sei stabil. Martin Abt aus Laugna will eine potenzielle Alternative testen: Silphium perfoliatum, eine Blühpflanze (gut für Bienen und fürs Auge), die jedes Jahr selbst nachwächst (spart Saatgut), dient dem Erosionsschutz, wird nur einmal pro Jahr geerntet, soll ähnlich Erträge bringen wie der Mais und werde nur organisch gedüngt.

Als Familie Abt in Laugna ihre Biogasanlage baute, war das innovativ. „Die Leute interessierten sich dafür und waren begeistert“, erinnert sich Martin Abt. Doch dann wurden immer mehr Anlagen gebaut. Strom rein aus Gülle, das wäre nachhaltig, ergänzt Andreas Rager aus Laugna.

Thomas Abt aus Wertingen findet, Landwirte brauchen auch aus Sicherheitsgründen für ihre großen Fahrzeuge eine gute Infrastruktur. „Die Geschwindigkeiten sind heute auch anders als vor 20 Jahren. So groß behindern wir den Verkehr nicht mehr. Und den Dörfern kommt es auch zugute, wenn sie umfahren werden.“

Alle finden, es sei nicht erwünscht, dass ein Hof im Dorf ausgebaut wird – obwohl die Menschen im Zentrum vermutlich gar kein Problem damit hätten. Alle Landwirte am Tisch sind in Vereinen aktiv. Wenn werktags in der Früh die Feuerwehrsirene heule, sei der Mannschaftswagen voller Landwirte. Und werde irgendeine Maschine, etwa für den Maibaum, gebraucht, sei das kein Thema. Ohne die Landwirtschaft sei die ländliche Entwicklung gar nicht möglich, sagt Abteilungsleiter Ottmar Hurler.

„Wachstum ist nötig, meine ich. Stehenbleiben als Vollerwerbshof geht nicht“, findet Benjamin Herrle aus Wallerstein. Die Anforderungen an Haltung und Technik ändern sich laut Michael Keiß aus Amerdingen ständig, gerade im Bereich Tierwohl habe sich viel verändert. Dabei sagt der junge Landwirt aber auch: „Nutztierhaltung ist immer ein Kompromiss.“ Ob und wie der eigene Hof am Standort ausgebaut werden kann, ist ebenfalls Thema im Unterricht. Was geplant wird, muss realistisch sein, erklärt Michaela Schiele aus Ellerbach, die einzige Frau in der Runde. Was kostet die Maßnahme, was ist möglich, wird ein Kredit nötig? Ein Ziel sei zum Beispiel, das Tierwohl zu verbessern, erklärt Simon Wiedemann aus Heretsried. Und manches könnte ohne Investition erreicht werden, betont Abteilungsleiter Ottmar Hurler.

Als positive Beispiele nennt Thomas Abt aus Wertingen den Erosionsschutz oder den Zwischenfruchtanbau, als negativ wird generell der bürokratische Aufwand bewertet.

Thomas Abt versucht in der Schweinemast im Futter Soja zum Teil durch Aminosäure zu ersetzen. Das hätte weniger Schadgase in der Tierhaltung zur Folge. „Unsere Ausbildung hat sich verändert, wir wissen viel mehr und man sieht auf den ersten Blick, wenn im Stall was nicht stimmt“, meint Martin Abt aus Laugna.

Das Motto „wachsen oder weichen“ müsse aufhören, appelliert Andreas Rager aus Laugna. „Das kann kein Landwirt mehr stemmen.“ Und Martin Abt erinnert daran, dass das finanzielle Risiko der Landwirte oft in die Millionen geht.

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