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Die einzige Option für das Wertinger Krankenhaus?

Kommentar Von Benjamin Reif
08.10.2020

Plus Ist Reitenbergers Konzept alternativlos? Die Möglichkeiten des Landkreises müssen zumindest geprüft werden.

Etwas sehr Wichtiges wurde in der Stadtratssitzung nicht angesprochen: Die gemeinsame Forderung der vier Kreistagsfraktionen CSU, SPD, FDP und Grüne, das Ärztehaus vom Kommunalunternehmen des Landkreises bauen zu lassen. Die vielen Zuhörer in der Stadthalle hätten zumindest erste Einschätzungen zu dieser Alternative aufgezeigt bekommen sollen. Was wäre der finanzielle Rahmen? Könnte der Landkreis ein solches Projekt selbst stemmen, finanziell wie fachlich? Und dürfte er für Arztpraxen überhaupt finanzielle Mittel aufwenden, da er eigentlich nur für die Bereitstellung von stationärer Versorgung – also Krankenhäusern – zuständig ist?

Was für den Bürger zählt, ist die Entscheidung, ob der Turm kommt oder nicht, und welchen Mehrwert er für die Stadt brächte. Um sich als Zuhörer dafür eine Meinung zu bilden, hätte es geholfen, in einer gemeinsamen Vorstellung auch die Einschätzung der Fachleute des Landkreises vorgestellt zu bekommen. Unglücklich eingebettet in die Präsentation waren dagegen die Ideen zu einem neuen Pflegeheim und einer Pflegeschule, die letztlich unabhängig von den Plänen Reitenbergers sind.

Die Werbe-Offensive der Freien Wähler für ihren Parteikollegen Reitenberger wirkt ohnehin schon überdreht. Der Landrat per Videoeinblendung, der die Idee seines Parteikollegen als „Sechser im Lotto“ feiert, löst eher Befremden aus. Außerdem dürften sich knifflige Detailfragen stellen. Ein Beispiel: Das Wertinger Krankenhaus besitzt nach wie vor keinen Hubschrauberlandeplatz. Sollte dieser ungute Zustand einmal geändert werden, könnten dann die Interessen von Anwohnern eine Rolle spielen – Anwohnern auf dem Krankenhausgelände selbst, in den Wohnungen des Towers nämlich, auf die dann in puncto Lärmschutz Rücksicht genommen werden müsste.

Das alles heißt aber nicht, dass die von den Stadtratsfraktionen der Freien Wähler und Grünen – interessanterweise anders als die von den Kreistags-Grünen – favorisierte Lösung nicht gut sein kann. Es könnte auch tatsächlich die letzte Chance sein, das Krankenhaus vor der Schließung zu bewahren. Denn abseits der politischen Fronten sagt der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Uli-Gerd Prillinger, dass durchaus Eile geboten sei. Geschieht nicht bald etwas am Krankenhaus, hat es aus seiner Sicht keine Zukunft. In jüngerer Vergangenheit habe es zudem Interesse eines Augsburger Investors gegeben, ein Ärztehaus zu bauen, der die Pläne dann allerdings wieder verworfen habe, so Prillinger. Der Standort Wertingen sei diesem zu unwirtschaftlich erschienen.

Die Stadt- und Kreisräte sind jetzt gefordert, müssen sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen, die Argumente für alle Optionen sorgfältig abwägen – und dann eine Entscheidung nach ihrem Gewissen treffen, nicht ihrer Partei.

Lesen Sie den dazugehörigen Artikel: Der große Plan für das Wertinger Krankenhaus


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