1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Die kleine Elfe Genia und ihr geliebter Turm

Märchen

29.11.2019

Die kleine Elfe Genia und ihr geliebter Turm

So stellt sich der achtjährige Sebastian Greiner von der Syrgensteiner Grundschule die Elfe Genia und ihr Zuhause vor.

Der Alte Thurm in Syrgenstein besteht nur noch aus ein paar Brocken. Für ein zartes Wesen ist er das Größte

Jeden Abend erzählt das Sandmännchen eine kleine Geschichte. Zum Schluss greift es in sein Säckchen und streut Schlafsand. Dann schlafen alle Kinder selig ein. Vor 60 Jahren wurde das Sandmännchen zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt. Zum Jubiläum erzählen wir auch kleine Gute-Nacht-Geschichten aus der Region. Zum Vorlesen, zum Selberlesen, zum Einschlafen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Hoch oben auf einem Hügel lebt die kleine Elfe Genia. Sie sieht aus wie ein grünes Mädchen, mit langem grünen Haar und großen grünen Augen. Sie trägt ein langes grünes Kleid, einen feschen grünen Hut, und natürlich hat sie Flügel. Elfen können schließlich fliegen. Genia ist winzig klein, so klein wie eine Stecknadel. Und so leicht wie eine Feder. Selbst wenn sie lacht, und sie lacht gerne und laut, hört man das kaum.

Genia hat sich eine wunderschöne Wohnung eingerichtet. Sie hat ein Sofa aus Moos. Einen Kiesel als Tisch. Und zum Schlafen rutscht sie in eine kleine, dunkle Nische. Davon gibt es in Genias Zuhause ganz, ganz viele. Deswegen ist die kleine Elfe auch so schwer zu entdecken.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Genia wohnt im Alten Thurm in Syrgenstein. Vielmehr in dem, was von dem Turm noch übrig ist. Früher, da war er Teil einer gewaltigen Burg. Von dort hatte man eine grandiose Aussicht über das ganze Land. Doch das ist lange her. Die Burg ist längst verfallen. Das macht der kleinen Elfe gar nichts aus. Sie fühlt sich als Schlossherrin. Denn wenn sie ganz hoch fliegt, über die Ruine des Alten Thurms und über die Büsche hinaus, knapp über die Bäume hinweg (höher traut sich Genia nicht) –, dann blickt sie direkt auf das Syrgensteiner Schloss. Dann kommt sich die winzig kleine Elfe wie eine große Prinzessin vor.

Dabei will sie gar keine Krone tragen, bloß nicht. Nein, Genia verbringt am liebsten den ganzen Tag mit Dekorieren. Denn auch wenn der Alte Thurm für viele Menschen nur aus ein paar Steinbrocken besteht, für die kleine Elfe ist er das Allergrößte. Deswegen würde sie ihn so gerne mehr schmücken. Mit Gräsern und winzigen Zweigen hat sie schon einiges versucht. Aber die großen Blätter kann die kleine Elfe nicht heben. Geschweige denn Eicheln oder Kastanien.

Die kleine Elfe aus Syrgenstein, gemalt von Luisa Schadl, sieben Jahre alt. Sie besucht die Syrgensteiner Grundschule.

Für Genia ist eine Kastanie ja so schwer wie für dich ein echtes Auto! Stell dir das mal vor. Und am besten gefallen ihr ausgerechnet die größten Blätter, die es im Wald gibt: Ahornblätter. Aber wie soll sie so ein Blatt jemals bewegen? Und selbst wenn, denkt sich die Elfe missmutig. „Wenn alles richtig schön ist, bläst mir der Wind eh wieder alles weg.“

So sitzt sie grimmig vor ihrer winzig kleinen Wohnung auf einem winzig kleinen Stein, schlägt die Beinchen übereinander, stützt das Gesicht in ihre kleinen Händchen und grübelt. Immer wieder schaut sie sich die großen Blätter an. Manche sind schon grau und welk, andere noch leuchtend rot. Manche sind weich, andere steinhart. „Kann das denn so schwer sein“, fragt sich die kleine Elfe. Doch egal, wie sie zieht und schiebt, keines von den Blättern zuckt auch nur. „So etwas Blödes“, denkt sich Genia. Da kommt plötzlich ein Windhauch und lupft die Blätter an. Sie tanzen durch die Luft, drehen sich im Kreis und segeln dann ganz sanft wieder auf den Boden. „Das ist unfair“, ruft Genia empört, „warum hat so etwas Unsichtbares wie der Wind mehr Kraft als ich?“ Da bläst ihr der Wind ins Gesicht und sagt:

„Wuhuhu, wuhuhu,

ich bin viel stärker noch als du!

Ich zieh die Blätter von den Zweigen,

lasse sie durch die Lüfte steigen.

So wie ich will, sie gehorchen mir!

Doch ich kann noch viel mehr. Und das zeige ich dir!“

Dann plustert er seine Backen auf und weht der kleinen Elfe ihren feschen grünen Hut vom Kopf. Nun muss Genia sich erst mal bücken und ihren Hut aufheben. Den hat ihr der Wind vom Kopf geweht. Das findet sie gar nicht höflich. Sie stemmt die Ärmchen in die Hüften, spannt die Schultern an und hebt ganz leicht vom Boden ab. „Und ich kann fliegen!“, ruft sie dem Wind triumphierend entgegen.

„Ja, aber ich kann dich gleich steuern.

Werde dich mit meiner Puste befeuern!“,

antwortet der. Und mit einem Ruck pustet er die Elfe hoch über ihre Ruine und die Büsche und die Bäume hinweg hoch hinauf in den blauen Himmel. Plötzlich ist da nichts mehr um sie herum, nur noch blau.

So stellt sich der achtjährige Sebastian Greiner von der Syrgensteiner Grundschule die Elfe Genia und ihr Zuhause vor.

Das ist Genia gar nicht geheuer. „Lass mich wieder runter!“ Da lässt der Wind nach, und sie landet wieder sicher in den Resten ihres Turms. „Okay, du kannst wehen und ich kann fliegen, Friede?“, fragt die kleine Elfe schüchtern und streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht. Ihr ist ganz schlecht von dem Ausflug. Sie will jetzt nur noch ihre Ruhe haben.

„Okay, okay, ich willige ein,

bereite dir weiterhin gar keine Pein“,

sagt der Wind und wird schon merklich schwächer.

Da fällt Genia noch etwas ein: „Kannst du mir nicht ein paar Blätter dahin pusten, wo ich sie gerne hätte?“

„Nein, mein Elfchen! Und nochmals nein.

Das fällt mir im kühnsten Traume nicht ein“, \u0009

sagt der Wind, und lacht.

Würde ich all die Dinge dahin wehen,

wohin sie gern die Menschen sähen,

dann hätte ich wohl viel zu tun.

Hätt keine Zeit, mich auszuruhn.“

Und damit zieht er davon. Langsam wird es dunkel über Genias kleinem Wald bei Syrgenstein. Noch ganz erschöpft von dem gewaltigen Ausflug, lehnt sich die kleine Elfe gegen ein Buchenblatt und atmet hörbar aus. „Puh, war das aufregend.“ Sie stellt sich vor, was der Wind alles wohinwehen könnte. Das Blatt nach da, und den Ast nach dort… Und schläft dabei allmählich ein. Gute Nacht!

Weitere Märchen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren