Akademikerkreis

12.02.2013

Dienst an der Welt

Prof. Guido Fuchs

Professor Dr. Guido Fuchs sprach in Dillingen

Dillingen Für Katholiken gehört die Messe in die Mitte ihres Glaubenslebens. Von da her war es nicht verwunderlich, dass der Faustussaal beim jüngsten Akademikerkreis-Treffen voll besetzt war und gespannt den Reflexionen von Professor Dr. Guido Fuchs von der Uni Würzburg über die Liturgie 50 Jahre nach dem Konzil folgte. Das erste von der damaligen vatikanischen Bischofsversammlung verabschiedete Dokument hatte dem Thema „Liturgie“ gegolten. Es brachte gewissermaßen die Ernte der bereits Jahr-zehnte zuvor begonnenen liturgischen Bewegung ein, die den Gottesdienst aus frühchristlichen Quellen erneuern, seine Riten auf „edle Einfachheit“ zurückführen und nicht länger in einer sprachlichen Fassung „gefangen“ sehen wollte, die den meisten unzugänglich war.

Leitziel war, die Liturgie wieder durchsichtig werden zu lassen auf ihr Wesen hin und sie – mit allen Sinnen – erfahrbar zu machen als „Pascha-Mysterium“. Konkreter gesagt: Tod und Auferstehung Christi sollten nicht nur zwei herausragende Tage des Kirchenjahres bestimmen, sondern jede kirchliche Feier. Und zwar so, dass die Gläubigen hineingenommen werden in dieses Mysterium, statt es nur von außen zu betrachten: Dementsprechend konnte es nicht länger dabei bleiben, dass ein einziger, der Priester, die Messe „liest“, während die übrigen sie nur „mit Andacht hören“. Die erwünschte aktive Beteiligung aller setzt natürlich voraus, dass sie verstehen, was sie miteinander vollziehen – dazu ist der weitgehende Gebrauch der Muttersprache unumgänglich. Zugleich wurden die biblischen Lesungen großzügig vermehrt, damit das Wort Gottes als „hörbares Sakrament“ zutage tritt.

Um die ganze Gemeinde in die Liturgie einzubeziehen, belebte das Konzil die alten Dienste der Diakone, Lektoren und Kantoren wieder. Ganz selbstverständlich stehen nun auch Frauen mit im Altarraum und am Ambo, helfen bei der Kommunionausteilung mit und tragen die Fürbitten vor, die ebenso wie Gesang und instrumentales Musizieren vollwertige Elemente der Feier sind, bei denen sich alle Getauften kraft ihrem allgemeinen Priestertum einbringen können. Noch wenig bekannt geworden und verwirklicht ist die – auch im Blick auf die Ökumene bemerkenswerte – vom Konzil eröffnete Möglichkeit, in jeder Eucharistiefeier die Kommunion unter beiden Gestalten zu empfangen.

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Keine von all diesen genannten Er-/Neuerungen hat etwas weggenommen vom Kern der Liturgie; vielmehr ist die Grundgestalt der Messe unverkennbar geblieben und verständlicher geworden. Dennoch kam es auch zu Defiziten: Religiöses Brauchtum hat an Boden verloren. Ganz allgemein sind der Sinn für das Heilige und die Ehrfurcht davor geschwunden, auch das Grundwissen über den Glauben. Demzufolge wird beim Vollzug der Liturgie das „Horizontale“ stärker gewichtet, also das, was sich zwischen-/menschlich – abspielt, während die „vertikale“ Ausrichtung nach oben und der Lobpreis Gottes eher geschwächt erscheinen.

Dynamische Veränderung der inneren Einstellung

Falsch wäre es nun aber, den bedenklichen Tendenzen mit dem Versuch zu begegnen, einfach auf alte Verhältnisse und Verhaltensweisen zurückzugreifen und diese zu verfestigen. Notwendig ist vielmehr die dynamische Veränderung der inneren Einstellung. Das heißt: Aus dem Feiern heraus muss mehr und mehr ein eucharistischer Lebensstil erwachsen; Der im Gottesdienst erfahrene Segen muss als Sendung zum Dienst an der Welt aufgegriffen werden.

In diesem letzten Gedanken gipfelte der wegweisende Charakter eines reich und klar informierenden, aber auch emotional berührenden Referats, für das sich das Publikum mit sehr herzlichem Beifall bedankte.

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