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Dillingen/Donau-Ries

25.06.2019

Diese Drogen sind in Nordschwaben im Umlauf

In den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries sind alle möglichen Drogen im Umlauf, auch Kokain. Zuletzt verzeichnete die Polizei im Donau-Ries eine Zunahme an Fällen mit Rauschgift.
Bild: Christian Charisius, dpa (Symbol)

Plus Auch in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries sind zahlreiche Menschen in Kontakt mit Rauschgift. Laut Polizei passiert das allermeiste im Verborgenen. Ein Trend lässt sich erkennen.

Beim Thema Drogen ist die Region weit von Zuständen wie etwa in Berlin entfernt. Dennoch gibt es auch in Nordschwaben zahlreiche Menschen, die mehr oder weniger regelmäßig mit Rauschgift in Kontakt kommen. Zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch am Mittwoch, 26. Juni, informiert die Kriminalpolizei Dillingen, die für die beiden Landkreise Dillingen und Donau-Ries zuständig ist, über die Zahlen in der Region.

Drogen in Nordschwaben: Mehr Fälle im Donau-Ries

Im Kreis Dillingen registrierten die Ermittler im Vorjahr demnach 171 Rauschgiftdelikte, etwas weniger als noch 2017, als es 179 Fälle gab. Im Bereich Donau-Ries hatte es die Polizei im Jahr 2018 mit 379 Drogentaten zu tun. Im Vergleich zum Vorjahr (339 Fälle) eine Steigerung von 40 Fällen beziehungsweise 11,8 Prozent.

Das sind die offiziellen Zahlen der Polizei. Das, was in der Drogenszene der Region tatsächlich vor sich geht, bilden sie aber nur zum Teil ab. Dafür passiert zu viel im Verborgenen. „Wir gehen davon aus, dass die entdeckten Mengen nur etwa zehn Prozent des Marktes ausmachen“, sagt Kripo-Leiter Michael Lechner. Laut ihm sind in der Region alle möglichen Drogen im Umlauf. Cannabis, Heroin, Kokain, Amphetamine und Methamphetamine. Auffallend war zuletzt ein Anstieg der Fälle mit Amphetaminen, also etwa Speed oder Ecstasy. In beiden Landkreisen sind die Zahlen in diesem Bereich 2018 gestiegen. In Dillingen nur leicht auf 19 Verstöße, im Donau-Ries sogar um rund 60 Prozent auf 54 Fälle. Was hinter diesem Trend steckt, ist laut Lechner Spekulation.

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Die Dunkelziffer ist hoch

Zumal es sich bei einer Drogenstraftat um ein „Kontrolldelikt“ handelt. Heißt: Je mehr die Polizei sucht, desto mehr wird sie auch finden. Die Dunkelziffer ist hoch – erst recht, weil sich Konsumenten oder Händler Stoffe mittlerweile relativ leicht im Internet oder Darknet bestellen können. Auch Samen zum Selbstanbau lassen sich ohne Schwierigkeiten beschaffen. Im vergangenen Jahr hat sich die Kripo mit dem neu eingerichteten Kommissariat 11 auf die digitalen Herausforderungen eingestellt. In dieser Abteilung ermitteln Internetspezialisten im Netz. „Hier sind die Ermittlungen sehr schwierig und vor allem zeitintensiv“, erklärt Lechner. Zu schaffen machen den Ermittlern auch technische Grenzen oder fehlende Speicherfristen.

Ein großer Fund: Im vergangenen Dezember fanden die Ermittler in Rain am Lech vier Kilogramm Marihuana.
Bild: Kripo Dillingen

Die Angebote im Internet ermöglichen es vor allem auch Jugendlichen, leichter an Drogen zu kommen. Lechner betont aber: „Die Fälle bei uns gehen durch alle Schichten und viele Altersgruppen.“ Eine Pauschalisierung, auch was die Nationalität angeht, sei nicht möglich. Der 15-Jährige aus gutbürgerlichem Haus sei ebenso betroffen wie der sozial schwache Rentner. „Hinter vielen Fällen stecken Schicksale“, sagt Lechner. Es gebe die, die nur einmal an einem Joint ziehen. Aber eben auch die, die in der Suchtspirale gefangen sind. Die nach und nach die Kontrolle über ihr Leben verlieren – und bei denen der soziale Absturz vorprogrammiert ist. Wer es übertreibt, der spielt auch mit seinem Leben. In den vergangenen beiden Jahren verzeichnete die Kripo Dillingen jeweils fünf Tote, bei denen Drogen haupt- oder zumindest mitverantwortlich waren. Heuer sind es bislang drei. In einem Fall in den vergangenen Jahren starb sogar ein erst 15-Jähriger aus der Region nach Drogenkonsum.

Die meisten Verstöße im privaten Bereich

Laut Lechner finden die meisten Verstöße im privaten Bereich statt. Der Bekannte verkauft einem den gewünschten Stoff im geschützten, privaten Umfeld. „Für uns ist das schwer zu verfolgen“, sagt Lechner. Brennpunkte, wie etwa in anderen Bundesländern, gebe es in den beiden Landkreisen nicht. Ebenso wenig könne man von einer „offenen Drogenszene“ sprechen. Trotzdem reizt die Polizei alle rechtlichen Möglichkeiten aus, um Drogendelikte zu verfolgen. Was genau die Ermittler unternehmen, das will der Kripo-Chef aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Auf die Schliche kommt die Polizei den Konsumenten oft durch Kontrollen im Verkehr, wenn etwa Autofahrer durch Schlangenlinien auffallen. Manchmal kommen Drogenverstöße nur zufällig im Rahmen von anderen Delikten ans Licht.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, betreibt die Polizei Vorbeugung. Präventionsbeamte gehen etwa in 7. bis 9. Klassen und klären unter anderem über die Gefahren von Drogen auf.

Die Beratungsstelle der Kripo Dillingen bietet kostenlose Hilfe und Infos unter Telefon: 09071/65370.

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