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08.12.2019

Diese Glötterin lebt die Nächstenliebe

Mit ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art punktet Christine Schäfer nicht nur bei Regens Wagner Glött, auch die Aschberggemeinde unterstützt sie, wo sie kann.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Seit 30 Jahren arbeitet Christine Schäfer bei Regens Wagner in Glött. Mit viel Engagement sorgt sie auch für ein aktives Gemeindeleben. Dabei ist ihr keine Arbeit zu viel.

Christine Schäfer steht in ihrem Büro. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich verschiedene Süßigkeiten: Schokonikoläuse, Eiskonfekt und Marzipan stehen fein sortiert nebeneinander. In ihrer Hand hält die 61-Jährige eine bestickte Nikolaussocke, in die sie alles behutsam füllt. Für die Bewohner von Regens Wagner Glött schlüpft Schäfer seit vielen Jahren in die Rolle des Nikolaus. Mit ihrem roten Cardigan strahlt sie bei dieser Aufgabe förmlich um die Wette.

Wie Schäfer zu Regens Wagner nach Glött kam

Als sie zu ihrem Mann nach Glött zog und ihn heiratete, entdeckte die Frau mit dem sympathischen Lächeln die Einrichtung im Schloss und war begeistert. „Ich wusste sofort, dass ich hier arbeiten möchte“, erinnert sie sich. Schäfer zögerte nicht lange. Fest entschlossen machte sie sich auf den Weg zu Regens Wagner. „Zuerst hatte mich die Schwester Oberin herumgeführt und mir dann sogar einen Bewerbungsbogen mitgegeben“, erzählt sie und lächelt schüchtern. Das sei sehr untypisch gewesen. Besonders, da sie ganz ohne Termin an die Tür geklopft habe.

Zehn Jahre arbeitete die 61-Jährige anschließend in einer Wohngruppe der Einrichtung. Noch heute erinnert sie sich gerne an die damalige Zeit zurück. „Es war wirklich eine tolle Erfahrung, und die Gruppe war unglaublich gemischt“, sagt sie. Von ganz leichten Fällen bis hin zu Menschen mit Schwerstbehinderung sei alles dabei gewesen. Als sie eines Tages gefragt wurde, ob sie sich die Leitung des hauswirtschaftlichen Bereichs vorstellen könnte, zögerte Schäfer zunächst. „Ich wollte nicht von der Wohngruppe weg.“ Doch da dringend eine Schwangerschaftsvertretung gesucht wurde, übernahm sie die Aufgabe.

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Warum viel Arbeit nur Organisation erfordert

Ines Gürsch, die Regens Wagner in Glött inzwischen leitet, weiß ihre Mitarbeiterin zu schätzen. Sie lobt: „Für Frau Schäfer ist vieles einfach so selbstverständlich, dass es ihr gar nicht auffällt, wie viel sie tatsächlich macht.“ Einkaufslisten schreiben, auf ein sauberes Gebäude achten, die Wäscherei betreuen und auf die richtige Hygiene achten – all diese Aufgaben gehören zu ihrem Alltag.

Nur wenige Wochen nachdem die 61-Jährige vor knapp 20 Jahren ihre neue Arbeit in der Hauswirtschaft aufgenommen hatte, stand ihr gleich eine Prüfung bevor. Zum großen historischen Fest der Einrichtung musste sie alles organisieren. „Wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird, lernt man schnell“, sagt sie und schmunzelt. Und den persönlichen Kontakt hat Schäfer noch immer zu den Bewohnern. „Meine ehemaligen Schützlinge wissen, wo ich mich im Schloss rumtreibe, und finden mich, wenn sie wollen“, erzählt sie. So kann es schon einmal vorkommen, dass sie gerade das Lager im Keller aufräumt, wenn plötzlich ein bekanntes Gesicht hinter ihr steht und ihr zuruft. Diese persönliche Bindung wisse sie sehr zu schätzen.

Doch bei ihrer offiziellen Arbeit ist längst nicht Schluss. Seit rund 20 Jahren füttert die 61-Jährige auch die Pferde bei Regens Wagner – ehrenamtlich, versteht sich. Bis zu viermal die Woche und auch sonntags übernimmt sie diese Aufgabe. „Ich bin selbst geritten und freue mich, unsere drei Haflinger zu versorgen“, erzählt sie. Wenn sie doch einmal krank werden sollte, dann muss kurzerhand die Familie ran. „Als ich einmal Fieber hatte, habe ich einfach meine Tochter für mich geschickt“, sagt sie. Krank sei sie aber glücklicherweise nur sehr selten, ergänzt sie pflichtbewusst.

Welche Ehrenämter Schäfer ausübt

Wenn Schäfer nicht bei Regens Wagner mitarbeitet, engagiert sie sich im Pfarrgemeinderat und im Pastoralrat. Außerdem übernimmt sie regelmäßig in die Arbeiten der Mesnerin oder unterstützt als Kommunionshelferin. „Bei Gottesdiensten in der Schlosskapelle springt sie auch gerne als Ministrantin ein“, sagt Leiterin Gürsch. Auch Vereine finden bei ihr immer eine Anlaufstelle. Wer Hilfe braucht, bekommt sie auch von der 61-Jährigen. „Für Frau Schäfer ist es das Ziel, dass sich Menschen wohlfühlen – egal, ob dienstlich, persönlich oder ehrenamtlich“, betont ihre Chefin.

Nicht nur bei den Bewohnern im Schloss, sondern auch in der Gemeinde genieße sie ein großes Vertrauen. „Sie trägt wesentlich zur Inklusion bei, da sie Kontakte pflegt, Menschen zusammenbringt und sich dabei nie in den Vordergrund stellt“, sagt Gürsch. Dass so viel Engagement auch schnell zu viel werden kann, weiß Schäfer. Dafür hat sie aber einen ganz einfachen Trick: „Vorbereitung ist alles – wenn ich weiß, dass stressige Zeiten kommen, stelle ich mich drauf ein“, erklärt sie. Trotzdem hatte die Glötterin auch schon mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Nach dem zweiten Hörsturz entschied sie sich, kürzerzutreten. „Früher habe ich sogar noch im Chili ausgeholfen“, erinnert sie sich. Doch irgendwann sei ihr das einfach zu viel geworden, wenn sie am nächsten Tag wieder habe arbeiten müssen.

Noch eine Salzbrezel und eine Orange, und Schäfer legt auch den letzten fertig bepackten Nikolausstiefel sorgfältig in eine große Holzkiste auf dem Boden und lächelt zufrieden. Schon jetzt freut sie sich auf die Gesichter der Bewohner, wenn sie die kleine Überraschung entdecken.

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