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Binswangen

02.08.2020

Diese jungen Müllsammler wollen einen sauberen See

Obwohl Sebastian, Jonathan, Felicitas und Vincent (von links) schon am Tag zuvor unterwegs waren, haben sie bei ihrer Tour um den halben Baggersee viel Müll gefunden. Den haben andere einfach liegen lassen.
Bild: Brigitte Bunk

Plus Vier junge Wertinger sammeln regelmäßig Müll am Rand eines Baggersees bei Binswangen. Welche Erfahrungen sie dabei machen

Drei Jungs und ein Mädchen suchen mit ihrem Kescher oder Eimer den Rand des Schnellweihers bei Binswangen ab. Nicht nach Fröschen, wie der ein oder andere vielleicht vermutet. Werden sie gefragt, erklären Jonathan und sein Bruder Sebastian Ruß sowie Felicitas und Vincent Lang: „Wir sammeln den Müll, den die Leute einfach liegen lassen.“

Gudrun Wagner zeigt sich erstaunt, als sie die jungen Wertinger am Donnerstagabend am Rand des größeren der beiden Baggerseen sieht. Die Villenbacherin hofft: „Vielleicht hält es manche davon ab, Müll liegen zu lassen, wenn sie erfahren, dass Kinder sich Gedanken machen und ihnen hinterherräumen.“

"Mich stört es, wenn der Müll rumliegt"

Die zwölfjährige Felicitas stellt klar: „Mich stört es, wenn der Müll rumliegt.“ Jonathan, zehn Jahre alt, erzählt, wie alles angefangen hat: „Als wir mit dem Stand-up-Paddle gefahren sind, haben wir immer wieder Plastiktüten im Wasser treiben sehen und sie mitgenommen.“ Auch Flaschen entdeckten sie, und bald haben sie gezielt nach Müll gesucht, ihn mit nach Hause genommen und entsorgt. Der bald neunjährige Sebastian hat kurz nach dem Start am Freitagabend, als sie wieder unterwegs sind, schon einige Zigarettenstummel in seinem Kescher. „Wenn jemand drauftritt, sind sie vom Kies zugedeckt“, weiß er und schaut wie seine Freunde genau hin. Sie wollen nicht, dass die Kippen bei Regen ins Wasser geschwemmt werden.

Inzwischen gehen sie nur noch mit Handschuhen los. Die schützen auch, wenn sie Glasscherben zusammensammeln. An Partyorten und unter dem Bagger, der dasteht, um das Kies aus dem Wasser zu holen, finden sie immer wieder Abfall. Heute packt der zehnjährige Vincent zusätzlich zu Kippen und Bierflaschendeckeln noch Melonenschalen in seinen Kescher. Plastikverpackungen und Papierfetzen sind schon drin. Kronkorken mit den gezackten, scharfen Rändern finden sie viele. Felicitas weiß: „Wer da barfuß reintritt, kann sich schneiden.“ Sie hat auch eine fast volle Tüte Marshmallows gefunden. Sebastian entdeckt eine leere Wodkaflasche. Die Kinder spornen sich gegenseitig mit ihren Funden an, haben Spaß an ihrer gemeinsamen Tätigkeit. Doch sie ärgern sich auch. Der zehnjährige Vincent sagt: „Wir waren doch gestern erst hier und haben alles mitgenommen.“ Dann finden sie auch noch eine kaputte, blaue Luftmatratze, die mutterseelenallein am Ufer liegt. Die Runde um den See geht weiter, die Kescher und der Eimer füllen sich. Die leere Pizzaschachtel, die Vincent noch findet, passt nicht mehr rein.

Einige Badegäste fragen, ob das ein Projekt ist

Einige Badegäste fragen, ob sie das freiwillig machen oder ob das ein Projekt sei – Pfadfinder oder so. Jonathan, Sebastian, Felicitas und Vincent lachen und erklären ihre Aktion, bekommen viel Zustimmung.

Die Tour hat sich gelohnt, aber die Kinder sind entsetzt, was Leute einfach achtlos in der Natur liegen lassen.

Klaus Lang möchte nicht, dass die Kinder, weil sie den Müll mitnehmen, als etwas Besonderes herausgestellt werden. „Optimal wäre, wenn keiner den Müll liegen lässt“, sagt er. Denn eigentlich müssten die Erwachsenen und die Jugendlichen ein Vorbild sein für die Kinder. Andrea Ruß ergänzt, dass die Kinder auch in der Schule im Fach Umwelterziehung lernen, wie sie sich richtig verhalten, und hat gemerkt: „Umso schockierter sind sie dann, wenn sie sehen, dass Erwachsene ihren Müll einfach liegen lassen.“

Die Eigentümer freuen sich über den Einsatz der Kinder

Die Eigentümerfamilien des Kieswerks Schnell, denen das Gelände gehört, freuen sich über den regelmäßigen Einsatz der Kinder, der ihnen viele Sorgen abnimmt. Sie betonen aber auch, dass der Großteil der Besucher seinen Müll selbst wieder mitnimmt. Und sie hoffen wie Gudrun Wagner, dass das Verhalten der eifrigen Müllsammler diejenigen, die sich bisher keine Gedanken gemacht haben, zum Umdenken bringt. Denn auch sie möchten ja ihre Freizeit genießen – und keinen vermüllten See.

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