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Wertingen

24.07.2020

Dieser Wertinger hatte Corona - und warnt vor Panikmache

Andreas Unger aus Wertingen hatte Corona - und kritisiert den Umgang mit der Krankheit.
Bild: Elli Höchstätter

Plus Andreas Unger aus Wertingen war an Corona erkrankt. Er ist Geschäftsmann und setzt sich kritisch mit den Maßnahmen zur Epidemie auseinander. Was ihn besonders ärgert.

Andreas Unger aus Wertingen war an Corona erkrankt. Derzeit erlebt er als Geschäftsmann und Vater zweier schulpflichtiger Kinder die Folgen der Krise. Der 49-Jährige meldete sich in einem Leserbrief in unserer Zeitung zu Wort. Er setzte sich darin unter anderem kritisch mit der Medienberichterstattung und so mancher Behauptung von Politikern zu Covid-19 auseinander. Wir haben ihn gefragt, was ihn antreibt, was ihn ärgert und was er sich zukünftig wünscht.

Andreas Unger aus Wertingen kritisiert den Umgang mit Corona

Herr Unger, Sie hatten sich mit dem Corona-Virus angesteckt. Wie haben Sie die Krankheit erlebt?

Andreas Unger: Vermutlich habe ich mich beim Skifahren im Salzburger Land angesteckt. Ich hatte zwei Tage lang stärkere Grippesymptome, Husten, Schwindel, Muskelschmerzen und erhöhte Temperatur.

Dieser Wertinger hatte Corona - und warnt vor Panikmache

Haben Sie sich damals testen lassen?

Unger: Nein. Ich wusste, dass nur Personen getestet werden, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten oder in systemrelevanten Berufen arbeiten. Aber ich hatte damals in der Zeit des Lockdowns Angst. Ich habe die Bilder aus Bergamo gesehen und mich gefragt, ob ich wohl sterben werde.

Wie haben Sie dann erfahren, dass Sie wirklich an Covid-19 erkrankt waren?

Unger: Das habe ich erst vor vier Wochen bestätigt bekommen. Ich hatte beim Check-Up ein großes Blutbild und gleich noch einen Corona-Test machen lassen. Dabei zeigte sich, dass mein Antikörper-Wert für Covid-19 sehr hoch war. Auch meine Familie hat sich mittlerweile testen lassen. Es stellte sich heraus, dass sie sich nicht angesteckt hatte.

Was treibt Sie an, sich mit dem Thema Corona auseinanderzusetzen?

Unger: Ich habe nicht nur die Krankheit erlebt, sondern erlebe auch als Vater, dass meine Kinder die Schule nicht besuchen dürfen und an einigen Wochen überhaupt kein Unterricht stattfindet. Wir sind von einem normalen Schulunterricht weit entfernt.

Was schlagen Sie vor?

Unger: Meiner Meinung nach sollte man sofort zum Regelschulbetrieb zurückkehren, und zwar mit normaler Hygiene. Auch Professor Hendrik Streeck, einer von Deutschlands Chefvirologen, hält die Gefahr, sich über Kinder Covid-19 nach Hause zu holen, für gering. Mir geht es hierbei um Verhältnismäßigkeit. Es gibt meiner Meinung nach schlichtweg keinen Grund, dass Kinder nicht die Schule besuchen können.

Wie haben Sie als Geschäftsmann die vergangenen Wochen erlebt?

Unger: Ich bin geschäftsführender Gesellschafter einer Werbeagentur in Wertingen mit rund 25 Mitarbeitern. Derzeit sind wir in Kurzarbeit, da wir viel mit Einzelhändlern zusammenarbeiten, die derzeit nicht investieren. Alle haben Angst vor einem zweiten Lockdown. Doch Angst macht dumm und wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus. Das ist auch mit einer Studie belegt. Ich bin überzeugt, dass die Maske ein Symbol der Angst ist.

Ihnen geht es in der Debatte auch um den genauen Umgang mit Zahlen. Was meinen Sie damit?

Unger: Ich habe ein Problem damit, dass keine faktenorientierte Gesundheitspolitik erfolgt. Ich nenne mal ein Beispiel. Wenn man 10.000 Menschen testet, findet man 500, die erkrankt sind. Testet man 20.000 hat man vermutlich 1000 positive Ergebnisse. Das ist eine Verdopplung der Fallzahlen und das Robert-Koch-Institut spricht dann von einem exponentiellen Anstieg. Es ist doch ganz einfach. Wenn man mehr testet, findet man mehr Fälle. Schließlich werden meiner Meinung nach die Statistiken so hingedrückt, dass der Eindruck entsteht, es handelt sich um ein hochgefährliches Virus und alle Entscheidungen der Politik seien richtig gewesen. Außerdem verkaufen sich in den Medien Schlagzeilen wie „Corona wird schlimmer“ recht gut. Außerdem werden in der Krise Kanzler gemacht. Das war bei Helmut Schmidt nach der großen Sturmflut und bei Gerhard Schröder nach dem Elbe-Hochwasser der Fall. Wir sind jetzt mitten im Wahlkampf und ich stelle in meinem Bekanntenkreis fest, dass Markus Söder mit seinem Krisenmanagement bei einigen punkten kann, die zuvor sicher keine CSU-Anhänger waren.

Doch es gab beispielsweise die schlimmen Bilder mit den vielen Särgen aus Italien. Was sagen Sie dazu?

Unger: Norditalien hat in Europa die größte Luftverschmutzung und die Leute dort sind lungenmäßig vorbelastet, ebenso wie im Kessel von Madrid. Außerdem hat Italien ein schlechtes Gesundheitssystem und ein riesiges Problem mit multiresistenten Krankenhauskeimen. Im Schnitt waren die Verstorbenen in Italien 81 Jahre und hatten zwei schwere Vorerkrankungen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Unger: Wir müssen verhältnismäßig und aufmerksam mit Corona umgehen. Dafür müssen Zahlen vollständig genannt werden. Wir dürfen nicht wie Markus Söder die Angst vor einer zweiten Welle schüren. Außerdem kann ich nicht verstehen, dass die Gesundheitsämter seit 29. Juni von positiven Fällen ausgehen, auch wenn die Tests negativ sind, wie an der Wertinger Mittelschule.

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26.07.2020

Ja, mit Wut ist schwer umzugehen. Auch bei mir lief es vor der Corona-Krise hervorragend und jetzt habe ich viel Geld verloren. Auch bei mir geht es an die Existenz.
Aber auch ich habe mit Betroffenen gesprochen, die von Todesangst berichteten. Schön, dass es bei Ihnen gut lief und sie glimpflich davon kamen. Auch ich bin Fan von Prof. Streeck, der sehr unaufgeregt an die Sache herangeht. Aber auch er muss sich, wie die Politiker an das Thema herantasten und damit umgehen lernen.
Diese Verschwörungsidee, dass jetzt alles hingedreht werden muss, zeugt für mich von ihrer Hilflosigkeit. Und da geht`s Ihnen nicht anders als Politikern.
Ich hätte im Übrigen genauso gehandelt, wie die Politik. Das Risiko war zu groß. Dann hätte ich den Aufschrei nicht hören wollen, wenn es anders gelaufen wäre.
Schmerzlich werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass Leben schlagartig zuende sein können. Völlig unvermittelt. Auch wenn Sie und ich davor keine Angst haben, viele Bürger haben Angst vor dem Ende. Höchste Zeit, sich auch mit dem Thema Tod zu beschäftigen und nicht nur mit der Wirtschaft...

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