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Schwenningen

31.07.2019

Digitale Schule: wie denn?

Kinder gehen um so eigenverantwortlicher und natürlicher mit Neuen Medien um, umso besser sie den Umgang damit auch schon in der Grundschule lernen.
Bild: Andreas Lode, Symbolbild

Plus Es fehlt das schnelle Internet, es fehlt das Personal, das Konzept. Was ein Referent in Schwenningen dem Freistaat vorwirft.

Wenn man die Urlaubsfotos vom Computer daheim nicht wegschicken kann. Wenn man im Internet keinen Film ansehen kann. Wenn man vom Glasfaseranschluss träumt und stattdessen nur wenige MBit hat – das Problem beschäftigt nicht nur die Menschen in ihren vier Wänden, sondern auch die Bürgermeister und den Landrat des Landkreises. Doch was kann man tun?

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Landrat Leo Schrell appellierte während der Kreisversammlung des Bayerischen Gemeindetags in Dillingen nochmals an die Bürgermeister, sich über Mobilfunkmasten und die Förderung dafür zu informieren. Mobilfunk sei elementar wichtig – und auf den Glasfaserausbau durch die Telekom zu warten, könne dauern, betonte Schrell. „Wir müssen jetzt tätig werden.“

Viel Geld investiert, aber nichts geht

Binswangens Bürgermeister Anton Winkler beschwerte sich: „Es ist wie beim Digitalfunk bei der Feuerwehr; hat auch viel Geld gekostet und funktioniert nicht. Genauso ist es jetzt mit der Breitbandversorgung. Ich hab das halbe Dorf mit Leerrohren verlegt, es gibt zwei Anbieter, aber keiner von beiden tut etwas.“

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Schrell kennt die Probleme. Und ein staatliches Förderungsprogramm zum Breitbandausbau lasse noch auf sich warten. Anders als ein bayerisches. Der Landrat empfahl den Rathauschefs, sich über den möglichen Förderbedarf Gedanken zu machen und die Ideen griffbereit in die Schublade zu legen, damit sie schnell reagieren können, wenn das bayerische Förderprogramm abgenickt ist. Außerdem warb Leo Schrell nochmals für die Sonnenkampagne. Wie berichtet, können Bürger über das Solarkataster genau nachsehen, ob und wie sich eine Fotovoltaikanlage auf ihrem Dach rechnen würde. Das Potenzial für Sonnenenergie aus dem Landkreis gilt als hoch, nur die Einspeisung ist es noch nicht. In Gemeindeblättern und Rathausbriefen soll auf das Kataster hingewiesen werden, bat der Landrat.

Warum der Referent gegen einen Zweckverband ist

Doch den größten Raum der Veranstaltung nahm das Thema digitale Schule ein (wir berichteten). Im Nachbarlandkreis Günzburg hat sich ein Zweckverband gegründet, um den Bedarf an den Mittel- und Grundschule zu bündeln und die Ausstattung einheitlich voranzutreiben. Gerhard Dix, Leiter des Referats Bildung und Soziales beim Bayerischen Gemeindetag, warnte vor einer Zweckverbandsgründung: Wenn Kommunen Aufgaben des Freistaats übernehmen und erledigen, sei die Gefahr groß, dass sich der Staat weiter zurücklehne. Schon jetzt würden Kommunen weit mehr leisten, als sie müssten. Dem Referatsdirektor fehlt eine Strategie für die digitale Schule seitens der bayerischen Regierung für Hard- und Software, die Ausbildung von Lehrern und Schülern, samt Zeitplan, Abschätzung der Gesamtkosten, der IT-Betreuung durch den Freistaat, und pädagogischer Ziele; immer sprach der Referent die beiden anwesenden Landtagsabgeordneten Georg Winter (CSU) und Johann Häusler (Freie Wähler) direkt an.

Der Freistaat handle verantwortungslos

Dass sich der Staat aus schuladministrativen Aufgaben zurückziehe und die Gemeinde machen lasse, sei verantwortungslos. Wer helfe denn zum Beispiel, wenn vor Ort Ipad oder Smartboard ausfallen? In Wertingen wurde eine kleine Admin-Abteilung geschaffen, erklärte Bürgermeister Willy Lehmeier dazu. Die Stadt stelle Geld zur Verfügung. „Anfangs waren die Schulen euphorisch. Sie hatten Konzepte und Ideen, aber es fehlt das Breitband, es fehlt die Förderung“, sagte Lehmeier frustriert. In Buttenwiesen holt sich die Schule zur Not bei der Verwaltung oder bei Firmen Hilfe, erklärte Bürgermeister Gerhard Kaltner.

Noch etwas ärgert den Referenten: „Dass man den Eltern überlassen hat, ob Kinder, die nach dem 1. Juni geboren worden sind, eingeschult werden müssen oder nicht, damit haben Sie uns keinen Gefallen getan“, sagte er und blickte die beiden Landtagsabgeordneten an. In mehreren Gemeinden seien weit weniger Kinder eingeschult worden als zuvor und die Kindergärten hätten so kurzfristig kaum Platz für die Zurückgestellten einplanen können. Das hätte man voraussehen können. Auch der 100-Euro-Zuschuss für den Kindergartenbesuch sei ein Desaster. In kleinen Orten, wo die Maximalbetreuungsdauer nicht mehr als 100 Euro kostet, würden viele Eltern diese jetzt buchen, obwohl sie sie nicht brauchen. Und der Kindergarten müsste die Erzieher vorhalten. „Damit wurde uns ein Bärendienst erwiesen“, beschwerte sich der Referent.

Und es drohen weitere Probleme: Dix erinnerte an den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der im Koalitionsvertrag steht. „Wenn das kommt, wird die Nachfrage nach mehr Betreuung rapide ansteigen. Wie sollen kleine Gemeinden dem gerecht werden?“ Er warnte davor, dass Kinder nach dem Unterricht in andere Schulen gefahren werden müssten und die kleinen Schulen noch mehr an Bedeutung verlieren könnten. Und überhaupt, die Mittagsbetreuung: Reiche Kommunen könnten sich dafür Fachpersonal leisten, arme beschäftigen Rentner auf 400-Euro-Basis. Das sei nicht gerecht.

Einer verteidigt den Kultusminister

Irgendwann sah sich Häusler genötigt, seinen Fraktionskollegen und bayerischen Kultusminister Michael Piazolo zu verteidigen: „Er ist erst seit November im Amt. Und die Pläne für die digitale Schule reichen viel weiter zurück. Es geht auch nicht alles von heute auf morgen.“ Dix bat darum, schnell ein neues Programm für den verlässlichen Ausbau von Kitas aufzulegen. „Das bestehende Programm wird weitergeführt und erhöht“, sagte Winter dazu.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Reinhold Schilling als gastgebender Bürgermeister Schwenningen und Gremheim vorgestellt. Aktuelle Themen seiner Gemeinde mit insgesamt rund 1500 Einwohnern seien die drohenden Flutpolder und der fehlende B-16-Ausbau.

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