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Dillingen
02.09.2021

Zwei Dillinger Erstaufführungen beim Orgelsommer in der Basilika

Christian von Blohn faszinierte an der Sandtner-Orgel in der Dillinger Basilika.
Foto: Gernot Walter

Der saarländische Organist Christian von Blohn gab sein Debüt in der Basilika mit zwei Dillinger Erstaufführungen.

In der elften samstäglichen Matinee debütierte in der Basilika der Orgelvirtuose Christian von Blohn aus dem saarländischen St. Ingbert. Er hatte zwei Dillinger Erstaufführungen im Programm. Dabei fanden vor allem die „Sternenklänge“ und das „Te Deum“ besondere Beachtung.

Aber auch die „Fantasia chromatica“ verdiente Aufmerksamkeit, die von Blohn aus Anlass des 400. Todesjahres von Jan Pieterszoon Sweelinck vorstellte. In dem Stück gibt es eine Paraphrase aus vier Tönen in absteigender Folge, die sich chromatisch stetig verändert. Die Variationen quer durch alle Stimmlagen reichern sich durch elegante Läufe an, wobei sich die Melodiestimme wiederholend fort bewegt. Das betrifft selbst das Pedal.

Die Interpretation wurde zu einem munteren, verspielten Erforschen der musikalischen Zusammenhänge, die der Organist großartig entwickelte. Beim monumentalen Werk J. S. Bachs machte von Blohn den Concerto-grosso-Aufbau im Präludium e-Moll schlüssig nachvollziehbar, weil er die Themen und die damit zusammenhängenden Modulationen klar und mit starker Pedalpräsenz strukturierte. Gleiches galt für die Fuge mit den progressiven Intervallen. Die formale Geschlossenheit konnte der Organist höchst virtuos nachzeichnen.

Den Komponisten der "Sternenklänge" kannte der Organist persönlich

Gespannt wartete das Publikum auf die „Sternenklänge“ von Theo Brandmüller, einer Beschreibung der unendlichen Weite des Weltraums. Auf der grafischen Partitur entnahm der Organist Angaben zur Ausführung, die er authentisch nach dem Willen des Komponisten vollzog, den von Blohn persönlich kannte. Mit dem Schwellwerk entfachte der Organist einen schummrigen galaktischen Nebel, aus dem die Sterne auftauchten. Extreme Klangformationen bestimmten ein silbriges Szenario, ehe erneut dominante Tonfigurationen erschienen. Dumpfes Grollen und ein Pianissimo-Einsatz signalisierten eine verlöschende Sternschnuppe. Gebannte Stille nach diesem Ausflug in ein Universum, das der Organist exemplarisch improvisatorisch gestaltete, von seiner ehemaligen Schülerin Katharina Brandel unterstützt, die registrierend assistierte.

Die Choralvorspiele „Herzlich tut mich verlangen“ und „O Welt, ich muss dich lassen“ hat Johannes Brahms als private Reminiszenz geschaffen. Der Organist legte sie als romantisch verklärte Stücke dar, die mögliche Glückseligkeit und Transparenz im Jenseits erahnen ließen.

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Der Saarländer verdient allerhöchste Anerkennung

Ein sensationelles Aufbäumen prägte das „Te Deum“ des 66-jährigen Komponisten Naji Hakim. 1997 entstand dieses Werk. Die Zusammenhänge sind für den Ersthörenden schwer nachzuvollziehen, gleicht doch die Darstellung eher einem „Krieg der Sterne“, wie eine Besucherin meinte. Dies ist aber sicher nicht zu assoziieren, vielmehr die Allmacht des Weltenschöpfers, dem Reverenz zu erweisen ist.

Die geballte Tutti-Kraft im dreifachen Fortissimo wird in einem kurzen Mittelteil zu einem besinnlichen Nachdenken zurückgenommen, ehe wieder die unfassbare Himmelsfreude um sich greift. Was von Blohn leistete, verdiente allerhöchste Hochachtung. Zurecht wurden seine Interpretationen mit großem Applaus bedacht, die er mit einer Bach-Zugabe belohnte.

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