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Dillingen

16.09.2019

Dillingens Polizeichef Johannes Prommer will nun mal chillen

Polizeioberrat Johannes Prommer tritt am 1. Oktober in den Ruhestand. Der 61-jährige Oberndorfer hat elfeinhalb Jahre die Polizeiinspektion Dillingen geleitet. Unserer Redaktion verriet er, was er künftig vorhat.
Bild: Berthold Veh

Elfeinhalb Jahre lang war Johannes Prommer Dillingens Polizeichef, nun geht er in den Ruhestand. Er spricht über seinen größten Einsatz und die Änderungen im Polizeialltag.

Polizeioberrat Johannes Prommer tritt am 1. Oktober in den Ruhestand. Der 61-jährige Oberndorfer hat elfeinhalb Jahre die Polizeiinspektion Dillingen geleitet. Unserer Zeitung verriet er, was er künftig vorhat.

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Mehr als elf Jahre lang haben Sie die Polizeiinspektion Dillingen geleitet. Nun beginnt für Sie am 1. Oktober der Ruhestand. Wir steht es um Ihre Gefühlslage?

Johannes Prommer: Es waren tolle elf Jahre. Und deshalb fällt es mir auch schwer, meine Mitarbeiter zu verlassen. Aber ich bin auch froh, dass ich die Verantwortung abgeben kann. Es hat in den vergangenen elfeinhalb Jahren wenig Nächte gegeben, in denen ich völlig entspannt war. Irgendwie ist man mit den Gedanken doch immer im Dienst. Es wird mir nichts ausmachen, wenn das Handy nicht mehr neben dem Bett liegt.

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Wieviele Mitarbeiter sind bei der Polizeiinspektion Dillingen beschäftigt?

Prommer: Wir betreuen mit der Polizeistation Wertingen den gesamten Landkreis Dillingen. Im Ganzen sind wir 120 Mitarbeiter. Und das sind 120 Einzelpersonen mit ihren Freuden, Sorgen und Nöten. Es ist keine Floskel, meine Mitarbeiter waren mir immer besonders wichtig. Und die Türen in meinem Büro waren, abgesehen von Personalgesprächen, immer offen.

Sie sind seit 42 Jahren bei der Polizei und haben es bis zum Polizeioberrat gebracht. Warum haben Sie ausgerechnet diesen Beruf gewählt?

Prommer: Schuld daran ist der größte Irrtum meines Lebens. Ich hatte die Fachoberschule besucht und wollte einfach nicht mehr lernen. Und da dachte ich, ich gehe zur Polizei. Am Ende stellte sich heraus: Ich musste bei der Polizei so viel lernen wie nie zuvor. Nach zwei Jahren wechselte ich vom Mittleren in den Gehobenen Dienst. Während meiner Laufbahn war ich dann auch noch sechs Jahre Fachlehrer bei der Polizei. Das Lernen, das ich hatte vermeiden wollen, stand immer im Mittelpunkt.

Die Veränderungen waren wohl auch bei der Polizei gravierend?

Prommer: Ja, die technischen Veränderungen waren unglaublich groß. Und die Herausforderungen nahmen ständig zu. An den Hauptaufgaben hat sich allerdings wenig geändert – das sind die Aufklärung von Straftaten und das Aufnehmen von Verkehrsunfällen. Was die Aufklärungsquote betrifft, bin ich stolz auf unsere Polizeiinspektion Dillingen. Sie liegt bei 70 Prozent.

Wir leben hier also sicherer als in Berlin?

Prommer: Wir vergleichen uns doch nicht mit Berlin. Bayern ist bei der Aufklärungsquote von Straftaten bundesweit vorne. Und innerhalb des Freistaats ist Schwaben an der Spitze. Und der Landkreis Dillingen liegt wiederum in Schwaben bei der Aufklärungsquote vorne. Die Bewohner leben hier in einem sehr sicheren Landkreis. Und ich meine auch, dass die Menschen hier mit ihrer Polizeiinspektion zufrieden sind.

Woran machen Sie dies fest?

Prommer: Wir werden bei vielen Fällen um Rat gefragt, für die wir gar nicht zuständig sind. Das werte ich als Akt des Vertrauens. Die Polizei hier wird von vielen Menschen als Freund und Helfer empfunden.

Samstalk mit Johannes Prommer

Johannes Prommer ist der Dillinger Polizeichef. Aber nicht mehr lange. Er geht in den Ruhestand. Was er im Landkreis alles erlebt hat, erzählt er in unserem Video und im großen Interview mit unserer Zeitung. Den Artikel könnt ihr in der Wochenendausgabe lesen oder online unter www.donau-zeitung.de/dillingen

Gepostet von Donau Zeitung am Donnerstag, 19. September 2019


Geht der Respekt gegenüber der Polizei auch bei uns in der Region immer mehr verloren?

Prommer: Das Gros der Bürger hat Respekt vor den Beamten. Es vergeht aber kaum eine Nachtschicht, in der Beamte der Polizeiinspektion Dillingen nicht beleidigt, angegriffen oder gar verletzt werden. Die Attacken sind heftiger geworden, immer wieder ist auch mal ein Messer im Spiel. Bei Schlägereien ist zu beobachten, dass am Boden liegende Opfer getreten werden. Auch früher gab es Schlägereien im Wirtshaus. Wenn aber der Widersacher am Boden lag, war Schluss.

Was war Ihr spektakulärster Fall in Ihrer Zeit als Dillinger Inspektionschef?

Prommer: Als Inspektionsleiter hat man vorrangig nicht mit Fällen zu tun, eher mit Einsätzen. Einer davon ging über fast eine Woche. Da haben wir eine junge Frau gesucht, die vermisst wurde. Wir haben Seen und Grundstücke abgesucht. Ein Gewässer haben wir mit dem THW eisfrei gemacht. Es war berührend, wie dankbar die Angehörigen waren, dass wir die Suche nicht aufgegeben haben. Und wir haben alle gehofft, dass wir die Frau lebend finden. Zu einem glücklichen Ende ist es leider nicht gekommen.

Nehmen Sie belastende Erfahrungen mit in den Ruhestand?

Prommer: Nein, ich trage zum Glück nichts Belastendes mit mir herum. Ich bin mit meinem Leben als Polizeibeamter zufrieden.

Als Sie Polizeichef in Dillingen wurden, gab es in der Kreisstadt noch eine Polizeidirektion.

Prommer: Das stimmt. Etwa vier Wochen nach meinem Beginn wurde die Polizeidirektion am 1. Juni 2008 aufgelöst. Aber die Polizei ist heute in Dillingen gut aufgestellt. Damals waren in den Dienstgruppen viele Beamte im Einsatz, die den 50er bereits hinter sich hatten. Es ist aber sehr schwierig, diesen Rund-um-die-Uhr-Dienst in diesem Alter auszuhalten. Die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt mit dem Alter. Ich bin jetzt 61 und merke dies ebenfalls. Inzwischen sind die Kollegen in den Dienstgruppen deutlich jünger. Und auch die alte, barocke Kaserne, in der die Inspektion untergebracht ist, wurde in den vergangenen Jahren energetisch saniert und behindertengerecht umgebaut. Der Landtagsabgeordnete Georg Winter hat uns da immer unterstützt – und später auch die Abgeordneten Georg Barfuß und Johann Häusler.

Mal ehrlich, wird Ihnen im Ruhestand zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fallen?

Prommer: Nein, ich werde die To-do-Listen meiner Frau sortieren und mich um den Garten in unserem Zuhause in Oberndorf (Landkreis Donau-Ries, Anm. d. Red.) kümmern. Aber im Ernst, vermutlich wird das für uns beide eine ganz schöne Umstellung werden. Ich will meine Hobbys wieder ausgraben, denn ich bin ein leidenschaftlicher Musiker, hatte dafür aber keine Zeit mehr. Ich habe Trompete gelernt, schon mit 13 bei der MBB-Werkskapelle in Donauwörth gespielt, bin ein passabler Sänger, kann Gitarre spielen und war jahrzehntelang als Tanzmusiker mit dem Discoteam unterwegs. Außerdem besorge ich mir eine Jahreskarte beim Fischereiverein in Bäumenheim.

Werden Sie Ihrer Disziplin treu bleiben oder den Tag entspannter auf sich zukommen lassen?

Prommer: Ich bin bisher kurz vor 6 Uhr aufgestanden, aber ab Oktober werde ich morgens länger liegen bleiben. Am Anfang will ich ein bisschen gammeln – oder chillen, wie es jüngere Menschen nennen. Und ja, ich bin mit meiner Frau für mein Leben gerne am Gardasee, da kenne ich inzwischen mehrere Einheimische.

Vor knapp zwei Jahren haben wir verschiedene Bereiche der Dillinger Polizei vorgestellt:

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