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Konzert

22.02.2018

Dornröschen erwacht im Höchstädter Schloss

Die preisgekrönte junge Solistin Nathalie Schmalhofer zusammen mit ihrem Vater Ludwig Schmalhofer, dem musikalischen Leiter und Dirigenten des großen sinfonischen Kammerorchester Bobingen, nach dem grandiosen Auftritt freudestrahlend inmitten des Orchesters im Rittersaal des Höchstädter Schlosses.
Bild: Elmar Greck

Kammerorchester Bobingen holt den Winter in den Rittersaal

Ein besonders geschicktes Händchen muss wohl die Vorsitzende und Organisatorin des Kammerorchesters Bobingen Mathilde Wehrle gehabt haben, als sie die Konzertreihe „Alte Meister“ der Romantik im Schloss Höchstädt geplant hatte. Das Bühnenbild und das märchenhafte Ballett hat es den Besuchern bei der Anfahrt einfach daher geschneit.

Die passende Musik dazu liefert in großer sinfonischer Besetzung das Kammerorchester Bobingen. Es verfügt über Streicher, Bläser in mehrfacher Besetzung, dazu Pauken und eine Harfe. Die Musiker sind meist ambitionierte, konzertreife Laien. Der kompetente, versierte musikalische Leiter des Orchesters ist Ludwig Schmalhofer, Mitglied der Augsburger Philharmoniker und Dozent für Viola am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg.

Besser, trefflicher, romantischer kann das dargebotene Programm nicht zusammenpassen. Für die gezuckerte Winterstimmung ist immer noch weit und breit kaum ein anderer Komponist beliebter und geeigneter als Peter Tschaikowsky (1840-1893). Für seine mythisch märchenhaften Ballettstücke „Dornröschen“, „Schwanensee“ sowie die „Nussknacker“. Der Erfolg und die Anerkennung durch das Publikum und die breite Öffentlichkeit stellten sich jedoch leider erst 60 Jahre nach seinem ominösen Tod ein. Die rasche Folge der kurzen, markanten Stücke lässt keine Langeweile aufkommen, sondern sorgt für ständige Überraschungen und macht neugierig für den musikalischen programmatischen Ablauf.

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Das große Orchester verfügt nicht nur über eine grandiose Ausdrucksstärke im Rittersaal, sondern ist auch in der Lage, verschiedene Klangbilder im satten Ton mit Konturen zu zeichnen. Besonders aufgefallen ist das beim Walzer in „Dornröschen“ und im Ballettklassiker der „Nussknacker“ im „Danse Arabe“ sowie „Dance Chinoise“. Da tanzen nachvollziehbar Araber und Chinesen in unserer Fantasie. In Smetanas „Moldau“ gelingt es dem Orchester, eine kontinuierliche Bildfolge der Moldau von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe darzustellen. Zarte, fast schon sphärische anmutende, Flötenklänge symbolisieren die kleinen kalten und warmen Quellen. Wellenförmige Sequenzen deuten auf das Anschwellen des Stromes. Bilder einer intakten erlebbaren Flusslandschaft mit Flussdynamik reihen sich aneinander. Den Blechbläsern ist es dabei überzeugend gelungen, die furchteinflößende, tosende, ungebändigte Wasserkraft der Strudeln und Stromschnellen nicht nur zu Gehör zu bringen, sondern auch schaurig durchdringend zu warnen: bleib da weg!

Die erst 20-jährige Meisterschülerin Natalie Schmalhofer taucht erst bei dem Stück „Aus der Heimat“ von Smetana auf. Das Werk ist ursprünglich nur für Violine und Klavier geschrieben, wurde aber extra für Natalie und das Bobinger Orchester von Frank Lippe bearbeitet. Den grandiosen Solopart aber übernimmt sie erst am Schlussteil des Konzerts im Virtuosenstück „Tzigane“ von Maurice Ravel. Für die auskomponierte Komposition, die durch die Bekanntschaft mit der improvisierenden ungarisch-englischen Geigerin Jelli d´Aranyi entstanden ist und somit sehr schwer zu interpretieren ist, verwendet Nathalie zur Zeit eine Geige aus Mailand, gebaut um 1699, mit den heute üblichen Nylonsaiten.

Das Werk ist gespickt mit allerhand technischen Finessen wie Trillern, Arpeggien, Doppelgriffen, Staccato-Läufen und allen anderen möglichen artistischen Kunstgriffen.

Das Bravourstück stellt höchste Anforderungen an den Geiger. Das Publikum staunt über die bereits treffsicher erlernten Fingerfertigkeiten und Anschlagsarten, die die junge Solistin zu Gehör bringt und spendet freudig, stehend anhaltenden, lautstarken Beifall.

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