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19.07.2018

Du sollst nicht stehlen

Schwester Irma und ihre Mitschwestern beten den ganzen Tag in der Klosterkirche in Dillingen. Früher wurde auch nachts gebetet.
Bild: Silva Metschl

Immer wieder werden Opferstöcke im Landkreis aufgebrochen. In einer Kirche kann das nicht passieren.

In der Klosterkirche Dillingen erwarten den Besucher nicht Ruhe, Gebet und die ständig ausgestellte Monstranz. In einer der Kirchenbänke sind immer ein paar Klosterschwestern anzutreffen. Neben den normalen Tagesgebeten morgens, mittags und abends gibt es dort noch die Tradition der Anbetung über Tag. „Diese Art des Betens kommt vom Ewigen Gebet, als auch nachts Schwestern aufstanden und hierher kamen“, sagt Schwester Irma Staudinger. Heute ist das nicht mehr möglich. Doch unter Tag wechseln die Franziskanerinnen sich in Dreier- und Zweiergruppen stündlich ab. „Dann betet jede still, manche haben auch ein Lieblingsgebet wie den Rosenkranz.“

Doch die Schwestern leben damit nicht nur ihren Glauben aus. Nebenbei beugt die ständige Präsenz Diebstählen aus den Opferstöcken vor. Diese stehen meist bei Kerzen oder bei den Postkarten.

Wie berichtet (Opfergelddiebe auf Tour), hat die Wertinger Polizei am Montag drei mutmaßliche Opfergelddiebe erwischt. Das Trio hatte die Binswanger Kapelle besucht und sich verdächtig verhalten. Die Polizei geht davon aus, dass die drei auch die Opferstöcke in der Schretzheimer Maria-Rosenkranzkönigin-Kirche und der Höchstädter Friedhofskirche geplündert haben. Höchstädts Zweiter Bürgermeister und Mesner Stephan Karg sagt: „Regelmäßiges Ausleeren ist die beste Absicherung.“ Jetzt leert Stephan Karg die Opferkästen jeden zweiten Tag. Zudem seien diese eingemauert, weshalb sehr schweres Werkzeug nötig sei, um sie aufzubrechen.

Du sollst nicht stehlen

In der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Obermedlingen wurde im vergangenen März ein Einbruch versucht. Damals kann ein aufmerksamer Passant einen erfolgreichen Abschluss verhindern. Der Täter fällt dem Passanten beim Betreten der Kirche auf. Als er daraufhin selbst in das Gebäude hineingeht, wird der vermutliche Einbrecher nervös. Während der anschließenden Verfolgungsjagd informiert der aufmerksame Bürger die Polizei. Diese fasst den Verdächtigen und verhört den Mann aus dem Landkreis Augsburg. „Seitdem wird der Opferstock von uns wöchentlich geleert“, erklärt Kirchenpfleger Joachim Drost die Reaktion der Gemeinde. Bereits einige Zeit vorher wurde dort ein Einbruch versucht, die Spuren sind am Opferstock sichtbar. Dabei befindet sich in ihnen je nach Jahreszeit und Gottesdienstanzahl nur etwa 25 Euro bei den Kerzen und bei den Postkarten zehn bis 15 Euro.

Der Opferstock in der evangelischen Kirche in Haunsheim sei schmiedeeisern und damit so schwer, der kommt nicht weg, ist sich Pfarrer Axel Schmidt sicher. Die Beträge darin seien gleichbleibend niedrig. Für Spenden, die für die Kirche gedacht sind, gibt es ein extra Kästchen. Wofür die Kollekte im Gottesdienst gedacht ist, wird währenddessen mitgeteilt. Die Opferstöcke seien zusätzlich und selten besonders gut gefüllt.

Eine kuriose Geschichte zu dem Thema Opferstock kennt Manuel Kleiner, der evangelische Stadtpfarrer in Dillingen. Von den beiden identischen Opferstöcken in der Katharinenkirche war 1999 einer aufgebrochen und mitgenommen worden. „Drin waren vier Mark, der Schaden lag bei 1300 Mark“, erzählt der Pfarrer. Eine ortsansässige Firma hatte dann einen neuen Opferstock nach dem Vorbild des anderen gefertigt. Drei Jahre später wurde die Kirche saniert und rausgefegt. „Vier Jahre später lag der Opferstock verschämt unter einer Bank. Vermutlich hatten die Diebe irgendwann ein schlechtes Gewissen.“ Kleiner hat ihn aufgehoben. Die Katharinenkirche bleibe trotz des Diebstahles auf. Von Dieben lasse man sich nichts vorschreiben.

Die Lourdesgrotte in Wertingen ist dagegen bisher von Diebstählen verschont geblieben. Dafür gibt es dort ein anderes Problem: „In der Lourdeskapelle gibt es Kerzen zu kaufen. Mit dem Wachs verkleben Jugendliche die Schlitze des Opferstocks“, sagt Kirchenpfleger Michael Wieland. Ansonsten sei der Opferbehälter selbst eingemauert. In der Stadtpfarrkirche sichern zwei Stahlbänder den Opferstock.

Dillingens Stadtpfarrer Wolfgang Schneck glaubt, dass es eh bald keine Opferstöcke mehr gibt. „Heute spenden die Menschen per Überweisung und machen das online.“ Das Geld in den klassischen Opferstock für die Armen oder für den heiligen Antonius zu werfen, damit die verlorene Armbanduhr wieder auftaucht, diese Zeiten sind laut Schneck vorbei. Nur bei Kerzen sei das etwas anderes. Und das Informationsblatt über die Studienkirche könne über eine Kasse am Bücherstand bezahlt werden. Es habe noch nie Ärger gegeben. „Es ist schön, wenn die Kirche offen ist. Manche suchen dort Ruhe, wenn sie sich geärgert haben, oder einen anstrengenden Tag hatten.“ Der größte Schaden sei nicht der Inhalt, sondern am Opferstock oder wenn sonst noch etwas beschädigt wird – und vor allem der immaterielle Schaden. „Wenn so etwas passiert, entsteht ein Misstrauen, überhaupt noch etwas hineinzuwerfen.“ Die Lösung in der Dillinger Klosterkirche sei die beste.

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