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17.06.2009

Eigene Alkoholerlebnisse aus anderer Perspektive sehen

Dillingen (saly-) - "Was machst du hier? Verpiss dich." Nicht immer wurde Jugendpfleger Matthias Grätsch herzlich in Empfang genommen, als er zum ersten Mal bei den Treffpunkten von Jugendlichen vorbeischaute. Seit über vier Jahren betreibt der 32-Jährige aufsuchende Jugendarbeit. Zwei oder drei Mal in der Woche ist der Leiter des Fachbereichs Jugendarbeit bei der Jugendhilfe Seitz in Dillingen und Umgebung draußen unterwegs, besucht die Grüppchen junger Leute: "Was brennt euch unter den Nägeln? Gibt's Stress?" Das Eis sei meist schnell gebrochen und man treffe bei den meisten Jugendlichen schnell auf große Offenheit.

Einladung ins Jugendcafé

Als Jugendpfleger kümmert er sich um die jungen Leute in der Stadt, bespricht mit ihnen ihre Probleme, bietet ihnen Aktivitäten an und lädt sie ins Jugendcafé ein.

Nach wenigen Treffen mit Grätsch sprechen einige Mädchen und Buben auch schwierige Themen an: Sie erzählen zum Beispiel von der Schwester, die zur Polizei muss. Der Pädagoge versucht dann zu helfen. Er macht sich schlau und kommt bald wieder vorbei, um den ihnen Tipps zu geben.

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Auf seinen Touren begegnet er manchmal angetrunkenen Jugendlichen. Einmal wankte ein junger Mann auf ihn zu und lallte unverständlich auf ihn ein: "Aber Besoffene kann man nie erreichen. Ich versuche mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wenn sie nüchtern sind."

Schnaps sei für viele das Non-Plus-Ultra

Er weiß, dass Alkohol unter der jungen Generation schon immer ein Thema ist. Die Ursachen, warum manche Jugendliche öfter mal zu tief ins Glas schauen, seien vielfältig: So sei für Einige heute Schnaps das Non-Plus-Ultra, während man vor 15 Jahren noch eher Bier trank. Zudem werde Alkohol immer mehr zum Rauschmittel und weniger aus Genuss konsumiert.

Es kommt vor, dass jemand mit einem Vollrausch angibt und sich als Held stilisiert. Er versuche dann, dessen Horizont bezüglich des Alkohols zu erweitern: Du bist fast bewusstlos in deiner eigenen Kotze auf dem Bahnhofsplatz gelegen. So kann der vermeintliche Held seine Alkoholerlebnisse mit anderen Augen betrachten.

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