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Lauingen/Shenzen

07.12.2017

Ein Lauinger Schulleiter und eine chinesische Mauer

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Schulleiter Gottfried Göppel zog in Shenzen eine „chinesische Mauer“ hoch. Während eines Spazierganges in der Metropole hatten ihn Kollegen der chinesischen Partnerschule der Lauinger Berufschule spontan gefragt, ob er das nicht kann. Und wie! – bewies der Schulleiter sofort und griff zu Kelle.
Bild: Jennifer Stoy

Die Berufsschule unterstützt die Ausbildung im chinesischen Shenzhen. Dabei packten die Lauinger richtig mit an, auch sehr spontan.

Ein kurzer Erholungsspaziergang während der Mittagspause: Der Blick schweift über die neu gebauten Einfamilienhäuser der 16 Millionen-Einwohner-Stadt Shenzhen im Süden Chinas. Plötzlich laufen die chinesischen Lehrkräfte zu der etwas versetzt spazieren gehenden Lauinger Delegation. Die Gastgeber zeigen dem Schulleiter der Staatlichen Berufsschule Lauingen eine Mauer, die vor einem Haus hochgezogen wird. „Das Maurerhandwerk haben Sie doch gelernt, oder?“, übersetzt die Dolmetscherin dem Schulleiter. Prompt greift Gottfried Göppel zu Kelle und Mörtel und eilt dem chinesischen Maurer-Kollegen zu Hilfe. Er zeigt, wie in Deutschland das Nass-in-Nass-Verfahren beim Sichtmauerwerk nach den allgemein anerkannten Regeln der Baukunst ausgeführt wird. „Das ist ein Mann des dualen beruflichen Bildungssystems in Bayern: Maurer und Schulleiter“, loben die chinesischen Lehrer. Sie ergänzen: „Das ist unvorstellbar für chinesische Verhältnisse, da bei uns die akademische Bildung als Non-plus-Ultra-Weg zählt.“

Metaphorisch Mauern eingerissen hat das China-Team der Staatlichen Berufsschule Lauingen kürzlich während seines Besuchs an der Partnerschule in China, der Shenzhen No. 1 Vocational School of Technology. Die Lauinger informierten viele chinesische Lehrkräfte und Schüler über das berufliche Bildungssystem. Schulleiter Gottfried Göppel erläuterte Aufbau, Ziele und Vorteile des Dualen Berufsausbildungssystems in Deutschland. Es gab Vorträge zum Bayerischen Schulsystem und der Organisation der Staatlichen Berufsschule Lauingen. Außerdem fanden zahlreiche Dialoge zwischen den Berufsschülern und Schulleiter Gottfried Göppel zur Motivation der Jugendlichen für das Duale System statt.

In Gesprächsrunden wurden viele Fragen zur Beruflichen Bildung, vor allem zu Berufsqualifizierung und Berufschancen in Deutschland beantwortet. Weil die Shenzhener Schule den Zweig Technology bedient, informierte der Fachbetreuer für Elektrotechnik der Lauinger Berufsschule, Heinrich Thiel, über den gesamten Fachbereich. Dabei ging er sowohl auf die Organisationsstruktur der Abteilung mit Schwerpunkt Mechatronik und Informationstechnik als auch auf den Aufbau der Berufsfachschule für technische Assistenten für Informatik ein. Ein weiterer Schwerpunkt war die Information der Shenzhener Lehrkräfte über modernen Unterricht im Dualen System. In einem Workshop erarbeitete sich das Lehrpersonal moderne Methoden. Des Weiteren hospitierte die Lauinger Delegation eine Unterrichtsstunde und analysierte diese anhand anerkannter Kriterien für guten Unterricht aus der Lehrer- und Schulleiterperspektive. Auch ein Ausbildungsbetrieb wurde besucht. Dort ging es um Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Der Regierungsvertreter Jianling Xu lobte die außerordentlich positive Leistung der stattgefundenen Unterstützungsmaßnahmen durch die Berufsschule Lauingen. Damit sei ein wichtiger Beitrag zur globalen Zusammenarbeit geleistet wurde. Er möchte die Kooperation mit der Staatlichen Berufsschule Lauingen weiter ausbauen. Göppel wurde über die geplante Außenstelle der chinesischen Schule informiert. Neben der Erfüllung des bestehenden Vertrages, bat er Göppel um Unterstützung im Fachbereich Umwelttechnik. Dieser soll mithilfe der Lauinger Berufsschule soll Schwerpunkt der neuen Zweigstelle in Shenzhen werden.

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Für die weitere Zusammenarbeit formulierte der neue Schulleiter der Shenzhener Schule, Jian Xing Huang, folgenden Wunsch: Es soll ein Austausch auf allen Ebenen der Beruflichen Bildung stattfinden. Dies umfasst sowohl den Einsatz der Berufsschule Lauingen bei der Einführung beziehungsweise Stärkung des Chinesischen Dualen Systems, ein Angleichen und Abstimmen der Lernfelder in den Fachbereichen Elektro/IT/Mechatronik als auch die Einführung der Schule in das bayerische Qualitätsmanagement. Außerdem soll es einen Lehreraustausch geben.

Diesen Wunsch hat die Lauinger Berufsschule diesen Wunsch bereits erfüllt: Zurzeit besuchen sieben chinesische Lehrkräfte unter anderem aus unserer Partnerschule in Shenzhen im Rahmen eines fünfwöchigen Modells („Chinesische Lehrer in Bayern“ – eine Kooperation der BS Nördlingen, BS Lauingen unter Federführung der BS Kempten I und BS Memmingen) die Staatliche Berufsschule Lauingen.

Demnächst ist zusätzlich der Besuch zweier Lehrer aus der Partnerschule geplant. Ziel dieses Aufenthaltes ist es, den Gästen einen umfassenden Einblick in das duale berufliche Bildungssystem und moderne Unterrichtsformen sowie den Schulalltag an einer Bayerischen Berufsschule zu ermöglichen.

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