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Porträt

28.07.2018

Ein Leben für die Verwaltungsgemeinschaft

Wilhelm Reicherzer ist gebürtiger Tapfheimer. Seit mehr als 30 Jahren wohnt er mit seiner Familie in Holzheim, seit Beginn der VG Holzheim war er ihr Geschäftsstellenleiter.
Bild: Jonas Voss

Wilhelm Reicherzer war seit Beginn der VG Holzheim vor 40 Jahren ihr Geschäftsstellenleiter. Jetzt muss Schluss sein.

An einem Mittwochvormittag den Sommer unter einem schattigen Pavillon genießen, umschwirrt von allerlei Insekten, und den Blick auf Hecken, Bäumchen oder das Gartenbeet schweifen lassen zu können – das ist etwas, an das sich Wilhelm Reicherzer noch gewöhnen muss. Schließlich wird er am 1. September die 46 Dienstjahre „vollmachen“, wie er sagt. Allerdings nur noch auf dem Papier – am Montagabend wird sein Nachfolger Rainer Brenner offiziell als Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Holzheim eingeführt. Bei der Suche nach seinen Nachfolger war Reicherzer bis zum Schluss involviert. Zwar führte der 62-Jährige Bewerbungsgespräche, doch seine Aufgabe sah er bis zuletzt darin, „beratend an der Seite der Politiker“ zu wirken. So verstand er seine Position innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft – als Berater und Dienstleister für Bürger und Politiker. „Das hierarchische liegt mir fern“, sagt Reicherzer.

Doch gesundheitliche Rückschläge im vergangenen Jahr zwangen ihn zum Nachdenken. Nun befindet er sich im Urlaub, ehe er in die Freistellungsphase vor der Pension gelangt. Wenn er so in seinem Garten sitzt und ausgiebig die Donau-Zeitung liest, oder sich mit Arbeiten rund um das Haus beschäftigt, weiß er, das war die richtige Entscheidung. Den Termindruck, den vielen Stress in den vergangenen Jahren – all das vermisst er nicht. „Ich bin immer ein sehr detailversessener Mensch gewesen und daher eher länger als kürzer im Büro gesessen“, sagt er. Seine Arbeit habe er mit viel Freude gemacht, dazu kam die tolle Atmosphäre unter den Kollegen. Und er sei dankbar für seine Frau, die all das bereitwillig unterstützt habe.

Reicherzer breitete den Zusammenschluss zur VG mit vor

Im Dezember des Jahres 1977 kam Reicherzer nach Weisingen, um den Zusammenschluss zur VG Holzheim vorzubereiten. „Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Akten wir damals durchgingen“, erinnert sich der 62-Jährige. 1978 rekrutierte der gebürtige Tapfheimer seine Mitarbeiter aus den umliegenden Gemeindeverwaltungen. „Ob das eine Lebensaufgabe wird, konnte ich damals nicht sagen.“ Ist sie geworden – von Anfang bis Ende begleitete ihn dabei seine Büroeinrichtung. „Ein Eiche-Hell Kunststofffurnier, sah ein bisschen nach Holz aus.“ Seine Büromöbel sollten Kontinuität vermitteln, alles hatte seinen Platz. Bis auf den Schreibtisch, der musste beim Umzug ins neue Rathaus der VG schließlich weichen.

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Neben Arbeit und Familie gab es für Reicherzer eine weitere Lebensaufgabe – das eigene Haus. 1980 begann die Familie mit dem Bau. In Holzheim seien sie heimisch geworden. Der 62-Jährige packte beim Bau mit an. „Viel Handwerkliches habe ich während des Hausbaus von den Profis gelernt.“ Den großen Garten haben er und seine Frau selber angepflanzt, bis heute kümmern sie sich beide darum. Nur das Brennholz, das macht Reicherzer lieber selbst. Und mit der Motorsäge im Wald einen Baum zu fällen ist auch kein Problem. Das hat er vom Schwiegervater gelernt. Sein Schwiegersohn hat davon bereits profitiert – Reicherzer brachte ihm bei, Laminat zu verlegen.

Geschäftsstellenleiter mit 22 Jahren

Mit 22 Jahren Geschäftsstellenleiter zu werden, das sei toll gewesen. Aber auch eine große Herausforderung. Der Umbau zur VG habe mindestens drei Jahre gedauert. „Umso befriedigender ist es für mich, wie gut alles geklappt hat“, sagt Reicherzer. Das Schönste sei für ihn jedoch der „unmittelbare Umgang mit dem Bürger“ gewesen. Reicherzer ist kein Lautsprecher. Stattdessen interessiert er sich für sein Gegenüber, fast ist es ihm unangenehm. über sein langes und erfolgreiches Wirken in Holzheim zu sprechen. Aber wenn er erst einmal über die Arbeit in der Verwaltung spricht, erzählt er gern und reichert die Erklärungen mit Anekdoten an. Wie es damals gewesen sei, auf Durchschlagpapier zu schreiben. Oder die „revolutionäre“ Einführung eines Kopiergeräts. „Es vergeht noch kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas vom Dienst im Kopf habe.“

Reicherzer hat dennoch ein Leben neben dem Beruf. Gerade, weil ihm nun die Bedeutung von Gesundheit vor Augen geführt worden sei. Nach dem Gespräch trifft er sich noch mit ehemaligen Weggefährten. Mit ihnen hat der Diplom-Verwaltungswirt die Verwaltungsschule besucht. „Daraus entstehen hoffentlich mehr oder weniger regelmäßige Treffen“, sagt er. Neben ausgedehnten Radeltouren und Spaziergängen in die Wälder der Umgebung hofft Reicherzer, vor allem ein Hobby nun vermehrt pflegen zu können. „Ich fahre gern Motorrad. Eine Chopper.“ Mit Nachbarn und Bekannten unternehme er damit unregelmäßig Ausflüge in der Region; gemütlich zu cruisen sei für ihn das schönste. „Ich bin glücklich“, sagt Reicherzer und sitzt im großen Garten mit Hanglage – inmitten seiner Gemeinde.

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