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Menschen 2013

27.09.2013

Ein Leben fürs Ehrenamt

 

 Die einstige Stellvertreterin des Landrats, Angela Rieder, wird 75. DZ-Serie (39)

Von Martina Bachmann

Warnhofen Angela Rieder kommt gerade aus ihrem Garten, einen Eimer in der Hand, ein paar Zwetschgen darin. Sie öffnet die Haustür, geht in die Küche. Auf dem Esstisch stehen noch zwei gefüllte Weckgläser, auf der Küchenanrichte kühlt der Holundersaft ab. „Langweilig ist es mir gar nicht“, meint Angela Rieder und lächelt. Doch wie sie das früher alles unter den Hut gebracht hat, die Landwirtschaft, die vier Buben, die pflegebedürftige Schwiegermutter und den Onkel, den Haushalt, die Ortsbäuerin, die Kreisbäuerin, die Kreisrätin, die stellvertretende Landrätin – das fragt sie sich manchmal selbst. Am Sonntag wird Angela Rieder 75 Jahre alt.

Aufgewachsen ist die engagierte Frau in Bollstadt. Schon mit 15 Jahren hatte sie einen Führerschein, mit Sondererlaubnis, weil der Vater aufgrund einer Verletzung nicht mehr ans Steuer konnte. Mit glänzenden Augen erzählt sie heute von ihrer Jugendzeit, wie sie als junges Mädchen den Traktor angeworfen hat – es war noch einer, bei dem man den Kolben zum Glühen bringen musste, um dann mit dem abgeschraubten Lenkrad den Motor anzuschwingen. „Ich habe das prima gekonnt, mir hat das Spaß gemacht.“ Manchmal habe sie mit zwei Anhängern die Milch nach Hohenaltheim gefahren, dann ging es wieder nach Nördlingen. Zudem hatte Angela Rieder ein Motorrad – auch diesen Führerschein bekam sie dank einer Sondererlaubnis: „Da bin ich überall hingefahren.“ Und manchmal hat sie auch einfach nur eine Runde gedreht.

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Mit 19 Jahren heiratete Angela Rieder nach Warnhofen – in eine Landwirtschaft mit damals 36 Tagwerk, Schweine, Kühe, Hennen, Enten. Damit sich die Familie Maschinen leisten konnte, ging Ehemann Alfred Rieder zum Arbeiten. Und Angela Rieder kümmerte sich von früh bis spät um Hof, Kinder, Angehörige, Haushalt.

Eines Nachts im Frühjahr 1957 habe dann einer ans Fenster geklopft – und der Neuzugezogenen lapidar mitgeteilt: „Wir haben dich als Ortsbäuerin gewählt.“ Die junge Frau entgegnete noch: „Ihr kennt mich noch gar nicht.“ Doch das Amt, das hatte sie schon inne. 44 Jahre lang blieb Angela Rieder Ortsbäuerin. Das erste einer langen Liste an Ehrenämter.

Von 1974 bis 2002 war die Jubilärin Kreisbäuerin des Landkreises Dillingen. Zur Kandidatur für den Kreistag wurde sie vom verstorbenen Landrat Dr. Anton Dietrich überredet. Der sei eines Tages auf dem Hof erschienen. „Ich wollte gerade mit dem Traktor Futter holen.“ Erst sei sie gar nicht abgestiegen, doch dann sei sie halt doch mit Dietrich und seinem Begleiter ins Haus gegangen. Irgendwann habe sie dann zu ihm gesagt: „Tu doch, was du willst.“ Noch heute erinnert sie sich an den Ausspruch ihres jüngsten Sohnes, damals vielleicht vier Jahre alt: „Mama, der Mann ist ein Schlitzohr.“ Von 1978 bis 2008 war Angela Rieder Mitglied des Kreistages, von 1990 bis 1996 zweite weitere Stellvertreterin des Landrates, von 1996 bis 2008 seine Stellvertreterin. Für ihr Engagement hat die Warnhofenerin zahlreiche Auszeichnungen bekommen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande. Geschlafen habe sie in dieser aktiven Zeit kaum, sagt Angela Rieder: „Vielleicht drei, vier Stunden.“

Am Sonntag feiert Angela Rieder mit ihren vier Kinder, den fünf Enkeln und zahlreichen Gästen beim Wirt in Warnhofen ihren Geburtstag, alle kommen zusammen. „Geselligkeit ist doch am schönsten“, meint sie und lächelt.

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