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Künstler

13.09.2018

Ein Lichtjäger auf den Spuren Alexander von Humboldts

Manfred J. Nittbaur geht gern durch seinen Garten in der Riedgasse und trägt dabei südamerikanische Landestracht. <b>Foto: Günter Stauch</b>
Bild: Günter Stauch

„Das Leben und die Träume in den Anden“: Fast 80 Werke einer grandiosen Schau in Dillingen präsentieren die Eindrücke des Wertinger Malers und Bildhauers Manfred J. Nittbaur

Landkreis Die alte Tuchweberin kniet mit fast geschlossenen Augen zwischen kleinen Dosen und Behältern, die mit bunten, von ihr in mühsamer Kleinarbeit hergestellten Stoffüberzügen die Aufmerksamkeit des Marktbesuchers anlocken soll. Beinahe andächtig hält die Ecuadorianerin in der Stadt Cuenca eine Dollar-Note in ihren Händen. Der „Lohn“ fürs Fotografiertwerden von einem vorübergehenden Fremden muss der oft bettelarmen Bevölkerung Lateinamerikas einem Riesenvermögen gleichkommen. Das höchst bewegende Covergemälde des Katalogs der Ausstellung „Das Leben und die Träume in den Anden“ wirkt wie das für jeden stets offene Eingangstor in die faszinierende Welt des Wertinger Künstlers Manfred J. Nittbaur.

Eindrücke sind gleichzeitig Ausdrücke: Die Schau, die am Samstag um 9.30 Uhr in der Stadtgalerie in der Ludwigskaserne beginnt und am 21. Oktober endet, verrät auch einiges über den Menschen Nittbaur. Der geradezu heimatverliebte Endsechziger, der stundenlang über die Schönheiten der lieblichen Landschaft vor seiner Haustür referieren kann, wagt sich dennoch immer wieder in entfernte Gegenden dieser Welt. Zwei ausführliche Reisen zum südamerikanischen Kontinent müssen die ohnehin unbändige Schaffenskraft des vielseitigen Mannes geradezu explodiert haben lassen. Das Ergebnis präsentiert der Heimkehrer in Form von sage und schreibe 75 Malereien, welche die Menschen und Natur des Lebensraumes auf der anderen Seite der Erde auf großartige Weise näherbringen. So schafft es der ehemalige Gymnasiallehrer, der sich aus Zeitgründen die beiden Touren über den ‚Atlantik erst nach der aktiven Pädagogen-Zeit leisten konnte, diese Nähe auch emotional herzustellen. Was schon die Eingangsszene mit dem Titel „Verdienst“ beispielhaft zum Ausdruck bringt.

Der durch und durch empathische Absolvent der renommierten Akademie der Bildenden Künste hielt nicht nur die Umgebungen südlich des Äquators in präzisen wie grandiosen Aquarellen fest, sondern widmet sich zudem ausführlich den Menschen vor Ort. Das beherrscht der sympathische Feingeist mit dem aufblitzenden spitzbübischen Lächeln schon immer auch weit abseits des Zeichenblocks. Der engagierte Menschenfreund legte sich bereits als jugendlicher Pfadfinder bei wohltätigen Aktionen für die Dritte Welt mächtig ins Zeug. Trat etwa auf dem Kirchplatz der Heimatstadt als Schuhputzer auf, um auf die prekäre Arbeitssituation in manchen Weltgegenden aufmerksam zu machen. Demonstrierte gegen den Vietnamkrieg, um deutlich Flagge zu zeigen. Apropos: Der beruflich als Büromitarbeiter gestartete Mann, der später Kunst, Theologie und Archäologie studierte und dann eine beispiellose Karriere hinlegte, zog zusammen mit vielen anderen Mitstreitern gegen ein zweites geplantes Atomkraftwerk im Donauried auf die Straße.

Doch Vorsicht: Da wirkt ein human engagierter Kämpfer mit echten Taten für die gute Sache und nicht etwa ein sozialer Träumer, falls der Titel der überaus sehenswerten Schau etwas in die falsche Richtung weisen sollte. Selbstredend dass Nittbaur sich auch für die Interessen der Menschen in den bereisten Ländern Peru, Bolivien, Ecuador und Chile einsetzt, wenngleich er sie auch für die Motivauswahl heranzog. So liegt ihm schon lange ein Kinderkrankenhaus für brandgeschädigte Buben und Mädchen aus Armenvierteln in Santiago de Chile am Herzen, dem der Erlös des Katalogverkaufs zufließen soll. Neben den Personen in farbenprächtigen Kleidern, die bei genauerer Betrachtung quicklebendig zu werden scheinen, bietet die Ausstellung ebenso tiefe Einblicke in die exotische Landschaft. Deren besonderes Licht muss den lebenslangen Lichtjäger in ein kleines Paradies geführt haben. Kunstautor, Schriftsteller und Lehrerkollege Alois Epple aus Türkheim, der bei der Eröffnung die Laudatio halten wird, zieht sogar Parallelen zu den Tunis-Reisen von Paul Klee und August Macke. Sie hatten sich ebenfalls von fremdartigem Licht in der Ferne inspirieren lassen. Epple schwärmt nur so von Nittbaurs Vegetationsbildern mit ihrer sonnendurchfluteten Ausstrahlung. Der „Kumpel“ aus Südschwaben bemüht sogar die Seele vom großen Forscher Alexander von Humboldt mit seinen Amazonas-Studien. Eine spannende Gegend, in der sich Pfadfinderanführer Manfred J. Nittbaur sicher wohlfühlen würde.

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