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Matinee

30.08.2018

Ein Meister an der Orgel

Der Professor am Staatlichen Moskauer Tschajkowskij Konservatorium Alexej Semyonow bestätigte an der Sandtner-Orgel in der Klosterkirche Dillingen seine Ausnahmestellung als Meisterinterpret.
Bild: Gernot Walter

Der Moskauer Professor Alexej Semyonow fasziniert in Dillingen durch nachschöpferische Größe

Die zehnte und letzte Matinee im diesjährigen Orgelsommer rundete den positiven Eindruck ab, den das Festival auch heuer erzielt hat. Weit über 1000 Besucher wollten die international besetzten Meisterinterpreten in der Klosterkirche hören. Sie waren Zeugen vielfältiger Programme, die durchwegs einzigartig ausgedeutet wurden. Dabei bewies die 1989 von Hubert Sandtner aus Dillingen erbaute Orgel mit 21 Registern und zwei Manualen ihre besondere Stellung, ist sie doch mit ihrer „reichen und dynamisch differenzierten Klangpalette“ (Norbert Bender) ein vorzügliches Instrument für die barocke und frühromantische Epoche.

Der als Stargast angekündigte Moskauer Professor Alexej Semyonow hat sich intensiv mit der kammermusikalischen Anlage der Sandtner-Orgel auseinandergesetzt. Er ordnete der Toccata II (1649) von Johann Jacob Froberger wohltuende dynamische Zurückhaltung zu. Die imitatorischen pedalfreien Abschnitte gelangen äußerst delikat und differenziert. Meditativen Charakter hatte Frobergers c-Moll-Tombeau, das Semyonow verzierungsreich umspielte und wunderbar in einen verhauchenden absteigenden Schluss einmünden ließ.

Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge BWV 543 in a-Moll erschien beim russischen Organisten im Mezzoforte als abgeklärter fließender Ausdruckswillen.

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Die toccatenhaften Gesten löste ein mit Skalenläufen verbundener Bewegungsimpuls ab, der den vollgriffig ausgefüllten Satz bestimmte. Mit selbstverständlicher Leichtigkeit bediente Semyonow in der Fuge den Pedalbass, auf dessen souveräner Triebkraft er ein klar strukturiertes Gebäude errichtete. Die Vielschichtigkeit wurde einschließlich der Kadenz spannungsgeladen durchgehalten. Fantasievoll registriert mit Schwellwerkflöten das Choralvorspiel „Liebster Jesu, wir sind hier“ (BWV 731), das Semyonow ausgewogen in mildes Licht tauchte. Als mitreißendes Stück konnte der Moskauer Professor Präludium und Fuge in d-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy darstellen. In der Dynamik gefestigt erklang ein fugiertes Thema mit gewaltiger Präzision, in dem die Achtelbewegung in Triolen (nach Bach’schem Vorbild) und danach in Sechzehntelketten wie entfesselt umgesetzt wurden. Die vierstimmige Fuge wirkte in ihren gesanglichen Qualitäten stabilisierend nach den virtuosen Attacken des Präludiums.

Ausdehnung, Schwierigkeitsgrad und Motivik stellte bei „Introduktion und Passacaglia“ von Max Reger eine große Herausforderung für den Organisten dar. Wie Semyonow den Orchesterklang, die Fülle an Figurationen und Verästelungen und die Steigerung bewältigte, war grandios. In der Passacaglia hob sich das Ostinato des Subbasses kaum hörbar schemenhaft aus dem Nichts hervor; die geheimnisvolle Tiefe entwickelte sich mit unglaublicher Übersicht vom Schwellwerk zum Hauptwerk, das die Kraft der Orgel fast sprengte. Nach diesem Höhepunkt atemlose Stille und danach enthusiasmierter Beifall eines überwältigten Publikums. Der Vorsitzende des Fördervereins der Basilikakonzerte Dr. Paul Olbrich dankte abschließend Dr. Axel Flierl für die künstlerische Leitung der Orgelkonzertreihe, den Franziskanerinnen für das Gastrecht, den Paten für das Sponsoring und den zahlreichen Zuhörern für ihre Treue.

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