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07.02.2015

Ein Meister des schwäbischen Rokokos

Ausschnitt des Deckenfreskos im Goldenen Saal (1762): Allegorie der Naturwissenschaften, versinnbildlicht durch eine Frauengestalt mit "beflügeltem Geist".

Der Lauinger Künstler Maler Johann Anwander ist vor 300 Jahren gestorben. Seine Fresken sind unvergessen

Auf den Tag genau vor 300 Jahren, am 7. Februar 1715, wurde der Lauinger Kunstmaler Johann Anwander in Rappen bei Mindelheim geboren. Viele seiner Werke prägen bis heute die Stadt und den Landkreis Dillingen. Er gilt neben Franz Martin Kuen, Johann Baptist Enderle und Franz Georg Hermann als einer der namhaftesten Fresko-Maler des Rokokos in Schwaben.

Anwander entstammte einer schwäbischen Künstler- und Handwerkerfamilie, als deren bedeutendster Vertreter er gilt. Nicht gänzlich geklärt ist sein Ausbildungsweg. Es wird vermutet, dass er in Ottobeu-ren bei einem Kunstmaler gelernt hat. Nach der Lehrzeit ging er nach Augsburg, um sich beim dortigen Akademiedirektor Johann Georg Bergmüller weiterzubilden. Mit 24 Jahren erwarb Anwander im November 1739 das Lauinger Bürgerrecht und heiratete bald darauf die Ratsherrentochter Maria Franziska Seeser. Mit ihr hatte er zwölf Kinder, von denen bis auf zwei Söhne und eine Tochter alle im Säuglings- oder Kindesalter starben. Bis 1748 erhielt er nur vereinzelte Aufträge. Ab etwa 1750 hatte sich sein individueller Stil, den er zeitlebens weiterentwickelte, gefestigt: eine kraftvolle, farbenfrohe Figurenzeichnung sowie eine „wirklich virtuos gehandhabte Stoffmalerei an Kostümen, liturgischen Gewändern, Tüchern und Teppichen“ (Julius Schöttl). Anwander schuf eine Vielzahl an Werken im Landkreis, darunter für Kirchen und Kapellen in Peterswörth (1743), Zöschingen (1747), Unterbechingen (1748), Lauingen (die 14 großen Kreuzwegstationen in der Stadtpfarrkirche 1752/53), Schwennenbach (1758), Maria Medingen (1758), Obermedlingen (1759) und Deisenhofen (1760). Von den Dillinger Jesuiten bekam er den Auftrag, die Altarbilder für den Josephsaltar (1761), den Ursulaaltar sowie die vier großen Fakultätenbilder im Chorraum der Studienkirche (1762) zu malen. Die Höhepunkte seines Schaffens lassen sich in die Zeit zwischen 1757 und 1762 datieren: In den monumentalen Deckenfresken in der Dominikanerkirche in Schwäbisch Gmünd (nicht mehr original erhalten) und der Aula der Großen Marianischen Kongregation der Universität Dillingen („Goldener Saal“) zeigt Anwander seine Kunst der perspektivischen Malerei. Für die Studienkirche malte er 1766 noch die über den Beichtstühlen hängenden Ölgemälde des „büßenden Petrus“ und der „büßenden Magdalena“. Weitere Werke schuf er u.a. für die Kirchen in Oberbechingen (1766), Lutzingen (1767/70), Frauenriedhausen (1768) und Eglingen (1769). Anwander war Maler und Kunsthandwerker im umfassenden Sinne: Von der Freskomalerei über die Ölmalerei bis hin zur Bemalung von Altären und Kulissen reichte die Bandbreite seines Schaffens.

So hat er das Bühnengrab, welches in der Passionszeit am Hochaltar der Studienkirche aufgebaut wird, bemalt. Stilistische Vergleiche legen es zudem nahe, dass auch das Heilige Grab in der Klosterkirche Maria Medingen von ihm stammt.

Anwanders Wirken beschränkte sich nicht nur auf den Landkreis. Insbesondere an seine Arbeiten im Fränkischen ist zu erinnern. Noch heute sind z. B. seine Fresken am berühmten Bamberger Rathaus aus dem Jahr 1755 zu bestaunen. Für die Bamberger Ratsstube fertigte er im gleichen Jahr mehrere Ölgemälde. Anwander starb am 16. November 1770 in Lauingen im Alter von 55 Jahren. Die Werke des „tüchtigsten Lauinger Malers des 18. Jahrhunderts“ (Adolf Layer) zeugen bis heute von der Farbenpracht und Lebensfreude der Epoche des Rokoko und laden ein, das künstlerische Schaffen Johann Anwanders neu wahrzunehmen.

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