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Kreis Dillingen

10.12.2017

Ein Polizist erzählt: "Lebensgefahr gehört mit zum Job"

Friedrich Nothofer und sein Kollege Stefan Pallor (links) sind bei der Polizei Dillingen zuständig für Ordnungs- und Schutzaufgaben.
Bild: Judith Roderfeld

Früher war es nur ein Kostüm. Nun ist Friedrich Nothofer aus Dillingen selbst Polizist. Wie er lebensgefährliche Einsätze erlebte und warum er seine Berufswahl nie bereut hat.

Am liebsten schlüpfte Friedrich Nothofer in das Kostüm eines Cowboys oder Indianers. Oder aber in die Uniform eines Polizisten. Hauptsache, ein Spielzeug-Revolver steckte in dem Holster an seiner Hüfte. Damals war der heute 55-Jährige noch ein kleiner Bub. „Es war cool, Polizist zu sein.“ Mittlerweile ersetzt seine Berufskleidung das Kostüm, die echte Schusswaffe den Plastikrevolver. Denn Nothofer arbeitet bei der Polizeiinspektion in Dillingen und ist zuständig für Ordnungs- und Schutzaufgaben. Schon 1980 begann seine berufliche Laufbahn bei der Polizei. „Ich hab es mir nie so vorgestellt.“

Nach der Schule sei er mit ganz anderen Erwartungen an den Job gegangen. 15 Jahre lang war er im Streifendienst, bis er sein Studium zum gehobenen Dienst begann. Danach war er Dienstgruppenleiter in Dillingen und arbeitete für die Station in Wertingen – bis er 2014 die neue Stelle antrat, bei der er auch die Tätigkeiten der Sicherheitswacht koordiniert.

In dem Büro von Nothofer und seinem Kollegen Stefan Pallor reihen sich viele Ordner im Regal. Für jede Schule gibt es einen. Pallor und Nothofer sind für die Sicherheitskonzepte an den Schulen zuständig. Das heißt, sie beraten die Schulleiter in puncto Amoklauf, Bombendrohung oder im Falle eines Brandes. In seinem Verantwortungsbereich gehört es dazu, stets vom Schlimmsten auszugehen, das Horrorszenario im Kopf zu haben. Positiv denke er trotzdem, sagt er. „In der Regel geht ja immer alles gut.“ Nothofer lächelt. In seinem Job gäbe es bei aller Ernsthaftigkeit viel „Gaudi“ – auch wenn das von außen betrachtet nicht gleich zu vermuten sei.

Ein Polizist erzählt: "Lebensgefahr gehört mit zum Job"

"Nach drei Uhr passiert mehr, weil der Alkoholpegel steigt"

Bei Großveranstaltungen im Landkreis ist er oft als Einsatzleiter vor Ort und im Vorfeld beratend zur Stelle. Beim Hexentanz in Lauingen oder dem Faschingsumzug in Höchstädt zum Beispiel. „In Gesprächen mit den Beteiligten legen wir die Zahl der Sicherheitskräfte fest, reden über Absperrungen und die Größe der Veranstaltungsfläche.“ Entscheiden müsse aber am Ende die Sicherheitsbehörde und der Bürgermeister. Trotzdem: „Wenn was schief läuft, sind wir in der Verantwortung.“ Den Bescheid liefert das Ordnungsamt, aber die verlassen sich wiederum auf die Beratung der Polizei. Gerade jetzt, zu Zeiten des Terrors, sei es wichtig, die Sicherheit der Besucher zu gewährleisteten. Ob in einer ländlichen Gegend oder nicht – die Anforderung sei dieselbe. Läuft am Ende alles reibungslos ab, ist Nothofer erleichtert. „Ich bin immer froh, wenn alles gut gegangen ist.“

Zuständig ist er auch, wenn es um Katastrophenschutz geht oder Jugendschutz-Kontrollen auf Plattenpartys. Als Vater von zwei Kindern weiß der Beamte, wie die Jugendlichen zur Polizei stehen. Streng seien die Männer und Frauen in Uniform sowie ohne jegliche Ahnung von Spaß. Sein Kollege Stefan Pallor kann das bestätigen. „Ich bin selbst ein Polizistensohn.“ Doch mit den Jahren verändert sich die Sichtweise. Nothofer: „Wir wollen einfach verhindern, dass niemand mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommt. Und ja, da sind wir streng.“ Als Polizist trägt er Verantwortung, die nimmt er ernst.

Nothofer war damals maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, dass die Sperrstunde im Landkreis auf drei Uhr gelegt wurde. Bei der Versammlung des Bayerischen Gemeindetags vom Kreisverband Dillingen hielt er einen Vortrag. Das war im September 2014. Vor allem für Plattenpartys gilt seither: Um halb drei läuft das letzte Lied, um drei muss das Gelände geräumt sein. „Nach drei Uhr passiert mehr, weil der Alkoholpegel steigt. Viele sind nicht mehr Herr ihrer Sinne und es kommt schneller zu Körperverletzungen“, sagt Nothofer.

Angst ist bei einem Polizisten fehl am Platz

Als sein Vorschlag öffentlich wurde, hieß es von vielen Seiten, er sei eine Spaßbremse. „Das machte mir nichts“, sagt der 55-Jährige. Der Höchstädter steht hinter seiner Entscheidung. „Und es hat funktioniert.“ Weil sich die Sperrstunde geändert hat, sei es zu weniger Einsätzen gekommen. Das belegen die Zahlen. Ihm sei es nie darum gegangen, Veranstaltungen zu verbieten. Im Gegenteil: „Wir wollen, dass die Partys stattfinden, nur dass sie sicherer sind.“ Und die eigentlichen Spaßbremsen seien nicht die Polizeibeamten, sondern diejenigen, die ihre Grenzen nicht einzuschätzen wüssten und straffällig würden.

Obwohl viel Arbeit am Schreibtisch anfällt, gibt es die Einsätze auf der Straße. Zum Beispiel war Nothofer dabei, als in Frauenstetten der Mann mit einer Axt Einsatzkräfte bedrohte oder es in Höchstädt eine Messerattacke gab. Dass ein Polizist sich in Lebensgefahr begeben muss, gehört mit zum Job. Angst sei dabei fehl am Platz und die käme in solchen Situationen auch nicht auf, erklärt der 55-Jährige. „Da setzt ein Automatismus ein und man funktioniert einfach, ist voll mit Adrenalin.“

Erst nach dem Einsatz mache er sich manchmal Gedanken. Gerade wenn Kollegen direkt beteiligt sind. Am Ende des Tages ist Nothofer dennoch froh. Froh darüber, Polizist geworden zu sein. Auch wenn der Job nicht so ist, wie er es sich als kleiner Bub beim Fasching, mit Handschellen und Plastikrevolver ausgestattet, vorgestellt hat. „Ich habe es nie bereut. Ich bin immer noch gerne Polizist.“

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