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Historischer Verein

28.01.2020

Ein Salut auf Bayerns Literatur

In Dillingen stellte Professor Klaus Wolf seine „Bayerische Literaturgeschichte vor. Das Bild zeigt den Autor (Mitte) zusammen mit Dieter M. Schinhammer, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins (rechts), und seinem Stellvertreter Arnold Schromm (links).
Foto: Pawlu

Professor Klaus Wolf präsentiert im Dillinger Colleg seine Literaturgeschichte

Wer heute eine Literaturgeschichte schreibt, muss ein Optimist sein. Denn immer häufiger informieren sich Literaturfreunde über Autoren und deren Werke im Internet. Und der bücherlesende Bevölkerungsanteil nimmt ständig ab.

Auf diese Veränderungen verwies Dieter M. Schinhammer, Vorsitzender des Historischen Vereins Dillingen, bei der jüngsten Buchvorstellung im Dillinger Colleg. Immerhin repräsentierten aber die zahlreichen Besucher der Veranstaltung zumindest ein lokales Interesse an Literatur. Professor Klaus Wolf von der Universität Augsburg las einzelne Kapitel aus seinem 368-Seiten-Band „Bayerische Literaturgeschichte – von Tassilo bis Gerhard Polt“ und vermittelte damit einen Überblick über die Bedeutung Bayerns für die deutsche Literatur. Die Veranstaltung des Historischen Vereins und der Volkshochschule war zweifellos ein Erfolg.

Wolf ging in seinem Vortrag allerdings nicht auf Autoren ein, die wie Jakob Bidermann, Christoph von Schmid, Ludwig Derleth und Heinz Piontek mit dem Landkreis Dillingen verbunden waren. Bei seinem vorgetragenen Text handelte es sich wohl um eine Vorlesung für eine universitäre Zuhörerschaft. Aber die genannten Autoren werden in der 2018 erschienenen Literaturgeschichte durchaus behandelt. Den Schwerpunkt seiner Darstellungen legte Klaus Wolf allerdings auf die Analyse literarischer Zentren wie München und Augsburg. Es gehe in diesem Band um die Entdeckung bisher unbekannter oder ignorierter literarischer Phänomene, so beispielsweise um Dichterinnen, die „schreibenden Schwestern der Bavaria“.

Wolfs Darstellung beschränkt sich nicht auf Biografie und Werk der vorgestellten Autoren. Die Leistungen der Autorinnen und Autoren werden grundsätzlich mit sachkundigen Schilderungen des jeweiligen Zeitgeistes in Verbindung gebracht. Dieses Prinzip verleiht beispielsweise dem Kapitel „München leuchtete“ besondere Faszination. Mit der großen Zahl bekannter, in München lebender Autoren wird die Prinzregentenzeit auch in dieser Literaturgeschichte zu einem Mittelpunkt europäischer Kultur, besonders geprägt von Thomas Mann, dem „Zauberer“ in der Poschinger Straße. Wolf will in seiner nicht enzyklopädischen, sondern exemplarischen Literaturgeschichte den Nachweis erbringen, „dass sich Bayern literaturgeschichtlich auf Augenhöhe mindestens mit Österreich oder der Schweiz befindet“.

Mit Zitaten aus Gedichten, die nach dem Ersten Weltkrieg von Münchener Autoren veröffentlicht wurden, wird die künstlerische Vitalität der bayerischen Metropole beleuchtet. „Bayern scheint einen Schutzgeist zu haben“, schrieb Erika Mann im Jahr 1930. Und dieser Schutzgeist ließ, wie Prof. Wolf zeigte, auch Keckheiten zu wie beispielsweise das Gedicht „Ich hab meine Tante geschlachtet“ von Frank Wedekind und „Ein Gschpusi muss ich haben“ von Otto Julius Bierbaum: „Ein Geschpusi muss ich haben! / Alles wankt, doch das steht fest: / So ein liebes, kleines Mädchen, / Das sich gerne haben läßt. / Ein Geschpusi muß ich haben!“

Klaus Hübner, der zahlreiche Beiträge zur deutschen Gegenwartsliteratur verfasst hat, hat Klaus Wolf angekreidet, viel Wissen über die frühe Literatur Bayerns, zu wenig aber über die bayerische Literaturszenen im 19. und 20. Jahrhundert in sein Buch verpackt zu haben. Die Vorlesung im Colleg beantwortete diesen Vorwurf mit der Auswahl von Kapiteln, die sich ausführlich mit der Zeit zwischen Jean Paul und Bert Brecht beschäftigen.

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