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Landkreis Dillingen

18.04.2020

Ein Weiler in Bissingen, der einst ein Adelssitz war

Der Hof, der dem Weiler seinen Namen gab: das repräsentative Hauptgebäude des Kömertshofes. Vermutlich ließ sich genau an dieser Stelle einst der Ortsgründer Chunibreht nieder.
Bild: Herreiner (Symbol)

Plus Kennen Sie den Kömertshof im Kesseltal? Ein geschichtsträchtiger Ort mit Ausblick.

Immer wieder Überraschendes gibt es zu entdecken, wenn man in alten Aufzeichnungen und Chroniken stöbert. So mag man kaum glauben, dass der Weiler Kömertshof, unweit von Warnhofen im oberen Kesseltal gelegen, einst Sitz eines Adelsgeschlechtes war. Erst recht nicht, wenn man weiß, dass die heutige Größe des Weilers eigentlich vor allen Dingen auf die Ansiedlung mehrerer Familien von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgeht. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war das Örtchen also noch ein ganzes Stück kleiner.

13 Einwohner im 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind im „Kimmertshof“ ganze 13 Seelen, also Bewohner, verzeichnet. Gegründet wurde der ursprüngliche Hof von einem Siedler namens Chunibreht oder Chunibrecht, der wohl von einem der benachbarten Orte hierherzog und sich mit seiner Familie hier an einer Stelle niederließ, an der genügend Wasser vorhanden war, Weide- und Ackerland geschaffen werden konnte und der Wald ebenfalls nicht weit weg war. Erstmals schriftlich genannt ist der Kömertshof im Jahre 1236. Damals schenkte der reich begüterte Adlige Ulrich von Hohenburg seiner Tochter Adelheid die „villa Kunebrehteshoven“, den Kömertshof nahe Warnhofen mit allen dazugehörigen Besitzungen, als Brautgeschenk zu ihrer Vermählung mit dem Vogt Siegfried von Ramstein.

Geschenk ans Kloster Zimmern

Nach dessen Tod schenkte Adelheid als Witwe mit der Zustimmung ihrer Kinder am 8. Dezember 1270 den Kömertshof dem Kloster Zimmern. Sie erhielt dafür eine Leibrente des Klosters. Unterzeichnende Zeugen der Urkunde waren unter anderem Adelheids Bruder Friedrich von Hohenburg und Rudolf von Hürnheim, der Sohn des Klostergründers in Zimmern. In dieser Schenkung vom Dezember 1270 dabei war ausdrücklich auch das Patronatsrecht der Kirche in „Künbrechtshofen“, also dem Kömertshof. Damit war bewiesen, dass hier zu dieser Zeit bereits eine eigene Kirche stand, die für einige Zeit sogar Sitz einer eigenen kleinen Pfarrei war. Die Kirche, deren Nachfolgebau erst im Jahre 1900 abgebrochen wurde, war dem heiligen Georg geweiht. Sie wurde am 27. November 1309 vom Kloster Zimmern mitsamt dem Kirchenschatz an das Augsburger Domkapitel abgetreten.

Schmiede, Mühle und Braustätte

In den Jahren 1557/58 gelangte der Kömertshof an die protestantischen Grafen von Oettingen-Oettingen und wurde der Herrschaft Hochhaus unterstellt. Im Jahre 1700 wurde der Hof an die Grafen von Oettingen-Wallerstein verkauft, die ihn schon vier Jahre später an reiche Augsburger Patrizier veräußerten. Am 28. Dezember 1787 schließlich kaufte das Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein in Person von Fürst Kraft Ernst den Kömertshof zurück und machte eine fürstliche Domäne daraus. Zum stolzen Hofbesitz zählten damals mehr als 300 Morgen Land, eine eigene Schmiede, Mühle, Braustätte und zwölf eigene Gebäude. Dem Hauptgebäude des Hofes sieht man die einstige Bedeutung heute noch an, von den Nebengebäuden stehen die meisten allerdings nicht mehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich der Weiler Kömertshof in vorher nicht gekanntem Maße durch die Ansiedlung mehrerer Familien von Heimatvertriebenen im Rahmen der Bayerischen Landessiedlung ab 1952.

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