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Tourismus

05.10.2017

Ein altes Haus – ein modernes Konzept

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2 Bilder
Christine Zeller steht vor den beiden Unterkünften in der Lauinger Altstadt.

„Obas Haisle“ und „Omas Schmuckkästle“ sind frisch sanierte Unterkünfte in Lauingens Altstadt. Die Besitzerin setzt auf den alten Look und hat damit einen Nerv getroffen

Hochglanzflächen, edles Design, eine teure Ausstattung: Es gab Zeiten, da war man sich darin einig, dass genau das ein schickes Hotel ausmacht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Gruppe derer, die sich nach alternativen Unterkünften umsehen, ist größer geworden. Und viele von ihnen werden seit Neuestem auch in Lauingen fündig.

Ein unscheinbares Häuschen in Lauingens Altstadt. Es hat dunkelrote Fensterläden, davor stehen Blumentöpfe. Wer jetzt bereits aufmerksam hinsieht, bemerkt vielleicht schon die alten – aber frisch restaurierten – Holzfenster. Hinter der urigen Fassade verbirgt sich „Omas Schmuckkästle“ – ein Ferienhaus, das online, zum Beispiel bei Airbnb, jeder buchen kann. Ein paar Reisende haben das auch schon getan. Ihre Urteile im Internet: „Niedlich und liebevoll eingerichtet“, „romantisch“.

Was damit gemeint ist, versteht man, sobald die Tür aufgeht. Auf dem Boden liegen Fliesen mit altem Muster, daneben steht ein Tonkrug – und die Garderobe besteht aus einem uralten Holzfensterladen. Christine Zeller ist stolz auf das, was sie in den vergangenen Jahren aus dem alten Haus, das sie für einen fünfstelligen Betrag kaufte, gemacht hat. „Es hat früher einmal dem ‚langen Hans‘ gehört“, erzählt sie. „Die meisten Leute kannten ihn, weil er beim Fasching in Lauingen sehr aktiv war.“ Schwer zu glauben, dass das Schmuckkästle ehemals jemandem gehörte, der seinen Spitznamen seiner Körpergröße zu verdanken hatte. Obwohl Zeller in Eigenarbeit versucht hat, die Decken etwas höher zu legen, hängen sie noch sehr tief. Überall erkennt man die alten Holzbalken, entweder weiß überstrichen oder in Holzoptik eingeölt. Weil das Haus – so wie große Teile von Lauingens Altstadt – unter Denkmalschutz steht, musste die Besitzerin einige Vorgaben beachten. Zum Beispiel bei der Außenfassade: Die Fenster sollten ihre Holzrahmen und -läden auf jeden Fall behalten. Allgemein gilt: Wer ein Haus in der Altstadt kaufen will, sollte sich beim Städtischen Bauamt melden. Dort erhält man Auskunft über die Sanierungssatzung für die Altstadt und kann auf einer Liste einsehen, ob es sich bei dem Gebäude um ein Einzelbaudenkmal oder ein Denkmal im Ensemble handelt. „Dann ist die wichtigste Frage: Was will man mit dem Gebäude machen?“, sagt Christoph Mayer vom Bauamt. Im Rahmen der Städtebauförderung gibt es verschiedene Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung.

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„Wir fördern vor allem solche Maßnahmen, die dem denkmalpflegerischen Mehraufwand geschuldet sind“, erklärt Mayer. Wer zum Beispiel auf Kunststofffenster verzichten und stattdessen Holzfenster einsetzen muss, bekommt die Mehrkosten Mayer zufolge bezahlt.

Das Schmuckkästle hat drei Stockwerke, ein Bad, eine extra Toilette, drei Schlafzimmer, einen Wintergarten und eine alte zum Teil noch originale Küche. Die 54-Jährige klappert regelmäßig Flohmärkte und Online-Portale nach alten Möbeln ab. Ein Sofa, das im Jahr 1900 eine Frau zur Silberhochzeit geschenkt bekam, hat Zeller weiß gestrichen und in einem frischen Mint-Ton neu überzogen.

Die ursprüngliche Idee für das Haus war eine andere. Die Dillingerin hat sechs Kinder und elf Enkelkinder, in ganz Deutschland verstreut. Daher wollte sie eine Übernachtungsmöglichkeit für Besuche herrichten. Mit ihrem Mann restaurierte sie parallel auch das Nachbarhaus. Es heißt „Obas Haisle“ und war von Anfang an zur Zimmervermietung gedacht. Als es diesen Sommer ausgebucht war, musste „Omas Schmuckkästle“ aushelfen – seit es in Reiseportalen wie Airbnb zu finden ist, ist es ausgebucht. Für ein paar Wochen wohnten dort zum Beispiel drei Ingenieurinnen, die in der Gegend einen Auftrag ausführten.

Die Besitzerin will das Haus weiterhin vermieten. Wenn es zwischendurch ein paar Tage leer steht, arbeitet sie im Dachgeschoss. Im großen Wohnraum soll es ein Podest als spannenden Aufenthaltsort für Kinder geben. Im Moment ist der Raum noch voll von Bauschutt, eingepackten Holzbodenplatten und zum Beispiel einer alten Kinderwiege, die Zeller noch herrichten will. Ob das viel Arbeit ist? „Das ist alles ruck, zuck passiert“, sagt sie lächelnd. Bei der Stadtverwaltung freut man sich über den Fleiß von Privatpersonen, die die Häuser der Altstadt wieder herrichten. „Es gibt etwas zu tun in der Altstadt, aber solche Projekte oder auch große wie das Hirschareal sind Schritte in die richtige Richtung“, sagt Mayer. "Kommentar

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