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10.11.2017

Ein besonderes Projekt für Kinder und Jugendliche

Bei der Übergabe des Zertifikats „Gesunde Kommune“ im Bild von links: Dr. Uta-Maria Kastner (Fachbereich Gesundheit Landratsamt Dillingen), Carolin Rolle (Geschäftsstelle Gesundheitsregionplus), Landrat Leo Schrell, Direktor Hermann Hillenbrand (AOK Günzburg), Sabine Schmidt (Leiterin der Suchtfachambulanz Dillingen) und Jessica Ochsenbauer (Gruppenleitung und Mitarbeiterin der Suchtfachambulanz Dillingen).
Bild: Landratsamt

Wer suchtkranke Eltern hat, kann sich künftig in einer Gruppe mit gleichaltrigen Betroffenen austauschen. Die Maßnahme im Landkreis wird von der AOK unterstützt

Umfragen zufolge haben 70 Prozent der von den bayerischen Suchtberatungsstellen der Caritas betreuten Frauen und 54 Prozent der Männer eigene Kinder. „Doch Kinder werden selten in der Rolle als Kinder suchtkranker Eltern wahrgenommen“, weiß Barbara Habermann. Sie leitet das Referat Sucht und Psychiatrie beim Diözesancaritasverband Augsburg. Die Kindheit der Betroffenen sei häufig geprägt von Angst und Unsicherheit sowie einem Mangel an emotionaler Zuwendung. „Doch nicht nur das Risiko der Kinder, selbst suchtkrank zu werden, ist um ein Sechsfaches erhöht, die Kinder haben oft auch mit Gewalt, emotionaler Belastung, Verschwiegenheit und Isolation zu kämpfen“, weiß Sabine Schmidt, Leiterin der Suchtfachambulanz Dillingen. Deshalb wurde im Landkreis Dillingen jetzt das Präventionsprojekt „Kiasu – Kinder aus suchtbelasteten Familien“ ins Leben gerufen. Es beschäftigt sich mit Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 16 Jahren, bei denen ein oder beide Elternteile durch Alkohol- oder Drogenprobleme belastet sind.

Das Projekt selbst startete im Juli. Ab Oktober werden zwei Gruppen 14-täglich, freitagnachmittags von 15 bis 17 Uhr, jeweils für Kinder von sechs bis elf Jahren und von zwölf bis 16 Jahren angeboten. Es können jederzeit weitere Kinder angemeldet und aufgenommen werden.

Bei den regelmäßigen Treffen erhalten betroffene Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, sich altersgerecht auszutauschen und schwierige Lebenssituationen verstehen zu lernen. „In Einzel- und Gruppengesprächen versuchen wir, individuelle Lösungen für die betroffenen Familien zu finden“, so Jessica Ochsenbauer, Gruppenleitung und Mitarbeiterin der Suchtfachambulanz Dillingen. Ziel ist es, den Kinder zu vermitteln, dass es nicht ihre Aufgabe ist, die Familie zusammenzuhalten. „Typische Rollenmuster wie die unbewusst übertragene Verantwortung im Familienleben sollen unterbrochen werden, damit kindgerechte Bedürfnisse wieder gelebt werden können“, so Ochsenbauer weiter.

„Um eine Teilnahme an unserem Präventionsprojekt den Kindern zu ermöglichen, ist es notwendig, die Eltern zu motivieren, ihren Kindern dieses Hilfsangebot zukommen zu lassen. Dafür ist es oft nötig, eigene Schuld- und Schamgefühle zu überwinden. Dabei helfen die Mitarbeiterinnen der Suchtfachambulanz Dillingen in Erst- und Einzelterminen“, so Sabine Schmidt, Suchttherapeutin.

Eine Kontaktaufnahme ist jederzeit telefonisch möglich, um ein Elterngespräch auch außerhalb der Öffnungszeiten zu vereinbaren. Ursprünglich wurde der Bedarf im Arbeitskreis Jugendhilfe Kinder und Jugendpsychiatrie des gemeindepsychiatrischen Steuerungsverbundes (GPSV) erfasst und diskutiert. Daraus entstand ein gemeinschaftliches Vorhaben des Landratsamtes und der Caritas für die Diözese Augsburg Suchtfachambulanz Dillingen.

Die AOK Günzburg fördert diese Unterstützungsmaßnahme mit einer Anschubfinanzierung von über rund 12250 Euro. Die Krankenkasse unterstützt im Rahmen der Initiative „Gesunde Kommune“ verschiedene Städte, Gemeinden oder Landkreise, die das Wohlbefinden und die Gesundheit ihrer Bürger steigern wollen. „Ich freue mich über die gute Netzwerkarbeit mit den beteiligten Akteuren, und dass die Caritas für die Diözese Augsburg das Projekt auch nach der Projektförderung im Kreis Dillingen fortführen wird. Somit ist die Basis für eine nachhaltige Präventionsarbeit gelegt“, so Leo Schrell. Die Geschäftsstellenleitung der Gesundheitsregionplus, Carolin Rolle, betont, dass mit der finanziellen Projektförderung der AOK ein wichtiger Beitrag zu einer ertragreichen Netzwerkarbeit geleistet wird. Weitere Informationen gibt es unter www.aok.de/bayern/gesundekommune. Die Suchtfachambulanz Dillingen führt das Projekt durch. Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Dillingen übernimmt die organisatorische Abwicklung. (pm)

Kontakt Suchtfachambulanz Dillingen, Regens-Wagner-Staße 2. Telefonische Erreichbarkeit: montags und freitags von 9 bis 12 und montags und mittwochs von 13 bis 15.30 Uhr, Telefon: 09071/71136.

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