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Kesselostheim/Bissingen

19.09.2020

Ein echter Hingucker: der Kapellenturm in Kesselostheim

Die neue Denzel-Kapelle des Architekten Volker Staab steht an einem Hang bei Kesselostheim – einem der schönsten Plätze im Kesseltal. Sie zog schon vor der Eröffnung Wanderer und Radler an.
Bild: Berthold Veh

Plus Auch die sechste Denzel-Kapelle zieht bereits vor der Eröffnung Wanderer und Radler in Scharen an. Im Kesseltal war erneut ein Stararchitekt am Werk.

Wie ein Baum thront die neue Denzel-Kapelle auf einer Anhöhe über dem Bissinger Ortsteil Kesselostheim. Bereits vor der Eröffnung zieht das Werk des Stararchitekten Volker Staab Radler und Wanderer in Scharen an. „Am Wochenende hätte man einen Stand aufmachen und Getränke verkaufen können“, sagt der Bissinger Walter Schiele, der an diesem Spätsommerabend erneut einen Blick auf das Architektur-Juwel wirft. Es ist fraglos einer der schönsten Orte im Kesseltal.

Kapelle steht am Wegesrand

Die Kapelle steht so am Wegesrand, als ob sie schon immer zu dieser Baumgruppe gehörte. In Sichtweite sind Kesselostheim, die Wallfahrtskirche in Buggenhofen, die Gotteshäuser in Stillnau und Bissingen. Und als Kontrast die Molkerei der Firma Gropper und der Fernmeldeturm in Bollstadt. Der Sonnenuntergang macht die Wirkung der sechsten Kapelle der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung noch intensiver. „Das ist eine echte Attraktion, etwas Besonderes“, sagt Schiele. Gerade in Zeiten der Corona-Krise sind die Kapellen zu beliebten Ausflugszielen geworden. Viele Radler planen Touren zu diesen modernen Pilgerstätten.

Der Wertinger Unternehmer Siegfried Denzel und seine Frau Elfriede sprechen nicht viel über diese Kleinode, die durch ihre Stiftung ermöglicht wurden. Mehr als 60 Jahre lang war Siegfried Denzel als Holzunternehmer in der Zusamstadt tätig. Unserer Zeitung nannte der 88-Jährige jüngst die Motivation für sein Tun: „Ich habe das Bedürfnis verspürt, aus dem Gefühl der Dankbarkeit heraus den Menschen etwas Schönes zu geben.“ Die Kapellen stünden mitten in der Natur, sie sollen die Möglichkeit des Gesprächs, des Gebets, der Besinnung bieten. „Besucher können dort vielleicht zu sich selbst und zu Gott finden“, sagt Denzel.

Durch die Lamellen fällt das Licht ein: Der Blick in der Denzel-Kapelle geht wie immer nach oben zum Kreuz. Die Atmosphäre im Raum bietet Gelegenheit zu Meditation und Gebet.
Bild: Berthold Veh

Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, der stellvertretende Vorsitzende der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung, entwickelte das Projekt Sieben Kapellen. Er ist zusammen mit dem Architekten Hans Engel den ganzen Landkreis Dillingen abgefahren, um in einer Vorauswahl die schönsten Standorte in der Region zu finden. Für das Projekt hätten lauter renommierte Architekten gewonnen werden können. Volker Staab etwa sei einer der Kreativsten in Deutschland und vielfach ausgezeichnet. „Für diese Architekten war das eine Ehre und Freude, hier mitzuwirken“, sagt der Bezirksheimatpfleger. Und die Planer hätten nicht für Geld gearbeitet. Die meisten haben Fassls Worten zufolge „nur minimal Bürostunden“ der Angestellten notiert, und einige nicht einmal das. Die Kosten für die Kapelle hätten so im Rahmen gehalten werden können. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die Kosten durchschnittlich bei etwa 150000 Euro liegen.

14 Meter hoch

In Kesselostheim ist jetzt ein Kapellenturm entstanden, „den es in dieser genuinen Form anderswo nicht gibt“, betont der Bezirksheimatpfleger. Mit seinen 14 Metern Höhe und seinen Holzlamellen sei der Kapellenturm eine Landmarke und damit weithin sichtbar. Das Kreuz an der Spitze der Kapelle spiegele sich in einem Metallkreuz, das im Boden eingelassen ist. Architekt Staab denke städtebaulich. Zur Kapelle führe ein Weg, eine „via sacra“. Und wie auf einer Piazza in Italien werde der Platz bei der Kirche durch eine Wand begrenzt.

Besuchern liefert die Denzel-Kapelle allemal Gesprächsstoff, die Ansichten sind kontrovers. „Das haben professionelle Leute gemacht“, stellt der Kesselostheimer Konrad Hahmann fest. Das Bauwerk sei schön in die Landschaft eingepasst. Aber Hahmann sagt, dass das Geld doch eher für soziale Zwecke, beispielsweise in Kindergärten, hätte investiert werden sollen. Den meisten Wanderern und Radlern gefällt das Kunstwerk, sie geraten ins Staunen.

Jetzt gibt es wieder eine Kirche

Etwa der gebürtige Kesseltaler Anton, der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Das ist mal etwas ganz Anderes“, sagt er anerkennend. Der Platz sei der schönste weit und breit. Und Kesselostheim habe jetzt auch wieder eine Kirche, meint Anton augenzwinkernd. Nach einer Sage habe sich einst ein Pferd in die Dorfkapelle verirrt und sei dort eingesperrt gewesen. Weil niemand das Gotteshaus besucht und es herausgelassen habe, sei das Tier verhungert. Laut Sage war das Kirchlein dadurch entweiht und wurde abgerissen.

in Kesselostheim wird am heutigen Samstag mit einer ökumenischen Feier im Kreis von geladenen Gästen eröffnet. Am Sonntag, 20. September, um 17 Uhr gibt es eine öffentliche Führung mit Bezirksheimatpfleger Peter Fassl und Stifter Siegfried Denzel.

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