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Gundelfingen

12.12.2020

Ein seltenes Täubchen bremst Pläne zum Wohngebiet in Gundelfingen

Die Turteltaube hat die Planer des neuen Wohngebietes „Oberer Ehla V“ beschäftigt. Sie ist nicht nur Vogel des Jahres 2020, sondern auch im Donauried zu Hause. Weil sie zu den bedrohten Arten gehört, muss sie geschützt werden.
Bild: dpa, NABU, Manfred Delpho

Plus Zum geplanten Wohngebiets „Oberer Ehla V“ im Gundelfinger Süden gibt es vielen Anregungen. Neben dem Hochwasserschutz spielt ein gefährdeter Vogel eine Rolle.

Eigentlich steht sie für Glück und Liebe. Im neuen Wohngebiet „Oberer Ehla V“ im Gundelfinger Süden könnte sie nun aber für Ärger sorgen. Die Turteltaube. Doch nicht nur mit dem Vogel musste sich der Stadtrat in der jüngsten Sitzung beschäftigen. Insgesamt zwölf Behörden und drei Bürger hatten auf rund 82 Seiten zu den derzeit laufenden Planungen für das Baugebiet ihre Bedenken und Anmerkungen geäußert.

Das Extremhochwasser würde 40 Prozent der Stadt fluten

Wie diese einzuschätzen sind, teilte Werner Dehm, Geschäftsführer des Planungsbüros für Ortsplanung, Stadtentwicklung und Architektur (OPLA) aus Augsburg den Stadträten mit. Grundsätzlich, betonte er, habe sich nichts am Bebauungsplan geändert. Es habe jedoch etliche Anregungen gegeben, die zur rechtlichen Sicherheit nachgebessert worden seien. Dazu gehörte beispielsweise das Extremhochwasser, kurz HQ-Extrem. „Wir hatten uns bisher nicht intensiv damit auseinandergesetzt“, sagte Dehm. Grund dafür sei nicht nur der Umstand, dass bei einem solch unplanbaren Hochwasserereignis rund 40 Prozent der Stadt Gundelfingen unter Wasser stehen würde, auch planungsrechtlich sei es nicht relevant. „Für die Bauleitplanung zählt lediglich das hundertjährige Hochwasserereignis, kurz HQ-100“, erklärt er im Nachgang im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dieses Hochwasser betreffe schwerpunktmäßig die Gebiete, die östlich der Bahnlinie lägen. Alles was westlich davon gelegen sei, nicht. Anders sehe es allerdings beim HQ-Extrem aus. „Dabei handelt es sich um unkalkulierbare, massive Niederschlagsereignisse“, betont er. In einem solchen Ausnahmefall würde es eine Wechselwirkung zwischen dem Hochwasser der Donau und den Nebenflüssen, wie beispielsweise der Brenz, geben. Beim neuen Baugebiet „Oberer Ehla V“ hatte nun das Wasserwirtschaftsamt sowie das Landratsamt den Wunsch geäußert, einen solchen Katastrophenfall nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.

Dehm sagt: „Die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering, aber wir haben es uns trotzdem angeschaut.“ Beim Extremhochwasser erklärt er, würde die Stadt im schlimmsten Fall bis zu einen Meter unter Wasser stehen. Damit die Kommune rechtssicher unterwegs sei, habe man sich deshalb dazu entschlossen, den Bauherren die Möglichkeit zu geben, dieses Risiko abzumildern. „Die Erschließungsplanung ist bereits fertig und mit der Straße liegen wir bis zu 70 Zentimeter über dem natürlichen Gelände“, erklärt der Planer. Zusätzlich werde nun für Bauherren ein weiterer Puffer von bis zu 50 Zentimetern eingeplant. Im Katastrophenfall hätten Anwohner so die größtmögliche Sicherheit, sollten sie mit einer solchen Erhöhung arbeiten wollen.

Die Turteltaube sorgt bei den Planungen in Gundelfingen für Ärger

Doch nicht nur das Wasser beschäftigte die Planer des neuen Baugebiets. Auch das Tierreich sorgte für Unsicherheiten. So hatte beispielsweise ein Anwohner angemerkt, dass im Gebiet des „Oberen Ehla V“ die Turteltaube vorkomme. Das Problem: Der Wildvogel steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Bayern. „Beim Thema Artenschutz sind wir ganz schnell sensibel geworden und haben der Stadt empfohlen, einen Gutachter einzuschalten“, erklärt der Planer. Daraufhin hatte sich der Augsburger Ornithologen Hermann Stickroth vor Ort ein genaues Bild gemacht.

Als er dessen Ergebnisbericht in der jüngsten Stadtratssitzung vorstellte, war Dehm die Erleichterung anzumerken. Zwar ist die Turteltaube im Donauried anzutreffen, im betroffenen Areal „Oberen Ehla V“ hat sie jedoch weder Brutplätze noch Nahrungsraum. Deutlich besser geeignet, so das Fazit des Vogelexperten, seien die Gartenbaukulturen südlich des geplanten Wohngebiets. Dass die Begrünungsmaßnahmen, die die Stadt zusätzlich an dieser Stelle vornehmen möchte, für den Wildvogel durchaus attraktiv sein könnten, hält der Ornithologe aber für möglich. Zusätzlich hatte Stickroth in seinem Bericht auch darauf hingewiesen, dass die Turteltaube mit ihrem gestuften, dunklen Schwanz mit weißem Ende oft mit einer anderen Taubenart verwechselt werde.

Nachdem der Bericht des Gutachters zur Turteltaube vorgestellt wurde, erkundete sich Dritter Bürgermeister Florian Steidle (CSU) danach, wer die Kosten der Untersuchung zu tragen habe. Da sich die Vermutung des Antragsstellers nicht bewahrheitet hatte, wollte er wissen, ob dieser nicht die Kosten zu tragen habe. Planer Dehm erklärte daraufhin, dass der Vogel dem Gutachten zufolge ja durchaus in diesem Gebiet vorkomme. Nur auf den Flächen des zukünftigen Baugebietes habe er momentan weder Nahrungsquellen noch Nistplatz.

Die Stadt zeichnet fünf Gundelfinger aus

Zusätzlich wurde auch die Sorge, dass der Sieben-Viertel-Weg möglicherweise zugeparkt werden könnte, noch einmal thematisiert. Der Feld- und Waldweg sei keine öffentliche Straße. Landwirtschaftlicher Verkehr, so Dehm, solle weiterhin möglich sein. Zum Baugebiet hin werde es keine öffentliche Straßenerschließung geben. An diesem Weg sei lediglich ein Fußgänger- und Radweg geplant, erklärte er.

Außerdem hatte der Stadtrat über das gemeinsame Kommunalunternehmen zur Verkehrsüberwachung Schwaben-Mitte diskutiert. Die Räte stimmten dem Beitritt der Gemeinde Ebershausen im Landkreis Günzburg, der Stadt Höchstädt, der Stadt Marktoberdorf im Ostallgäu und der Stadt Neusäß im Landkreis Augsburg zu.

Ebenso wurde die Auszahlung der Fördermittel der Professor-Bamann-Studienstiftung für das Jahr 2020 im Stadtrat beschlossen. Von 98 eingereichten Anträgen erhalten 88 eine Förderung von insgesamt 12800 Euro. Zehn der eingegangenen Anträge, teilte Bürgermeisterin Miriam Gruß (FDP) in der Sitzung mit, hatten die Voraussetzungen zur Förderung aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt. Weiterer Bericht folgt.

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