1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Eine Ära geht zu Ende: Gärtnerei Münch hört auf

Dillingen

20.04.2019

Eine Ära geht zu Ende: Gärtnerei Münch hört auf

In dem Treibhaus, das Bernhard Münch als Schüler gebaut hat, bewahrt er noch ein paar Blumen auf. Sein Hobby, wie er sagt. Ehefrau Heidrun und er schließen ihren Betrieb an Ostern. Nach rund 100 Jahren ist Schluss mit der Gärtnerei.
Bild: Homann

Nach fast 100 Jahren ist Schluss. Die Gärtnerei Münch schließt und ist am Ostersamstag das letzte Mal auf dem Dillinger Wochenmarkt.

In Dillingen geht eine Ära zu Ende. In der Schützenstraße schließt die Gärtnerei Münch ihre Pforten. Nach den beiden Wochenmärkten in Dillingen und Donauwörth am Samstagvormittag ist Schluss. „Gesundheitlich geht es nicht mehr“, sagt Bernhard Münch und setzt sich auf einen Stuhl. In wenigen Tagen steht eine Operation an, im Anschluss die Reha. Das Laufen fällt dem 58-Jährigen sichtbar schwer. „Ich habe früher angefangen, jetzt höre ich auch früher auf.“ Bereits mit zehn Jahren habe er die ersten Blumen verkauft, wie sein längst erwachsener Sohn Tobias. Weil dem die Helfer fehlen, kann er den Betrieb nicht weiterführen. „Allein schafft man das nicht“, sagt Bernhard Münch.

Aus dem Bayerischen Wald nach Dillingen

Vor rund 100 Jahren, so genau weiß er das nicht, hat sein Opa den Betrieb angeboten bekommen und gekauft. Eigentlich war der aus dem Bayerischen Wald nach Dillingen gekommen, um dort das Priesterseminar zu besuchen. Nach dem Opa leitete Vater Ignaz Münch den Betrieb. Bernhard und seine Schwester Gerda stiegen schon als Kinder mit ein, kümmerten sich unter anderem um die Buchführung und freuten sich über jede Ertragssteigerung. „Mit zwölf Jahren habe ich dieses Treibhaus gebaut, es war eine Leidenschaft“, sagt Bernhard Münch. Jeden Tag steht er um fünf auf und arbeitet von sechs bis sechs. Was er danach noch anpackt, sei Hobby, erklärt er. Auch zehn Kilo Rosenkohl putzen seien keine Arbeit. Sechs Lehrlinge hat er ausgebildet und auch Gesellen beschäftigt, aber seit acht Jahren kamen keine jungen Leute mehr. Fleißigster Helfer, der nicht zur Familie gehört, sei Manfred Rehm. Der 79-Jährige steht seit 22 Jahren ein Mal pro Woche auf dem Donauwörther Markt. „Der versteht das Geschäft top, macht selten Urlaub – so einen gibt es nicht mehr.“ Das Geschäft sei gut gelaufen, oder wie Münch meint: „Es war schon recht.“ Die Wochenmärkte in Dillingen, Höchstädt, Donauwörth und Meitingen waren sein Leben. 50 Jahre lang gab es einen Münch-Stand in Dillingen. Neben Schwester Gerda Kobinger half auch Münchs Tochter Carolin, wenn es ihre Arbeit zuließ. Es sei entspannt gewesen auf den Märkten. Gemüse putzen, Kränze binden, „das ist die höchste Freude“.

Der Chef wurde ernsthaft krank

Doch ohne Personal ginge es nicht und er mag nicht mehr. Schon vor zehn Jahren war Bernhard Münch ernsthaft krank. Das und der Tod des Lauinger Bürgermeisters Wolfgang Schenk vergangenes Jahr gaben ihm zu denken. „Bevor ich sterbe, hör’ ich auf“, sagt er mit fester Stimme. Es sei ein gewaltiger Schritt, den ziehe die Familie jetzt „eiskalt“ durch. Allein, wie viel seine Frau Heidrun im vergangenen Jahr gießen musste, das will er ihr nicht mehr antun. „Da höre ich lieber auf, dass sie es auch schön hat.“ Auf seine Frau lässt er nichts kommen. Am Karsamstag sind die beiden genau 30 Jahre verheiratet. Sie wird dann mit dem Sohn zum letzten Mal auf dem Donauwörther Wochenmarkt stehen. 40 Jahre war der Betrieb dort vertreten. Münchs hatten auch deswegen nie einen Hofladen, weil Münch seiner Frau nicht noch mehr Arbeit zumuten wollte. Langweilig wird es dem Trio aus der Schützenstraße mit Hund Emi danach auch nicht: Sohn Tobias, 30 Jahre alt, wird in seinem Lehrbetrieb weiterarbeiten. Ehefrau Heidrun meint: „Ich habe ja immer noch das Haus“, mit unter anderem drei Küchen. Und Bernhard Münch will auch noch etwas arbeiten. Am Vormittag, vier Stunden. Ihm falle da schon etwas ein.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Großhändler brauchen viel mehr Gemüse

Der Betrieb, zwei Hektar Land und 2000 Quadratmeter Hochglanz, soll stehen bleiben. Die Anlagen seien nicht mehr zeitgemäß, sagt Münch, das sei auch ein Problem. Dann das Wetter. Drei Pullover übereinander hatte der 58-Jährige am Mittwoch auf dem Markt an. Da stand sein Wagen im Norden, es sei eiskalt gewesen. Und die Großhändler bräuchten ganz andere Mengen, als er bereitstellen könnte. So viel Gemüse gab der Betrieb gar nicht her.

Jetzt ist das meiste bereits verkauft. Und den Rest esse die Familie selbst. Vergangene Woche gab es so viel Spinat, da folgt auf Spinatspätzle und -knödel noch eine Spinatlasagne, erzählt Heidrun Münch und lacht. Ihre Lieblingsblumen seien Rosen, weiß ihr Mann, seine Favoriten sind Dahlien, Astern, Nelken und Zinnien. Und was isst der Chef am liebsten? „Schnitzel“, sagt er trocken. Na ja, und Kohlrabi, Bohnen und Salat. Und Spinat eben.

Lesen Sie auch:

Eichenprozessionsspinner: auslöschen oder abwarten?

Chaotische Wendemanöver in Dillingen hören nicht auf

Illegale Absprachen? Klage gegen Busfirmen aus der Region

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20DSC_0544.tif
Gundelfingen

Jo Halbig als Coach: So wird man zum Alltagsrocker

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden