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Dillingen

26.01.2019

Eine Gasse für den Seelenfrieden

Die meisten Häuser in der Dillinger Seelgasse wurden im 17. und 18. Jahrhundert gebaut. Das namensgebende Seelhaus stammt von 1607.
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Die meisten Häuser in der Dillinger Seelgasse wurden im 17. und 18. Jahrhundert gebaut. Das namensgebende Seelhaus stammt von 1607.
Bild: Manfred Schiedl

Die Dillinger Seelgasse ist nach einer sozialen Einrichtung benannt. Zwei mal brannte es dort.

„Straßen und ihre Namen“ heißt eine Serie unserer Zeitung. Dabei spüren wir der Geschichte von Straßen in unserem Landkreis nach.

Wenn man den Dillinger Stadtberg abwärts fährt, zweigt gleich danach ein kleines Gässchen nach links ab: die Seelgasse. Ein schmales Strässlein, rechts die Mauer zur Heilig-Geist-Stiftung, links, schön hergerichtet, reiht sich Haus an Haus. Wenn man dieses Stück „Alt-Dillingen“ erkunden möchte, wäre es ratsam, dies „per pedes“ zu tun. Denn Autos sind dabei eher hinderlich.

Die meisten Häuser dort wurden im 17. und 18. Jahrhundert erbaut. Der Name Seelgasse entstand hingegen schon im Jahr 1607 und bedeutet: Gasse am Seelhaus. Das Seelhaus, (heute Am Stadtberg 14), das Eckhaus zwischen Spital und der Seelgasse, wurde aus Mitteln des Spitals gestiftet und nördlich davon erbaut. Es sollte mittellosen Kranken und Fremden sowie kranken Dienstboten als Unterkunft dienen. Außerdem konnten auch Pilger dort unterkommen. 1785 wurde darin eine Chirurgen-Schule eröffnet und 1777 eine Hebammenschule dorthin verlegt. Es wurde dafür mit hohem Kostenaufwand umgebaut. Der Spitalpfarrer Franz Xaver Sebastian Brezel beschrieb in seiner Pfarrmatrikel um 1780, dass jeder Badergeselle und jede Hebamme darin zwei Jahre ausgebildet werden sollte. Auch diente es lange Zeit als städtisches Krankenhaus und „clinicum und anathomisches Theater“ der Universität Dillingen.

Was der Spitalpfarrer 1780 vermerkte

Der Spitalpfarrer vermerkte 1780 (man beachte die Ausdrucksweise von damals): „Seelhaus ware vormahls von denen Spitalsmitlen erbauet zue einem undterkommen der frembden durchreisendten armen, sonderbahr denen krankhen und presthafdten, so sich selbsten nit weiters fortzubringen wußten, denen man dann alle Zeit ein nachthörberg darinen angewiesen, den undterhalt geschaffet, und dan den anderten Dag, oder wie es sein konnte, durch den Spitahls Baumeister weihters liefern lassen. Das Spitahl unterhaltet selbiges im baulichen Wesen, und erhaltet darinen mit getraidt und holtz einen so genannten Bettel- oder Seel-Vogt. “

Das Seelhaus wurde schließlich im Jahr 1837 an privat verkauft. Die Seelgasse erlitt im 19. Jahrhundert zudem zwei Brände. An Silvester 1843 brannte das Haus eines Webers, zu lesen ist aus dieser Zeit aber: „Glücklich gelang es jedoch, das Unheil zu beschwören, so dass nur ein Haus niederbrannte.“ Noch ein Brand geschah am Morgen des 16. Januars 1871, um halb fünf Uhr morgens bei Maurer Grimminger. Das Thermometer zeigte damals 14 Grad Minus.

Am Ende der Seelgasse befindet sich der so genannte Hiasl-Turm. Als Rundturm am Spitalhof erbaut, wurde er als Pulverturm benutzt. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert und war Teil der Stadtmauer beziehungsweise Stadtbefestigung. Ob der als „Bayerischer Hiasl“ bekannte Matthäus Klostermayer tatsächlich darin eingesessen hatte, lässt sich allerdings nicht belegen.

Mit seinen schön hergerichteten, dicht an dicht gedrängten Häusern, ist die Seelgasse ein besonderes Zeugnis des historischen Dillingen. Und wie man auf dem Foto sieht, kann man dort auch mal in der Mitte der Straße spazieren gehen.

Lesen Sie dazu auch weitere Folgen unserer Straßenserie:

Lauingen: Diese Straße wurde aus dem falschen Grund so genannt

Dillingen: Die Königstraße trug schon viele Namen

Der Galgen vor der Stadt Dillingen

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