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Lauingen

09.08.2019

Eine Hobby-Bäuerin aus Lauingen auf Instagram

Am liebsten verbringt Alina Zacher ihre Zeit mit dem Kälbchen Samira. An der Landwirtschaft gefällt ihr besonders gut, dass jeder Tag eine Überraschung ist und die Arbeit vielseitig und abwechslungsreich bleibt. Mit ihrem Instagram-Account möchte sie andere Frauen motivieren und Vorurteile abbauen.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Knapp 61.000 Follower hat Alina Zacher auf Instagram. Mit ihren Erlebnissen in der Landwirtschaft will die Lauingerin ein neues Bewusstsein schaffen.

Behutsam streichelt sie über das weiche Fell von Kälbchen Samira und tätschelt es dann liebevoll an seiner Flanke. Wenn Alina Zacher im Stall ist, vergisst sie die Welt um sich herum. Für die 21-jährige Lauingerin gibt es nichts Schöneres. Viel frische Luft, moderne Maschinen, Technik und vor allem viele Tiere – die Landwirtschaft ist für sie ein absoluter Traumjob. Und das darf auch jeder wissen. Auf ihrem Instagram-Kanal „Alinas Landleben“ teilt die 21-jährige Hobby-Bäuerin alle ihre Erlebnisse als Fotos oder Videos. Und den Menschen gefällt, was sie macht. Knapp 61000 Frauen und Männer aller Altersschichten verfolgen ihren Alltag.

Warum die Landwirtschaft ein absoluter Traumberuf für sie ist

Sie sagt: „Einen eigenen Hof habe ich zwar nicht, ich darf aber bei Simon Schweigardt mithelfen.“ Durch einen Zufall sei sie vor einigen Monaten auf dem Hof in Sontheim gelandet. Weil sie Gülle für den Aussiedlerhof ausgefahren hatte, entstand der Kontakt. Dabei hatte es der jungen Frau so gut auf dem Hof gefallen, dass sie sich dazu entschloss, regelmäßig dorthin zu gehen.

Wenn sie nicht gerade ihre freie Zeit mit Kälbchenpflegen, Traktorfahren oder Ausmisten verbringt, arbeitet Zacher als Industriemechanikerin bei einem Landmaschinenhersteller in der Region. „Schon als Kind hatte ich den Traum von einem eigenen Hof“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Damals war sie regelmäßig auf einem Bauernhof in Lauingen gewesen. Dort hatte sie auch ihre ersten Erfahrungen gesammelt und ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft entdeckt. „Zu Hause rumsitzen und Playstation spielen oder fernsehen war nie mein Ding“, sagt sie und muss lachen. Stattdessen wollte sie draußen sein, mitanpacken und etwas erleben.

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Dass sie sich als Frau öfter mal mit Vorurteilen auseinandersetzen muss, weiß die Lauingerin. Sie betont: „Die Landwirtschaft ist noch immer eine Männerwelt, und als Frau muss man sich erst einmal beweisen.“ Robert Knittel, Abteilungsleiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, kurz AELF, weiß, dass Frauen schon immer eine große Rolle in der Landwirtschaft gespielt haben. Er betont: „In keinem anderen Arbeitsbereich ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern so ausgeglichen.“ Das liege auch daran, dass meist die ganze Familie auf einem Hof eingespannt sei.

Wie die Idee zu "Alinas Landleben" kam

Mit ihrem Instagram-Account möchte Zacher deshalb andere junge Frauen motivieren und zeigen, dass man auch als Mädchen bei allen Arbeiten auf dem Hof mithelfen und Vorurteile abbauen kann. Als sie sich im Dezember 2017 beim Onlinedienst anmeldete, ahnte sie nicht, dass sie knapp zwei Jahre später über 61000 Abonnenten haben würde.

„Alles kam ins Rollen, als ich ein Bild von mir an eine landwirtschaftliche Seite geschickt hatte, die es teilte.“ Daraufhin hatte Zacher auf einmal unzählige Freundschaftsanfragen. Während sie anfangs noch alle separat bestätigte, entschloss sie sich bald, ihr Profil in ein „professionelles“ umzuwandeln. Sie erinnert sich: „Mir war es nicht mehr wohl damit, dass mein kompletter Name, Wohnort und meine Handynummer von jedem eingesehen werden konnten.“

Influencerin Alina Zacher im Interview

Alina ist 21 Jahre und ist Industriemechanikerin. Die Lauingerin ist aber auch leidenschaftliche Hobby-Landwirtin - und eine erfolgreiche Influencerin. Auf ihrem Instagram-Account folgen ihr mehr als 61.000 Follower. Wir haben sie getroffen. Natürlich im Kuhstall :) Hier gehts zum Artikel: donau-zeitung.de/55141921

Gepostet von Donau Zeitung am Freitag, 9. August 2019


Alle zwei bis drei Tage versorgt sie jetzt ihre Fans mit Bildern und Informationen. Was sie postet, entscheidet die 21-Jährige spontan. „Ich muss Lust darauf haben – eigentlich arbeite ich lieber, als ständig am Handy zu hängen“, erklärt sie. Ein Vorbild, dem sie in den sozialen Medien nacheifern möchte, hat Zacher nicht. Sie betont: „In erster Linie darf es nicht nackt sein.“ Sich extra für ihre Bilder in Szene setzen würde sie nicht.

Zwar trägt sie gerne Make-up und achtet auch sonst auf ein gepflegtes Aussehen, ihre Posts versucht sie aber so realistisch wie möglich zu halten. „Natürlich mache ich mich zurecht, wenn ich am Wochenende weggehe, auf einem Foto habe ich aber auch mal schmutzige Arbeitskleidung an“, sagt sie.


Ob sich die glamouröse Welt von Instagram mit dem Landleben vereinen lässt, beantwortet die Hobby-Bäuerin deshalb entschieden mit einem Ja. „Die Anzahl meiner Abonnenten spricht für sich und zeigt, dass Interesse besteht.“

Was hinter ihren Posts auf Instagram steckt

Und das nutzt die 21-Jährige. Sie möchte mit ihren Beiträgen nämlich nicht nur möglichst viele Fans gewinnen, sondern ein Verständnis für die Landwirtschaft schaffen. Erst vor wenigen Wochen hatte es einen Zwischenfall gegeben, der Zacher wütend machte. Sie erzählt: „Wir waren beim Dreschen und wurden angegangen, da es vorbeifahrenden Autofahrern und einer Nachbarin zu sehr staubte.“ Dass die Leute ihre Arbeit nicht zu schätzen wüssten, macht sie besonders traurig.

Als Verbraucher esse man zwar täglich Brot, dass der Landwirt dafür aber das Getreide ernten müsse, vergäßen viele Verbraucher. „Gerade bei Skandalen wird gerne mit dem Finger auf alle Landwirte gezeigt und verallgemeinert“, betont Zacher. Die 21-Jährige wünscht sich deshalb, dass die Menschen sich ein eigenes Bild machen. Auf dem Hof von Simon Schweigardt beispielsweise holten die Leute aus dem Dorf ihre Milch noch selbst. Dabei könnten sie auch einen Blick in den Stall werfen und sich davon überzeugen, dass es den Kühen gut gehe.

Dass die Kommunikation mit den Verbrauchern immer wichtiger wird, findet auch Robert Knittel vom AELF. Er sagt: „Man muss Konsument und Erzeuger näher zusammenbringen, und wenn das über soziale Medien gelingt, ist das großartig.“ Alina macht vor, wie es geht. "

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unserer Autorin: Wie Bauern Barrieren überwinden

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