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Oberthürheim

18.12.2020

Eine „Kathedrale“ aus Lärchenholz im Donauried bei Oberthürheim

Sie wirkt wie eine gotische Kathedrale: die siebte und letzte Denzel-Kapelle im Donauried bei Oberthürheim. Entworfen hat sie der renommierte Architekt Christoph Mäckler, gebaut die Firma Gumpp und Maier in Binswangen.
Bild: Eckhart Matthäus/Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung

Plus Die siebte und letzte Kapelle der Denzel-Stiftung bei Oberthürheim steht vor der Vollendung. 150 Farbgläser tauchen den Innenraum in ein tiefblaues Licht und sorgen für eine mystische Stimmung

Siegfried Denzel ist mit sich im Reinen. Mit seiner Frau Elfriede sei er seit bald 58 Jahren glücklich verheiratet, sagt der Wertinger. Als Holzunternehmer habe er 60 Jahre gearbeitet und viele freundschaftliche Beziehungen geknüpft. Jetzt führten „die tüchtigen Söhne“ den Betrieb erfolgreich weiter.

"Den Menschen etwas zurückgeben"

Aus dieser Zufriedenheit heraus habe er einen Entschluss gefasst. „Ich will den Menschen davon etwas zurückgeben“, sagt der 89-Jährige. Und so kam es zur Gründung der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung und deren Sieben-Kapellen-Projekt, das jetzt vor der Vollendung steht. Die siebte und letzte Kapelle wächst gerade an der Radwegekreuzung im Donauried bei Oberthürheim aus dem Boden. Und wie alle sechs Gotteshäuser zuvor, zieht auch diese wie eine gotische Kathedrale wirkende Kapelle aus Lärchenholz bereits vor der Eröffnung Schaulustige an.

Der Ort selbst zählt wiederum zu den schönsten Plätzen im Landkreis. Wer von der Blindheimer Donaubrücke her durchs Ried fährt, stößt am Ende vor dem Anstieg nach Oberthürheim auf große Kastanien, ein Wegekreuz – und nun diese Kapelle. Erneut hinterlässt hier ein großer Architekt Spuren. Professor Christoph Mäckler, der in Frankfurt am Main ein Büro für Architektur und Stadtbereichsplanung betreibt, hat das Gotteshaus geschaffen. Sein Vater, ebenfalls Architekt, habe 13 Kirchen gebaut.

Der „Wunsch nach Einfachheit“ habe ihn zu seinem Entwurf geführt, sagt Mäckler. Die Einheit von Wegekreuz, Kastanienbäumen und Kapellenhaus strahle Ruhe aus, sie lade Wanderer und Radler zur Einkehr ein. „Diese einfache Kapelle mit ihrer aufstrebenden Architekturform weckt Erinnerungen an den gotischen Kirchenbau“, erklärt Professor Mäckler, der bis 2018 mehr als zwei Jahrzehnte am Lehrstuhl für Städtebau der Technischen Universität Dortmund unterrichtet hat.

Alexander Gumpp: Es ging nicht um die wirtschaftliche Rendite

Eröffnet werden sollte die Denzel-Kapelle in diesen Tagen. „Klar, sie wird fertig“, sagt Alexander Gumpp, Geschäftsführer des Binswanger Holzbauunternehmens Gumpp & Maier. Wie die sechs Bauwerke zuvor, hat die Firma auch die siebte Kapelle errichtet. Dabei sei es nicht um die wirtschaftliche Rendite gegangen, sagt Gumpp. Seine Stunden habe er nicht aufgeschrieben. Geld verdiene die Firma mit anderen Projekten. Aber der Bau der Kapellen sei für ihn und Projektbetreuer Alfred Bühler etwas ganz Besonderes gewesen.

Die Zusammenarbeit mit diesen renommierten Architekten habe ihn begeistert, blickt Gumpp zurück. „Die Großen sind nicht arrogant“, hat der Binswanger erneut festgestellt. Die architektonische Bandbreite dieser Wallfahrtsorte sei groß, von der Skulptur wie in Kesselostheim bis zum traditionellen Kapellenbaukörper wie in Oberthürheim. 12,30 Meter ragt das letzte Werk im Donauried in die Höhe. Die drei Meter breite Kapelle hat ein steil aufragendes Chorgestühl an den Seiten.

Inzwischen ist das Gerüst abgebaut. An den Längsseiten des Bauwerks sind 150 Farbgläser montiert, die den Kapellenraum am Tag in ein tiefblaues Licht tauchen. Durchdrungen werde diese Stimmung, so Mäckler, durch ein goldgelbes Kreuz an der westlichen Giebelwand. Zusammen mit dem Kerzenlicht, dem Weihwasserbecken und der einfachen Bauweise aus Lärchenholz entstehe „ein christlich-spiritueller Raumeindruck“.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass auch die siebte Denzel-Kapelle wieder Besucher in Scharen anlocken wird. In diesen modernen Wallfahrtsorten sind Büchlein ausgelegt, in denen Besucher aufschreiben, was sie bewegt. „Ich finde es rührend, was Menschen da reinschreiben“, sagt Siegfried Denzel. Er freue sich, dass das Werk der Architekten gelungen sei. Es finde sich an diesen Orten wohl das, wofür Menschen empfänglich sind. „Das ist eine Verbindung von Natur, Heimat, Architektur, Glauben, Selbstfindung“, sagt Denzel. Der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, sieht der Fertigstellung ebenfalls mit Freude entgegen: „Die Kapelle ist wunderbar und völlig eigenständig wie die anderen.“ Die Form wirke vertraut. Durch das turmartige spitze Dach sei das Werk eine Weiterentwicklung der Urform Haus. Fassl gerät ins Schwärmen: „Im Innern lässt das blaue Licht einen zur Ruhe kommen. Im Tal weithin sichtbar, hat man doch den Eindruck, die Kapelle stünde schon immer da.“

Ökumenische Segnungsfeier wegen Corona abgesagt

Die ökumenische Segnungsfeier hätte am Samstag stattfinden sollen. Wegen Corona wurde der Termin aber am Donnerstag abgesagt. „Wir hoffen nun, im Frühjahr oder Sommer 2021 ein Fest bei der Kapelle durchführen zu können“, kündigt Bezirksheimatpfleger Fassl an.

Es soll noch etwas Größeres kommen

Siegfried Denzel sagt, dass das Sieben-Kapellen-Projekt nicht das Ende des Auftrags der Stiftung sei. „Wir bringen derzeit etwas ins Laufen, das bedeutsam für die ganze Region ist“, betont der Wertinger. Das neue Projekt reiche von der Bedeutung her noch über die sieben Kapellen hinaus.

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